Verfrüht : Aprilscherz im März

„Kerzen sind mitzubringen“ – Nachtlager im Eiderschlößchen.
„Kerzen sind mitzubringen“ – Nachtlager im Eiderschlößchen.

Die Rendsburger Verwaltung schlägt Probewohnen in der Eiderkaserne vor – im Scherz.

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25. März 2014, 06:00 Uhr

Ein kurioser Vorschlag aus dem Rathaus sorgt für Verwirrung, Gelächter und vereinzelte Kritik. In einer gestern ins Internet gestellten Beschlussvorlage für den Bauausschuss am 1. April schlägt die Verwaltung „Probewohnen in der Eiderkaserne“ vor. Rendsburger sollten demnach die Möglichkeit bekommen, im seit Jahren leerstehenden Eiderschlößchen zu übernachten. Mitzubringen seien „Taschenlampen, Kerzen, Gaskocher“. Ein „polizeiliches Führungszeugnis, das Neigungen zu Vandalismus und Brandstiftung ausschließt“, sei vorzulegen. Verlangt wird auch ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis, in dem „Unempfindlichkeit gegen Kälte, Nässe, Zugluft, Partylärm und eine über vier Geschosse reichende treppenhaustaugliche Mobilität“ bescheinigt werden.

Während die meisten Mitglieder des Gremiums von dem verfrühten Aprilscherz überrascht wurden und die Vorlage erst mehrfach lesen mussten, um sie als Klamauk einzuordnen, gab sich der Vorsitzende Marc-Olaf Begemann (SPD) geständig: Er habe zusammen mit Anja Ilgenstein (CDU) und Bauamtsleiter Frank Thomsen ein Zeichen setzen wollen. „Es wird so viel darüber gesprochen, dass wir in den politischen Gremien ernst und verbissen miteinander umgehen“, sagte er. „Dieser Beschlussvorschlag macht deutlich, dass wir uns selbst hochnehmen können.“

Zwei befragte Mandatsträger nahmen den Streich locker. Ingolf Bädtker (CDU) lobte die Verwaltung für die „kreative Lösung und schnelle Vermarktung“ der ehemaligen Eiderkaserne – das sei genau das, was man immer gefordert habe. Armin Rösener (Grüne) verwies zunächst auf „erheblichen Beratungsbedarf in seiner Fraktion“ – und würdigte dann den Humor der Verwaltung: „Das lockert die ganze Geschichte doch auf.“

Bei René Sartorius hingegen kam der in Verwaltungsdeutsch verpackte Spaß nicht gut an: „Witzig finde ich ihn nicht, ein Aprilscherz gehört in den 1. April“, meinte der SPD-Ratsherr. Gunnar Knabe (CDU) fand die Idee zwar „witzig“, merkte aber an, dass er schon häufiger den Eindruck gehabt habe, es mit Aprilscherzen in der Tagesordnung zu tun gehabt zu haben. „Und am Ende waren es gar keine.“

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