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Pflege Lebensnah Rendsburg : Asylbewerber als Chance in der Pflege

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der 26-jährige Afghane Wahid Yousefi hat ein Ziel: Er möchte eine Ausbildung als Pflegefachkraft in Rendsburg machen. Dafür muss er aber erst die deutsche Sprache beherrschen.

Für den 26-jährigen Asylbewerber Wahid Yousefi aus Afghanistan ist die Arbeit mit Pflegebedürftigen mehr als nur eine Job. Er hat eine wichtige Aufgabe für sich gefunden, möchte den Menschen etwas zurückgeben und sieht in den Kollegen und Bewohnern eine neue Familie.

Zwei Monate lang hat der junge Afghane ein Praktikum in der Kurzzeitpflege der Pflege Lebensnah in Rendsburg absolviert. Seine ehrenamtliche Betreuerin Gisela Hamann hat ihm den Platz vermittelt – und das mit großem Erfolg: „Wir sind alle hochzufrieden mit der Arbeit von Wahid. Ich kann mir gut vorstellen, ihm später einen Ausbildungsplatz anzubieten“, sagt Geschäftsführer Norbert Schmelter. Im Januar beginnt der 26-Jährige zunächst einen Bundesfreiwilligendienst in der Einrichtung in der Ernst-Barlach-Straße. Für einen festen Arbeitsvertrag fehlen noch ausreichend Deutschkenntnisse und einige Papiere.

„Es hat mich wirklich verrückt gemacht, nur zu Hause zu sitzen“, erzählt Wahid Yousefi, der seit Juli 2014 in Deutschland lebt. Er wollte unbedingt etwas Sinnvolles tun und nicht tatenlos auf die Entscheidung über seinen Asylantrag warten. In Afghanistan musste Yousefi schon als Kind als Schneider arbeiten. Einige Jahre lebte er im Iran und versuchte mehrfach, über Griechenland und Italien nach Deutschland zu gelangen. Inzwischen wohnt er in Owschlag und wartet noch immer auf eine positive Rückmeldung zu seinem Asylantrag. Diese wäre neben ausreichender Sprachkenntnisse und dem Nachweis über einen Schulabschluss Voraussetzung für den Beginn einer Ausbildung als Pflegefachkraft. „Ich hoffe so sehr, dass es klappt. Ich möchte weiter in dem Beruf arbeiten.“

Für die Leiterin der Kurzzeitpflege, Gaby Timm, gehört Yousefi schon jetzt fest zum Team. Waschen, Anziehen, Toilettenpflege und die Essensausgabe sind nur einige seiner Aufgaben. Dabei wird er natürlich noch nicht allein gelassen. Er hilft dort, wo man zu zweit die Pflege übernimmt, so Schmelter. Auch die Bewohner der Einrichtung empfinden den Asylbewerber als eine Bereicherung. Viele zeigen großes Interesse, erzählt Schmelter, sie erinnern sich an ihre eigene Flucht. „Wir spüren alle, dass die Menschen einen besonderen Bezug zu ihm haben“, sagt er.

In den verschiedenen Einrichtungen der Pflege Lebensnah arbeiten derzeit neben Yousefi vier weitere Pflegekräfte, die als Flüchtlinge nach Rendsburg gekommen sind. Sie haben bereits einen festen Arbeitsvertrag. Schon seit Jahren bietet der Betrieb Praktika für junge Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern an. Viele testen erst einmal, ob ihnen die Arbeit überhaupt gefällt.

Mit Blick auf die zahlreichen Asylbewerber in der Region sieht Schmelter eine große Chance für den Pflegeberuf. Denn der Bedarf an Mitarbeitern steigt, immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, junge Menschen für den Beruf zu begeistern, weiß er. Die Rahmenbedingungen und das Bild in der Gesellschaft seien Schuld daran. „Es kommen gerade sehr viele junge Menschen aus anderen Ländern zu uns. Das ist als eine große Chance zu sehen. Es wäre fatal, wenn wir uns als Betrieb nicht um diese bemühen würden.“ Daneben sei es für ihn auch ein persönliches Anliegen. „Für mich ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und zu sehen, wie kann ich teilen und Teilhabe möglich machen.“ Er verstehe nicht, warum das in so vielen anderen Bereichen noch nicht funktioniert. „Die Angst und das Thema Sicherheit scheint so groß zu sein, dass wir nicht aus unserem Tempel rauskommen“, sagt er.



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erstellt am 06.Dez.2015 | 18:18 Uhr

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