Arzthelferinnen berichten : Angstmomente in der Altstadt

<p>Beschauliche Ruhe auf dem Theatervorplatz. Abends gehen manche Frauen dort ungern lang.</p>

Beschauliche Ruhe auf dem Theatervorplatz. Abends gehen manche Frauen dort ungern lang.

Abendliche Begegnungen mit Gruppen junger Männer verunsichern Frauen.

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25. Mai 2018, 10:16 Uhr

Rendsburg | Manche Frauen fühlen sich abends in den Gassen der Rendsburger Innenstadt nicht mehr sicher. „Das Erscheinungsbild der Stadt hat sich geändert. Die sitzen da in großen Gruppen, es wird gegafft und gepfiffen. Es sind meist Ausländer. Man bewegt sich durch dunkle Massen“, schildert die 45-jährige Verwaltungskraft einer Arztpraxis in der Innenstadt ihr Empfinden.

Wenn eine Ärztin abends diese Praxis verlässt, ruft sie manchmal mit dem Handy ihren Ehemann an. „Bleib’ bitte so lange am Apparat, bis ich am Auto bin.“ Eine 24-jährige medizinische Fachangestellte stellt ihren Wagen oft am Schwimmbad ab. Auf dem Weg dorthin kommt sie meist an einer Gruppe junger Männer vorbei. „Die gaffen einen an, pfeifen, schnalzen, sagen ‚ey, ey‘, um Aufmerksamkeit zu wecken.“ Ihr ist die Situation unangenehm.

Andere Mitarbeiterinnen parken ihre Autos an einem Fitnessstudio an der Denkerstraße. Die Frauen müssen über den Schloßplatz gehen. „Der ganze Platz ist voll mit Ausländern, Männer von 18 bis 30 Jahren, nur vereinzelt junge Mädchen“, berichtet die 45-Jährige. Zweimal sei es in den vergangenen Wochen zu Schlägereien unter den Männern gekommen. Ihre junge Kollegin, eine Auszubildende, hat einen Migrationshintergrund. Die 21-Jährige kennt viele junge Männer aus ihrem Kulturkreis. Vor denen hat sie keine Angst. „Die gucken mich nicht an.“ Unbehagen bereiten ihr Asylbewerber.

Auch unter den Patienten gibt es welche. „In der Anmeldung wird es manchmal schnell laut. Die Männer können oft nicht nachvollziehen, dass wir den Ton angeben“, sagt die 45-Jährige. In dem Betrieb arbeiten etwa 20 Frauen, viele sind jünger als 30. Alle möchten unerkannt bleiben. Keine der Frauen hat in der Innenstadt körperliche Übergriffe erlebt. Auch erstattete niemand Anzeige. Doch das Thema holt sie immer wieder ein. „Sie haben einfach Angst“, sagt die 45-Jährige. Ihre Kolleginnen hätten sie über Monate wiederholt angesprochen und von negativen Erlebnissen berichtet. Nach den Schlägereien wandte sich die 45-Jährige an ihren Chef und sagte: „Wir müssen agieren. Die Mädchen möchten das nicht mehr.“ Der Arzt zog Konsequenzen. Die Praxis ist bis in die Abendstunden geöffnet. Wenn die Behandlungen vor dem Ende der Öffnungszeit abgeschlossen sind, blieb früher nur eine Angestellte allein vor Ort. Inzwischen versehen stets zwei Kolleginnen den Spätdienst, beantworten Terminanfragen aber nur am Telefon. Die Tür bleibt zu.

Nach einer Anfrage der Landeszeitung bei der Polizei besuchten Beamte gestern umgehend die Praxis. Sie stellten keine Anzeichen für Straftaten fest. „Konkrete Beschwerden konnten nicht vorgebracht werden. Man würde nur ‚allgemein wegen dunkelhaariger Männer in Rendsburg Sorge um die persönliche Sicherheit‘ haben“, teilte Sprecher Sönke Hinrichs mit. Die 45-Jährige suchte in der Stadtverwaltung einen Ansprechpartner – ohne Erfolg. „Von der Politik wünsche ich mir, dass die jungen Männer mehr in die Pflicht genommen werden.“

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