zur Navigation springen
Landeszeitung

19. Oktober 2017 | 22:29 Uhr

Armen Kindern ein Lächeln schenken

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Heiko Mielke aus Langwedel reist ins syrisch-türkische Grenzgebiet / „Clowns ohne Grenzen“ helfen Menschen in schwierigen Situationen

von
erstellt am 04.Okt.2014 | 11:11 Uhr

Mit zwei Kollegen reiste Heiko Mielke, Gründungsmitglied des Vereins Clowns ohne Grenzen, gestern nach Istanbul, um von dort aus ins syrisch-türkische Grenzgebiet weiterzuziehen. Dort angekommen werden die drei Hunderttausende von Flüchtlingen begegnen und ihnen mit ihrer Show „ein herzliches Lachen und schöne Erinnerungen schenken“. Kurz vor seiner Abreise sprach der 53-Jährige Langwedeler mit LZ-Mitarbeiterin Julia Borrmann über Einzelschicksale, interkulturelle Besonderheiten und strahlende Kinderaugen.

Herr Mielke, wohin genau reisen Sie?

Wir wohnen in einem Hotel in Istanbul und reisen von dort aus weiter. Wir haben Shows in Istanbul, Reyhanli und der Umgebung im Südwesten der Türkei. Dort sind mehrere Flüchtlings-Camps die wir dann besuchen werden. Dabei reise ich mit Miriam Brenner und Stefan Schiegl, mit denen ich seit vielen Jahren gemeinsam unterwegs bin. Mit Schliegl unternehme ich auch immer die Sri Lanka-Tour. Wir sind ein gutes Team.

Werden Sie bei Ihrer Reise unterstützt?

Ja, zwei Hilfsorganisationen vor Ort stehen uns zur Seite. Darunter Mitarbeiter ders Vereins Syrien-Hilfe, die die Lage genau einschätzen können. Das ist sehr hilfreich für uns. Nicht nur, um kritische Situationen zu erkennen, sondern auch wegen der Kommunikation. Die sprechen die Sprache und können uns helfen.

Haben Sie keine Angst in ein Krisengebiet zu fahren?

Angst nicht, nein. Aber natürlich haben wir alle den nötigen Respekt. Wenn ich oder einer meiner Kollegen Angst hätte, dann würden wir so etwas natürlich nicht machen. Sollte es dennoch kritisch werden, haben wir immer die Möglichkeit abzureisen. Wenn sich einer von uns Clowns nicht wohlfühlt, gehen alle gemeinsam.

Wie wird Ihr Alltag dort aussehen?

Wir brechen früh morgens auf, teilweise müssen wir mit der Fähre über den Bosporus schippern, besuchen dann beispielsweise ein Camp und spielen dort vier Shows von jeweils 40 bis 50 Minuten. Spät abends kommen wir dann wieder im Hotel an. In der Nähe von Istanbul werden wir auch auf der Straße auf rund 300 000 Flüchtlinge treffen. Das wird nicht einfach.

Sie erleben auf Ihren Reisen viel Elend – wie gehen Sie damit um?

Besonders die Einzelschicksale gehen mir sehr nahe. Aber durch das Leuchten in den Augen, die Freude und das Lachen kann ich die Erlebnisse gut verarbeiten. Zudem reden wir im Team viel darüber und helfen uns so gegenseitig. Etwa vier Wochen nach der Reise treffen wir uns dann nochmal alle und reden über unsere Erfahrungen und Gefühle. Das hilft ungemein. Zur Not suchen wir aber auch professionelle Hilfe auf.

Bereiten Sie sich auf jedes Gebiet unterschiedlich vor?

Ja, natürlich müssen wir unsere Shows auch auf die interkulturellen Besonderheiten abstimmen. In der Türkei dürfen Clown und Clownin sich auf der Bühne beispielsweise nicht berühren. Wir haben uns vorab alle in Bayern getroffen und unsere Show eingeübt. Die Generalprobe spielten wir im Isener Pfarrsaal für Flüchtlingsfamilien die in Isen, Erding, Grucking und Taufkirchen eine Bleibe gefunden haben. Dort kam unsere Show schon einmal gut an.

Reagieren die Menschen der verschiedenen Länder auch unterschiedlich auf Sie?

Auf jeden Fall. In Sri Lanka kennen die Menschen beispielsweise keinen Clown. Da sind die Kinder erst sehr zurückhaltend. Nach fünf Minuten haben die dann aber verstanden, was für Trottel wir sind. In Syrien dagegen kennt man den Clown nur als Zeichenfigur aus Comics oder dem Fernsehen, aber nicht als ‚Menschen‘. Die sind dann immer sehr aufgeregt, freuen sich aber über unsere Tollpatschigkeit.

Sie waren schon in Sri Lanka und vielen weiteren Ländern unterwegs. Wie finanzieren Sie diese Reisen?

Durch unsere Mitgliedschaften bei Clowns ohne Grenzen. Zudem haben wir im Jahr auch einige Benefizveranstaltungen. So können zumindest die Reisekosten finanziert werden. Ansonsten ist unsere Arbeit ehrenamtlich und viele der Clowns opfern ihren Jahresurlaub, um den hilflosen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen