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Es gibt Hilfe : „An Darmkrebs muss niemand mehr erkranken“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Imland-Chefarzt Professor Stephan Hellmig setzt auf Vorsorge.

Der menschliche Magen-Darm-Trakt ist ein Wunderwerk der Evolution – und ein gutes Beispiel für funktionierendes Teamwork: Im Magen wird der Nahrungsbrei mit Magensaft versetzt und auf Körpertemperatur gebracht, der Dünndarm ist für die Verdauung zuständig und gewinnt aus dem Brei die Nährstoffe, die der Körper braucht. Und zum Schluss ist der Dickdarm an der Reihe. Er entzieht den nicht verwertbaren Stoffen das Wasser, so dass sich der Flüssigkeitsverlust beim Stuhlgang in Grenzen hält. „Aus meiner Sicht ist der Darm das spannendste Organ, das wir haben“, sagt Professor Dr. Stephan Hellmig, Chefarzt der Gastroenterologie, Onkologie und Allgemeinen Inneren Medizin an den Imland-Kliniken in Rendsburg und Eckernförde.

Dennoch kann sich auch ein Wunderwerk zum Sorgenkind entwickeln. In Deutschland ist der Darmkrebs bei beiden Geschlechtern das am zweithäufigsten auftretende Karzinom – nach dem Prostatakrebs bei Männern und dem Brustkrebs bei Frauen. 14,3 Prozent der Männer und 13,5 Prozent der Frauen entwickeln in der zweiten Hälfte ihres Lebens einen Darmtumor. Aus Sicht von Professor Hellmig lassen sich diese Werte deutlich verringern. „Darmkrebs ist die einzige Krebsart, die wir zur Gänze verhindern können“, erklärt der Mediziner. Dafür ist jedoch die Mitarbeit der Patienten erforderlich, und genau daran hapert es. Die ab dem 55. Lebensjahr von den Krankenkassen bezahlte Coloskopie, wie die Ärzte die Darmspiegelung nennen, nehmen nur etwa 20 Prozent der Versicherten in Anspruch.

Angst vor einer Darmspiegelung muss niemand haben. Sie verursacht so gut wie keine Schmerzen. Unangenehm ist allenfalls die Prozedur davor. Damit Hellmig und seine Kollegen den Darm begutachten können, ist eine Spülung des Organs erforderlich. Die Patienten nehmen in den eineinhalb Tagen vor dem Termin ein Abführmittel zu sich – bis zu vier Liter. Den Geschmack empfinden die meisten Patienten als fürchterlich.

Die Untersuchung selbst dauert nur etwa eine Viertelstunde und beginnt damit, dass dem Patienten via Spritze ein Schlafmittel verabreicht wird. Dann wird der Darm mit Kohlenstoffdioxid aufgepumpt, um ein freies Blickfeld zu schaffen und die unzähligen Falten etwas zu glätten. Nun ist alles bereit: Hellmig führt über den After ein Endoskop ein. Es wird jedoch nicht der komplette Darm untersucht. Da sich im sechs Meter langen Dünndarm so gut wie keine gefährlichen Polypen bilden, kann sich Hellmig auf den 1,50 Meter langen Dickdarm konzentrieren. Das zum Einsatz kommende Endoskop ist weit mehr als ein hochflexibler 13 Millimeter dicker Schlauch: An der Spitze ist es mit einer leistungsstarken HD-Kamera mit Lampe ausgestattet, zudem gibt es einen Spül- sowie einen Arbeitskanal. Über diesen können medizinische Instrumente wie eine Schlinge an den Ort des Geschehens gebracht werden.

Über einen Monitor hat der Arzt im Blick, was die Kamera im Inneren des Patienten aufzeichnet. Der Anblick ist für Laien überraschend. Ekel erzeugen diese Aufnahmen nicht. Im Gegenteil: Vor den Augen des Mediziners öffnet sich eine lebende Höhle in einem glänzenden Dunkelrosa. Das natürliche Sekret der Darmschleimhaut erzeugt den Glanz, der Farbton ist auf die roten Blutkörperchen zurückzuführen. Wobei Hellmig den Farbton ändern kann: In der Imland-Klinik kommt eine neue Technik zum Einsatz, die sich die unterschiedliche Wellenlänge weißen, grünen und blauen Lichts zunutze macht. Mit grünem und blauem Licht lassen sich Tumore besonders gut erkennen.

Die Vorsorgeuntersuchung soll allerdings verhindern, dass Tumore überhaupt entstehen. Deren Geburtshelfer sind Polypen, kleine blumenkohlartige Gewächse auf der Darmschleimhaut. Es gibt harmlose Wucherungen, aber auch gefährliche, aus denen bösartige Karzinome erwachsen. „90 Prozent aller Darmkrebse entstehen aus Polypen“, sagt Professor Hellmig. Deswegen werden diese Wucherungen generell entfernt, und zwar gleich während der Darmspiegelung. Eine Schlinge wird um den Stiel des Polypen gelegt und unter Strom gesetzt. Der erste Stromstoß trennt die Wucherung ab, der zweite versiegelt die Wunde. Über einen Saugkanal im Endoskop wird der Polyp ans Tageslicht befördert, um in der Pathologie untersucht zu werden.

Aber nicht nur durch eine Vorsorgeuntersuchung kann man sein Darmkrebsrisiko verringern. Chefarzt Hellmig empfiehlt, Alkohol und rotes Fleisch nur in Maßen zu genießen, aufs Rauchen zu verzichten und nicht zu viele Pfunde auf die Waage zu bringen. Wer dem Darm die Arbeit erleichtern will, versorgt ihn mit Obst und Gemüse, fettarmer sowie vitamin- und ballaststoffreicher Kost.

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erstellt am 23.Jun.2016 | 18:06 Uhr

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