Staatsanwaltschaft Kiel : Anklage wegen Mordes gegen Rendsburger Todesschützen

Das Finanzamt an der Kieler Straße: Viele Mitarbeiter haben den Schock längst nicht verwunden.
Das Finanzamt an der Kieler Straße: Viele Mitarbeiter haben den Schock längst nicht verwunden.

Am 1. September erschoss Olaf Lauenroth einen 57-jährigen Finanzbeamten in Rendsburg in seinem Büro. Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage erhoben.

shz.de von
20. Januar 2015, 09:59 Uhr

Rendsburg/Kiel | Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Mordanklage gegen den mutmaßlichen Rendsburger Todesschützen erhoben. Dem 55 Jahre alten Steuerberater Olaf Lauenroth wird Mord aus Heimtücke vorgeworfen, wie Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Dienstag sagte.

Der Mann aus Fockbek soll am 1. September mehrmals mit einer Beretta-Pistole auf einen 57 Jahre alten Beamten des Finanzamts Rendsburg in dessen Dienstzimmer geschossen haben. Das Opfer erlag später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen.

Polizisten nahmen den mutmaßlichen Täter noch im Finanzamt widerstandslos fest. In einem Schreiben an seine Frau, die von ihm getrennt lebt, machte der 55-Jährige die Behörde für seine finanzielle Misere verantwortlich. Darin soll er das Finanzamt mit drastischen Worten attackiert haben. Das Papier fanden Ermittler in seinem Haus.

Dass Lauenroth ausfallend werden kann, weiß man in Fockbek und Rendsburg. Dennoch hätte ihm dort niemand eine Gewalttat zugetraut. Sein polizeiliches Führungszeugnis war bis Dienstag makellos. Dies war eine Voraussetzung für die Erteilung eines Jagdscheines, der zum Führen von Kurz- und Langwaffen berechtigt. Seit 2007 war Lauenroth im Besitz dieses Dokuments. Das bestätigt die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, die 2010 und 2013 routinemäßig seine Eignung zum Besitz von Waffen überprüfte – ohne Beanstandungen. Lauenroth hatte in seinem Waffenschrank eine Pistole der Marke Beretta und sechs Gewehre.

Menschen, die den Steuerberater seit vielen Jahren kennen, beschrieben den Mann nach der Tat als notorischen Querulanten, der immer wieder Leserbriefe geschrieben haben und im Finanzamt mit Beschwerden vorstellig geworden sein soll. Seit einem Unfall vor vielen Jahren ist er auf einen Rollstuhl angewiesen.

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