zur Navigation springen

Windpark Bredenbek : Angst vor dem lautlosen Schall

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsstörungen: Das sind nur einige der Symptome, die Anwohner eines geplanten Windparks in Bredenbek befürchten. Der Infraschall, der von Windturbinen ausgehe, verursache gesundheitliche Schäden.

von
erstellt am 31.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Umweltminister Robert Habeck hat Post aus Westensee bekommen. Irene Lübker wendet sich in einem offenen Brief an den Politiker: „Ich bitte Sie dringend, die Abstandsregel für Windräder in Schleswig-Holstein neu zu regeln.“ Die Absenderin wohnt in unmittelbarer Nähe zu einem Gebiet in der Gemeinde Bredenbek, das in der Regionalplanung als Eignungsfläche 304 ausgewiesen ist. Auf einer Fläche von rund 70 Hektar sollen sieben Windräder von jeweils 180 Metern Höhe aufgestellt werden.

Dass die Anlage am Haßmoorer Weg in Betrieb gehen soll, ist in der Gemeindevertretung von Bredenbek unstrittig. Das Verfahren ist weit vorangeschritten. „Alle gesetzlichen Vorhaben werden eingehalten“, hatte Bürgermeister Bartelt Brouer in einer Einwohnerversammlung betont. Und Stefan Jux von dem Sehestedter Unternehmen Denker & Wulf AG, das sowohl Planer als auch Mitbetreiber des Windparks ist, hatte bekräftigt, dass Vorgaben zum Immissionsschutz und naturfachliche Belange berücksichtigt seien. Die vorgeschriebenen Mindestabstände der Windräder zur Wohnbebauung würden bei der Planung teilweise sogar überschritten.

Irene Lübker fürchtet dennoch gesundheitliche Schäden durch die Windräder, die sich 800 Meter von ihrem Haus entfernt drehen sollen. Auch die Anlieger Arno Jöhnk und Klaus Ladwig hoffen, dass sie noch Einfluss auf die Höhe der Windräder und den Abstand zu den Wohnhäusern nehmen können. Die Kritiker, die sich als Bürgerinitiative formieren wollen, warnen vor Infraschall. Der von den Turbinen erzeugte Brummton liege unter 20 Hertz, sei nicht hörbar, aber deutlich spürbar. Der Schall, der noch in zehn Kilometer Entfernung wirke, schädige das Gehör, verursache Übelkeit, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen.

„Die einzige Schutzmöglichkeit vor den Beeinträchtigungen durch Lärm und Infraschall besteht darin, die Mindestabstände zur Besiedlung ausreichend groß zu halten“, meint Irene Lübker. In dem Landesgesetz „Technische Auswirkung Lärm“ werde Infraschall nicht berücksichtigt. Außerdem seien die in dem Lärm-Gesetz festgelegten Mindestabstände von einem dreifachen Höhenabstand „eindeutig zu gering.“ In ihrem Brief an den Minister fordert die Anwohnerin aus Westensee daher, dass das Landesgesetz „TA Lärm“ geändert werden soll – „zum Schutz von Gesundheit von Mensch und Tier“.

Wenn die Baugenehmigung für den Windpark erteilt werden sollte, liegt nach Meinung der drei Anlieger ein „Verstoß gegen das Gebot der Rücksichtnahme“ vor. Sie wollen dann gerichtlich gegen die Anlage vorgehen. „Um nachweisen zu können, dass der Windpark für das Überschreiten der Dezibel-Grenzen verantwortlich ist, wollen wir vorab eine Lärmmessung in Auftrag geben“, kündigt Klaus Ladwig an. Die Daten, die den jetzigen, ungestörten Zustand dokumentieren sollen, könnten später verglichen werden mit den Ergebnissen einer zweiten Messung bei Bestehen des Windparks.

Doch nicht nur der befürchtete Infraschall beunruhigen Irene Lübker und ihre Mitstreiter. Wenn man sich vorstelle, die Rendsburger Hochbrücke werde dreimal aufeinander gestapelt, habe man eine Vorstellung von einer Höhe von 180 Metern. „Und solche Giganten, die direkt vor unserem Haus liegen werden, sind auch optisch eine unzumutbare Bedrohung.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen