Sommertour : Appell für mehr Schwimmunterricht

Machte sich ein Bild vom Unterricht im Schwimmzentrum Rendsburg: Eka von Kalben, Vorsitzende der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Im Hintergrund lernen Kinder grundlegende Techniken, um sich über Wasser zu halten. Fotos: Riebensahm (2)
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Machte sich ein Bild vom Unterricht im Schwimmzentrum Rendsburg: Eka von Kalben, Vorsitzende der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Im Hintergrund lernen Kinder grundlegende Techniken, um sich über Wasser zu halten. Fotos: Riebensahm (2)

Jeder zweite Grundschüler kann sich nicht über Wasser halten. Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben fordert mehr Lehrer.

shz.de von
14. August 2018, 09:49 Uhr

Rendsburg | Jeder zweite Viertklässler in Schleswig-Holstein kann nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) nicht schwimmen. Das entspricht in der Region Rendsburg etwa 1500 Schülern. Ein besonderes Augenmerk auf dieses Problem legt Eka von Kalben, Vorsitzende der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Zum Auftakt ihrer Sommertour „Schwimmen lernen!“ begrüßten Vertreter des DKSB-Landesverbands sie gestern im Schwimmzentrum an der Untereider.

Dass an rund einem Viertel der 394 Grundschulen im Land kein Schwimmunterricht in den vierten Klassen angeboten wird, sei eine betrübliche Tatsache, so von Kalben. „Es kann auch nicht sein, dass mehr als die Hälfte der Kinder in Schleswig-Holstein nicht schwimmen kann.“ Das will sie so nicht hinnehmen. Vor Ort machte sich die Politikerin ein Bild über ein Projekt des Rendsburger Kinderschutzbundes. Seit fünf Jahren bietet er zusammen mit Organisationen wie dem Verein der Aktivregion „plietsch und stark“ in den Sommerferien Lernkurse für Kinder aus benachteiligten Familien an: wochentags von 9 bis 12 Uhr. Mittlerweile ist etwa 250 Kindern das Schwimmen beigebracht worden. 60 Prozent der Kursteilnehmer schaffen ihr Seepferdchen. „Das ist ein guter Wert“, sagt Detlef-Holger Müller von „plietsch und stark“.

Lobende Worte für das Projekt findet auch Irene Johns, Landesvorsitzende des DKSB. „Es macht so einen Spaß, den Kindern beim Lernen zuzuschauen.“ Dass so viele junge Leute im Land bisher aber nicht schwimmen können, macht Johns an drei Punkten fest: Einerseits fehlen Lehrkräfte an Schulen, andererseits ist die Anfahrt zu Bädern für Eltern oft zu weit. Und als dritten Grund nennt sie die hohen Preise von außerschulischen Kursen. „Schleswig-Holstein ist das Land zwischen den Meeren. Schwimmen ist hier schon fast überlebenswichtig“, so Johns.

Trotzdem: Für Grünen-Politikerin von Kalben ist das langfristige Ziel der flächendeckende Schwimmunterricht an allen Grundschulen. Jedes Kind soll bis zum Ende des vierten Schuljahres schwimmen können. „Kommunen, Vereine und Schulen müssen bei ihren Angeboten zudem mehr von der Politik unterstützt werden“, fordert sie. Wichtig seien zudem landesweit saubere Gewässer, intakte Bäder und die Förderung der ehrenamtlichen Schwimmlehrer.

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