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Standort-Suche : Atom-Endlager im Kreis Rendsburg-Eckernförde?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwei riesige Salzstöcke in der Hohner Harde und im Nortorfer Land wurden bereits 1995 geprüft. Das Umwelt-Landesamt beschwichtigt.

Riesige Salzstöcke unter der Erdoberfläche machen den Kreis Rendsburg-Eckernförde interessant – nicht für den Rohstoff-Abbau, sondern als möglichen Standort für ein Atommüll-Endlager. Wie etliche weitere Regionen in Deutschland steht das Gebiet um Rendsburg im Fokus des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), denn die Suche nach einer Stätte für verbrauchtes, strahlendes Material aus Kernkraftwerken fängt derzeit wieder bei null an.

„Dass wir auf einem Salzstock wohnen, wissen wir schon lange“, sagt der Gnutzer Bürgermeister Markus Mehrens. Wie mächtig das geologische Gebilde in einer Tiefe von bis zu einem Kilometer ist, habe er jedoch erst zufällig bei einem Besuch in einem Salzbergwerk in Lüneburg vor einigen Jahren erfahren. Dort ist seine 1200-Einwohner-Gemeinde auf einer großen Salzstruktur-Karte Norddeutschlands verzeichnet. Der Stock verläuft unter Gnutz und Eisendorf als Teil einer gewaltigen Salzmauer (siehe Infokasten) östlich von Rendsburg. Im Westen liegt eine weitere solche Mauer, die nicht ganz so groß ist, aber unter Hamdorf ebenfalls einen Stock bildet. Sowohl Eisendorf und Gnutz als auch Hamdorf sind von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bereits vor mehr als 20 Jahren auf eine Liste möglicher Endlagerstätten für Atommüll gesetzt worden, neben vier weiteren Standorten in Schleswig-Holstein und 35 in anderen Bundesländern (wir berichteten). Die Salzstöcke unter den drei Dörfern in der Hohner Harde und im Nortorfer Land tauchen in einem Untersuchungsbericht auf, den die BGR 1995 veröffentlicht hat. Darin geht es um die Endlagerung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen. Das wurde damals nicht an die große Glocke gehängt, Markus Mehrens wurde zumindest nichts darüber mitgeteilt. Der 66-Jährige ist seit 1993 Bürgermeister in Gnutz.

Nachdem die umstrittenen Pläne für Gorleben in Niedersachsen endgültig gescheitert sind, wird derzeit wieder im gesamten Bundesgebiet gesucht. In einem ersten Schritt war vor wenigen Wochen eine Veränderungssperre erteilt worden, damit mögliche Lagerstätten nicht durch Bohrungen unbrauchbar gemacht werden können. Dass der Gnutzer Salzstock unter Umständen heute wieder in den Blick genommen werden könnte, wurde Mehrens bislang nicht bekannt gemacht. „Das ‚Vielleicht‘ ist entscheidend, deshalb ist hier im Ort noch Ruhe. Wir müssen uns nicht verrückt machen, solange nichts konkret ist“, sagt Mehrens. Das BfE beruhigt in dieser Hinsicht: Die Bürger „haben künftig vielfältige Möglichkeiten, sich an der Standortsuche zu beteiligen“, heißt es von der Behörde. Wenn das Auswahlverfahren konkreter wird, soll es regionale Konferenzen geben. Landesumweltminister Robert Habeck hat bereits mitgeteilt, dass sich kein Bundesland bei der Endlagersuche aus der Verantwortung ziehen kann. Solidarität sei gefragt. Währenddessen beschwichtigt das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume: Bei der BGR-Studie von 1995 handele es sich um einen veralteten Verfahrensstand, der nicht den Kriterien des aktuellen Auswahlverfahrens entspreche, heißt es auf Nachfrage. Die Autoren der Studie empfahlen übrigens bereits damals vier Standorte für die weitere Diskussion – keiner davon liegt in Schleswig-Holstein.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 12:30 Uhr

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