zur Navigation springen

Großbaustelle : An dieser Brücke läuft’s Weihnachten wie geschmiert

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Großprojekt der Bahn im Sundewitter Weg nähert sich der entscheidenden Phase.

45 Stunden. In dieser Zeit muss alles klappen. Etwas weniger als zwei Tage bleiben den Arbeitern und Ingenieuren, um die marode Bahnüberführung im Sundewitter Weg durch ein neues Bauwerk zu ersetzen. Auf Plastikschienen, die mit Schmierfett rutschig gemacht wurden, soll der bereits fertige Koloss aus Stahlbeton in den Bahndamm der Schleife gleiten. Der Nachteil aus Sicht einiger Anwohner: Die spektakuläre Aktion findet an den Festtagen statt. Mit Lärm durch Abbruch- und Schweißarbeiten ist vor allem in der Nacht auf den zweiten Weihnachtstag zu rechnen.

25. Dezember, 17 Uhr, bis 27. Dezember, 14 Uhr – auf dieses Zeitfenster für die entscheidende Brückenverschiebung hat man sich bei der Bahn bereits vor drei Jahren festgelegt. Man müsse solche Sperrzeiten weit im Voraus planen, erläutert Sprecher Egbert Meyer-Lovis, damit die Fahrpläne entsprechend geändert werden könnten. Wenn die wichtigste Nord-Süd-Bahnverbindung Schleswig-Holsteins für zwei Tage unterbrochen sei, wirke sich das weit über die Landesgrenzen aus. Und warum muss es ausgerechnet Weihnachten sein? „Dann ist die Verkehrsdichte am geringsten. Es fahren kaum Güterzüge, und der Berufsverkehr hält sich in Grenzen“, antwortet Meyer-Lovis.

In technischer Hinsicht ist das Projekt ein Faszinosum. Seit dem Sommer wurde der 1000 Tonnen schwere Brückenrahmen aus Stahlbeton wenige Meter neben dem Damm der Schleife errichtet. Am Mittwoch ist er seitlich in die richtige Ausgangsposition für Weihnachten verschoben worden. Jetzt fehlen nur noch 15 Meter, die der Klotz in nördliche Richtung bewegt werden muss. Zwei gelbe Zylinderpressen – Spitzname auf der Baustelle: „Hydraulikpferde“ – erledigen diese Herkulesaufgabe. An zwei Stahltrossen wird die Brücke im Schneckentempo in die endgültige Lage gezogen. Dieses Manöver wird voraussichtlich am zweiten Tag der Vollsperrung vollzogen.

Am Tag zuvor müssen zunächst die beiden vom Rost befallenen Überbauten aus Stahl, das Gleisbett und die Gleise selbst entfernt werden. Damit ein großer Baukran genügend Platz zum Arbeiten hat, werden die (zuvor von der Stromversorgung getrennten) Oberleitungen zur Seite gespreizt. Auch überstehende Betonteile an den Seitenwänden des alten Schleifen-Durchlasses müssen entfernt werden.

Diese Arbeiten dürften den meisten Krach verursachen. Anwohner in der Umgebung der Baustelle, die laut Gutachten am stärksten betroffen sind, wurden von der Bahn angeschrieben. Sie bekamen für die erste Nacht der Vollsperrung das Angebot, auf Kosten des Unternehmens in ein Hotel zu ziehen. Nach Angaben von Thomas Hagena, Projektingenieur bei der DB Netz AG, wurde diese Offerte den Bewohnern von 40 Häusern unterbreitet. Nur einer habe sich bisher gemeldet und das Angebot angenommen. Den Unmut könne er verstehen, so Hagena. „Weihnachten ist für die Familie ein wichtiger Termin.“ Aufgrund der erhöhten Lage der Gleistrasse auf einem Damm könne man jedoch keine Lärmschutzwände aufstellen.

Eine Bewohnerin des Broackerweges, die nicht namentlich genannt werden möchte, hat kein Verständnis für den Zeitpunkt der Bauarbeiten. „Wir müssen an einem christlichen Feiertag darunter leiden“, sagt sie. „An jedem anderen Tag hätte ich gesagt, komm, wir zischen ab in ein Hotel. Aber soll ich am ersten Weihnachtstag etwa meinen Tannenbaum mitnehmen? Die Bahn denkt nur an sich und nicht an uns.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen