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Zirkus : „An den Tieren hängt unser Herzblut“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Circus Europa“ gastiert in Rendsburg / Direktor will Kritikern keine Angriffsfläche bieten und setzt auf umsichtigen Umgang mit Vierbeinern

von
erstellt am 12.Mai.2017 | 11:00 Uhr

Es trägt ein gräulich-weißes, flauschiges Fell, ist in Höhe seiner Höcker etwa 1,25 Meter groß und sechs Tage alt. Am Sonnabend ist in Rendsburg auf dem Willy-Brandt-Platz beim „Circus Europa“ ein Kamelhengstfohlen geboren worden. Seine Mutter „Sulaika“ brachte es nach 13-monatiger Trächtigkeit gegen 8 Uhr ohne Hilfe zur Welt. „Die Geburt dauerte etwa 30 Minuten und verlief gut“, berichtete der Zirkusdirektor Sandro Frank gestern. Der Hengst sei „Sulaikas“ drittes Fohlen. Einen Namen hat er noch nicht.

Für Frank ist die Geburt der beste Beweis dafür, dass es den mehr als 40 Tieren in seinem Zirkus gut geht. „Die Zucht klappt nur, wenn sie sich wohlfühlen“, sagte er. Auch das Verhalten der Tiere weise auf ihr Wohlbefinden hin: Sie lassen sich ohne Scheu streicheln. „Das sind alles Fluchttiere. Wenn ich sie schlagen würde, würden sie nicht zu mir kommen“, erläuterte der 45-Jährige. Jedes Tier habe einen Namen und höre auch darauf.

Frank betreibt den Zirkus in siebter Generation. „Wir haben schon immer Kamele“, berichtete er. Zusammen mit seinen beiden Söhnen kümmert er sich um zwölf holländische Friesenhengste, zehn Kamele, sechs Lamas, asiatische und schottische Rinder, afrikanische Zebus, etliche Ponys, Ziegen und Kaninchen. Die Vorfahren der Tiere seien im Safari-Park Hodenhagen gekauft und nachgezüchtet worden. Frank legt sehr viel Wert auf ihr Wohl. „Die Tiere sind nicht nur Mittel zum Zweck. Da hängt unser Herzblut dran“, betonte er.

Der Zirkusdirektor achtet zum Beispiel darauf, dass die Tiere beim Transport maximal 30 Minuten lang in den Anhängern stehen. „Sie werden vorher abgefüttert und getränkt“, erläuterte er. Bei längeren Fahrten legt das Team Pausen ein. Die Zeltställe sind nach vorgegebenen Normen gebaut. Die Pferdeboxen etwa sind 3,20 Meter mal 3,20 Meter groß. Zudem sind die Ställe mit großen Fenstern versehen, damit Licht hineinfallen kann. Morgens werden sie ausgemistet. Tagsüber können die Kamele nach Belieben hineingehen oder sich draußen aufhalten. Frank hat mit stromführenden Weidenzäunen etwa 100 mal 50 Meter große Koppeln abgesteckt. „Wenn schönes Wetter ist, bleiben sie den ganzen Tag draußen“, berichtete er. Die Kamelstute und ihr Neugeborenes haben nach der Geburt 14 Tage lang in einem 20 mal 40 Meter großen eigenen Areal ihre Ruhe.

Frank muss über die artgerechte Tierhaltung penibel Buch führen. „Es gibt kein Unternehmen, das mehr untersucht wird als der Zirkus“, betonte er. Jede Woche gastieren die Schausteller in einer anderen Stadt. Jedes Mal erhalten sie Besuch von einem anderen Veterinär, der die Tiere abnimmt. Die Behördenvertreter überprüfen die Transportwagen, die Fütterung, Haltung und den Pflegezustand und tragen ihre Ergebnisse in einer Liste ein, die Frank bei sich führt. Wenn das Veterinäramt etwas beanstandet, muss er innerhalb von zwei Tagen Abhilfe schaffen. „Sonst gibt es ein Bußgeld. Da wird hart durchgegriffen“, berichtete Frank.

Einmal jährlich muss der Zirkusbetreiber in Celle in seinem Winterquartier eine Bescheinigung nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes verlängern lassen, die ihm erlaubt, Vierbeiner gewerbsmäßig zur Schau zu stellen. Für jedes Tier besitzt er einen Pass, für sich selbst ein polizeiliches Führungszeugnis. Frank berichtete, dass die Schausteller ihre Tiere ausschließlich mit Belohnungen durch Futter dressieren. „Ganz wichtig ist das Vertrauen. Sie lernen uns von Geburt an kennen“, betonte er.

Marc Nadolny, Vorsitzender des Tierschutzvereins Rendsburg und Umgebung, sprach sich gestern für eine differenzierte Beurteilung von Zirkussen aus. „Ich sage nicht, dass ich sie ablehne, weil sie mit Tieren arbeiten. Das muss man sich im Einzelfall angucken“, sagte er. Die Vorführung von Löwen, Tigern und Bären im Zirkus empfinde er als Katastrophe. „Pferde können aber auch vernünftig gehalten werden“, befand Nadolny. Wichtig sei es, Tieren ausreichend Auslauf und soziale Kontakte zu Artgenossen zu bieten. Bei der Dressur komme es auf die Form an. Grundsätzlich stelle sie kein Problem dar. „Tiere lieben den Umgang mit Menschen“, betonte der Vorsitzende. Gewalt sei aber abzulehnen. Nadolny selbst besuchte zuletzt als Kind einen Zirkus. Die Zeltstadt an der Nordmarkhalle kennt er aus eigener Anschauung nicht.

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