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Landeszeitung

24. Oktober 2017 | 03:29 Uhr

Arthur und Oleg tanken Gesundheit

vom

Kinder aus Weißrussland zu Gast in Owschlag und Brekendorf / Projekt der "Initiative für Kinder von Tschernobyl"

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Owschlag | "Schon gleich am ersten Tag war klar, das sind unsere Jungs. Die kommen nächstes Jahr wieder. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick", schwärmt Kerstin Wegert von ihren Gastkindern Arthur und Oleg. Seit gut einer Woche sind die beiden achtjährigen Jungen aus Skorodnoje (Belarus) zu Besuch bei Christof und Kerstin Wegert in Owschlag.

Fröhlich spielen die Jungen im Garten, sausen mit dem Fahrrad und dem Roller ums Haus, sammeln Schnecken und spielen Federball. Und am allerliebsten mögen sie ans Meer. "Bei dem tollen Wetter fahren wir fast jeden Nachmittag nach Eckernförde an den Strand. Arthur und Oleg spielen am Wasser und fischen mit dem Kescher alles raus, was schwimmt." Häufig trifft sie sich am Strand mit Karin Beye aus Brekendorf, die bereits zum zweiten Mal Gastmutter für Artjom (10) und Egor (11) aus Belarus ist. "Artjom und Oleg sind Geschwister", berichtet Kerstin Wegert. "Sie freuen sich, wenn sie sich nachmittags am Strand treffen". Auch an den Vormittagen haben die beiden die Gelegenheit, sich zu sehen. Gemeinsam mit den anderen Kindern aus Weißrussland, die zur Zeit auf Einladung der "Initiative für Kinder von Tschernobyl e.V., Rendsburg-Eckernförde" einen vierwöchigen Erholungsaufenthalt bei Gastfamilien im Kreis absolvieren, treffen sie sich von 9 bis 12.30 Uhr im Konfirmandenraum der Kirche in Westerrönfeld. Elena Rodionova, Lehrerin aus Minsk, betreut hier die Kinder, spielt, bastelt und unternimmt Ausflüge mit ihnen.

"Das ist eine gute Lösung, so kann ich vormittags in Teilzeit arbeiten", sagt Wegert. Überhaupt hätten sich ihre Jungs schnell eingelebt und an den Familienrhytmus angepasst. Auch die eigenen Kinder, die bereits erwachsen seien, würden sie sehr unterstützen. Tochter Josie (22) habe sich angeboten, für eine Woche die Betreuung komplett zu übernehmen. Und wenn Arthur und Oleg zu Sohn Max (19) ins Zimmer dürften, um dort mit den "Star-Wars-Figuren" zu spielen, sei das das Allergrößte für die beiden. Am Abend und am Wochenende spiele Ehemann Christof viel mit den Jungs. Beim "Wikingerschach" hätten alle viel Spaß.

Sehr gefreut habe sie sich über die positive Resonanz aus der Nachbarschaft und dem Freundeskreis. Ob Roller, Fahrrad oder Puzzlespiele, sie habe vieles für ihre Jungs leihen können oder geschenkt bekommen. Der Verein habe auch eine Börse mit gespendeter Kinderkleidung organisiert, so dass sich die Kinder T-Shirts und andere Dinge haben aussuchen können. Großartig finde sie auch das Angebot des örtlichen Zahnarztes Dr. Philipp Kruse, die Zähne der Kinder kostenfrei zu kontrollieren und gegebenenfalls zu behandeln.

Da das Dorf Skorodnoje nur etwa 75 Kilometer vom Kernkraftwerk Tschernobyl entfernt liegt, wachsen die Kinder in einem Gebiet auf, das auch 27 Jahre nach dem schweren Reaktorunglück verstrahlt ist. Ärzte konnten nachweisen, dass ein Erholungsaufenthalt in Deutschland das Immunsystem der Kinder stärkt, berichtet der Verein. Hier zu helfen und zumindest zwei Kindern die Möglichkeit zu geben, etwas "Gesundheit zu tanken", das war auch die Motivation von Familie Wegert.

Die beiden Jungs seien völlig unkompliziert und essen, was auf den Tisch komme. "Besonders mögen sie Obst. Melonen, Bananen und Pfirsiche kann ich gar nicht schnell genug nachkaufen", sagt Wegert lachend. Überhaupt seien ihre Gäste zuckersüß, nur der Haushalt bleibe auf der Strecke, da die beiden unterhalten werden wollen, gibt sie augenzwinkernd zu. Auch die abendlichen Kuscheleinheiten stünden hoch im Kurs. Schon jetzt sei klar, der Abschied in drei Wochen werde nicht leicht, da helfe nur ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

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