Hans-Joachim Haeger : Anwalt der Abschiebehäftlinge

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Auch wenn Hans-Joachim Haeger als Pastor seit sieben Monaten im Ruhestand ist, hat er als Vorsitzender des Landesbeirats für den Vollzug der Abschiebungshaft immer noch viel zu tun, zu viel aus seiner Sicht.

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07. November 2013, 17:02 Uhr

Seit vier Monaten ist Hans-Joachim Haeger nach 15 Jahren als Pastor der Neuwerker Christkirchengemeinde im Ruhestand. Nach eigenem Bekunden genießt er es im neuen Status besonders, nicht mehr unter Termindruck zu stehen. Etwa zweimal monatlich ist Haeger dennoch in seiner ehemaligen Wirkungsstätte anzutreffen – als einfacher Gottesdienstbesucher.

Mehr Zeit hat Haeger jetzt für ein Amt, das nach seinem Empfinden eigentlich überflüssig sein sollte. Er ist seit der Gründung Vorsitzender des Landesbeirats für den Vollzug der Abschiebungshaft. Das Gremium ist zuständig für die zurzeit zwölf Menschen, die in der Abschiebungshafteinrichtung in der Königstraße einsitzen. „Diejenigen, die dort eingesperrt werden, sind keine Straftäter, sondern Menschen, um deren verletzte Seelen man sich kümmern muss“, wurde Haeger anlässlich des zehnjährigen Bestehens zitiert.

Im Dialog mit der Landesregierung, der bescheinigt wird, dass erstmals Bewegung in die Thematik gekommen ist, hat der Landesbeirat in jüngster Zeit einige Verbesserungen erreicht. So dürfen die Häftlinge statt der Anstalts- jetzt eigene Kleidung tragen, für Haeger etwas, das unbedingt zur Würde eines Menschen gehört. Auch Mobiltelefone sind neuerdings in der Anstalt zugelassen, und es gibt einen Zugang zum Internet.

„Wir geben nicht auf“, macht der Seelsorger deutlich, dass noch viel zu tun ist. So sollten die Häftlinge die Möglichkeit bekommen, ihre Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Für erforderlich gehalten werden vorsorgliche psychodiagnostische Untersuchungen auf Traumata. Einigen Richtern wirft Haeger mangelnde Sorgfalt vor. Durch ihre Entscheidungen würden etwa Jugendliche eingewiesen, ohne die Alternative der Obhut in einer Jugendhilfeeinrichtung zu prüfen. Als grundsätzlichen Mangel bezeichnet der Geistliche das „Hin- und Hergeschiebe in Europa.“

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