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Rendsburg : An der Schleife guckt man in die Röhre

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Schatten des Bahndamms gibt es keinen Satellitenempfang. Der Kabelfernsehen-Anbieter streicht WDR, MDR und Bayern 3 aus seinem Angebot.

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erstellt am 07.Aug.2014 | 14:54 Uhr

Auf den ersten Blick wirkt die Wohnanlage sehr idyllisch: Dichtes Grün, wohin man blickt, ein überdachter Sitzplatz, kleine Balkone. Doch die Häuser liegen an der Kieler Straße – und die rückwärtige grüne Wand hat zwei Nachteile: Hier rattern nachts Güterzüge entlang, denn gleich hinter den Bäumen und Büschen liegt der Bahndamm. Dieser sowie die Gebäude vorne an der Straße machen einen D-VBT (digitales Fernsehen per Antenne) oder Satelliten-Empfang unmöglich. Die Bewohner sind daher auf den analogen Kabelanschluss angewiesen. Und genau darum guckt Günter Becker jetzt in die Röhre – jedenfalls teilweise.

„WDR, MDR und Bayern 3 werden nicht mehr eingespeist“, bedauert er. Da der Rentner wie jeder Haushalt den Rundfunkbeitrag in vollständiger Höhe zahlt, möchte er auch das öffentlich-rechtliche Programm in vollem Umfang genießen können. „Mitternachtsspitzen“ und „Ottis Schlachthof“ – das waren Kabarett-Sendungen, die Becker gerne gesehen hat. „Man möchte ja auch ein bisschen anspruchsvolles Programm haben“, sagt er. Aber diese Sendungen sind jetzt für ihn gestrichen. RTL Nitro statt WDR oder Servus aus Österreich statt MDR sind Privatsender mit einem völlig anderen Spektrum. Günter Becker ärgert sich über die erzwungene Veränderung. „Die haben ohne große Ankündigung die Sender rausgenommen“, ärgert er sich. Er komme nicht mehr in den vollen Genuss der öffentlich-rechtlichen Angebote, könne aber stattdessen „völlig sinnlose Werbesender wie HSE24 oder QVC“ sehen. Was er nicht will.

Bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) hört man diese Klage nicht zum ersten Mal: „Es ist sicherlich ärgerlich, wenn man gerade sein liebgewonnenes Programm nicht mehr empfangen kann“, zeigt Pressesprecherin Simone Bielfeld Verständnis. Doch im Rendsburger Fall sieht sie keine Lösung: „Dieser Vorgang ist rechtens.“ Kabel Deutschland sei gesetzlich verpflichtet, bestimmte Programme zu übertragen, wie die großen bundesweiten öffentlich-rechtlichen und die landeseigenen Dritten. Aber diese Pflicht „umfasst nicht die landesfremden dritten Programme“. Dass einige davon gestrichen wurden, sei auf einen Streit um Einspeise-Entgelte zwischen Kabel Deutschland und den öffentlich-rechtlichen Anstalten zurückzuführen.

Bei Kabel Deutschland wird die Veränderung ab April dieses Jahres auf der Homepage im Zusammenhang mit der Zuschaltung von zusätzlichen HD-Sendern kommentiert: „Außerdem wird der analoge Kabelanschluss um beliebte private Sender aufgewertet“, heißt es da. Und weiter: „Einzelne öffentlich-rechtliche Sender stehen dann nicht mehr analog zur Verfügung, sind jedoch in digitaler Qualität ohne Smartcard (mit entsprechendem Endgerät) frei empfangbar.“

Damit ist Günter Becker jedoch nicht geholfen. „Wir sind gezwungen, über den Vermieter den Zugang zum analogen Kabelfernsehen zu übernehmen“, sagt er. Andere Lösungen gebe es auch nicht. Eine Satellitenschüssel sei sinnlos: „Kein Empfang“, sagt Becker und deutet auf den Bahndamm, der das Signal abschirmt. Mit einem D-VBT-Gerät hat er es einmal versucht. Auch damit blieb der Bildschirm dunkel.

Zusätzlich erbost Günter Becker, dass er zwar die vollen Gebühren zahlen darf – monatlich 11,08 Euro für Kabel Deutschland sowie seit dem vergangenen Jahr monatlich 17,98 Euro als Rundfunkbeitrag –, aber für sein Geld nicht dasselbe sehen kann wie andere Fernsehnutzer. Dass der Vorgang laut Gesetz rechtens ist, hatte er schon befürchtet. Aber in Ordnung findet er es dennoch nicht.

 

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