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Landeszeitung

23. Oktober 2017 | 01:08 Uhr

Atemberaubende Flötentöne

vom

Italienisches Flair: Begeisternde Barockmusik mit "Il Giardino Armonico" in der Christkirche

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Rendsburg | Im Kirchenschiff herrschte atemlose Stille. Gespannt und fasziniert hörten und sahen die Konzertbesucher den Tanz mit der Flöte: Giovanni Antonini spielte Telemanns Konzert C-Dur nicht nur, er rang mit der Alt-Blockflöte, entlockte ihr warme und weiche Töne und Triller und bewegte sich, als hätte der Barock-Komponist eine Choreografie zu dem Stück (TWV 51:C1) geschrieben. Es war ein im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubender Auftritt - sowohl für die Zuhörer als auch für den Künstler, der für dieses Meisterstück seinen Atem gut einteilen musste.

"Il Barocco" - der Barock - war dieses Konzert in der barocken Christkirche mit "Il Giardino Armonico" überschrieben. Das Ensemble für alte Musik hatte dafür nicht nur die "Hit-Schreiber" wie Antonio Vivaldi und Georg Philipp Telemann im Programm, sondern auch unbekanntere Komponisten wie Tarquinio Merula oder Giovanni Battista Fontana. Letzterer wurde von Zeitgenossen als "exzellenter Virtuose auf der Violine" bezeichnet, aber über sein Leben ist wenig bekannt. Als ein Meister der Geige galt zu siner Zeit (1644-1704) auch Heinrich Ignaz von Biber. Seine "Harmonia artificiosa-ariosa" war und ist in der Tat ein "Kunstvoll-gesanglicher Wohlklang" mit beeindruckenden Griffen und entsprechend begeisternden Tönen.

Stück für Stück steigerten sich die acht Musiker in diesem wunderbaren Konzert, mit dem die Christkirche wieder ihre großartige Akustik unter Beweis stellte. Anfangs erhellte die Sonne noch den lichten Kirchenraum und unterstrich die Leichtigkeit der barocken Harmonien, die ohne elektronische Verstärkung und Aussteuerung viel sanfter, ja verhaltener klangen.

Ein ungewohnter Klang war auch der des Chalumeaux (sprich: Schalimo). Auf den ersten Blick sieht die Schalmei wie eine Holzflöte aus. Doch das Mundstück ist ein Rohrblatt und damit ähnelt es der Klarinette. Klanglich ist es eine Mischung aus beiden, einwenig gepresst hören sich die Töne allerdings an. Das veranlasste damalige Spötter zu der Aussage, es höre sich an, "als wenn ein Mensch durch die Zähne singet". Nun, ganz so arg war es nicht. Schließlich stammten beide Stücke für Chalumeaux (TWV 43:F2 und 52:d1) aus der Feder von Telemann, der die Meinung vertreten hatte: "Gib jedem Instrument das, was es leiden kann - so hat der Spieler Lust, du hast Vergnügen dran."

Vergnügen hatten sowohl die Musiker als auch das Publikum. Und nach dem Konzert C-Dur für Blockflöte, Streicher und Basso continuo nahm der Applaus kein Ende, so dass das Ensemble zwei Zugaben spielte - eine davon ein Vivaldi-Stück, bei dem Giovanni Antonini auf die Sopranino-Flöte umstieg.

Nach Konzertende schlüpften die "Man in Black" aus ihrer schwarzen Kleidung und folgten ihrem Namen: Der harmonische Garten heißt das Ensemble übersetzt und als solcher präsentierte sich die Anlage im Pelli-Hof bei fast italienischen Abend-Temperaturen. Als Gastgeber fungierte der Festival-Beirat der Region Rendsburg, vertreten durch Hans-Hinrich Blunk. Und bei angeregten Gesprächen, einem Glas Wein und Flötentönen auf der Orgelpfeife, dem obligatorischen Gastgeschenk an die Musiker, klang ein herrlicher Abend aus. Die shmf-Konzerte am 10. und 13. August sind ausverkauft.

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