Andachten und Hochzeit auf hoher See : Als Seelsorger auf einem Traumschiff

Die „MS Amadea“   passiert oft den Nord-Ostsee-Kanal. An Bord reist eine deutschsprachige „Gemeinde“  von rund 600 Passagieren mit.
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Die „MS Amadea“ passiert oft den Nord-Ostsee-Kanal. An Bord reist eine deutschsprachige „Gemeinde“ von rund 600 Passagieren mit.

Gespräche, Gottesdienste und Natureindrücke bestimmten Martin Hartigs Tage auf der „MS Amadea“. Drei Wochen lang war er von Hamburg bis Spitzbergen unterwegs. Gestern kam das Schiff wieder einmal durch den Kanal.

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11. Juli 2014, 06:00 Uhr

Wenn zwischen Frühstück und Abendessen nur die weite See liegt, dann gehen die Gedanken auf Reisen, kommt mancher Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff ins Sinnieren. Das ist der Moment, in dem ein Gesprächspartner mit Sinn für nachdenkliche Töne gefragt ist – wie Martin Hartig. Der ehemalige Pastor aus Büdelsdorf war drei Wochen lang Seelsorger an Bord der „MS Amadea“.

Hartig geht gerne ungewöhnliche Wege. Das hat der Kirchenmann während seiner Amtszeit bewiesen. Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand. Während des dreiwöchigen Törns von Hamburg bis Spitzbergen verwandelte er an See- und Feiertagen morgens die Vista Lounge auf Deck 10 in einen Gottesdienstraum und erlebte, dass sich zu seinen Andachten mehr als 100 Personen zusammen fanden. „Das ist mehr als zu Hause.“ „Frühstück für die Seele“ nennt er die Andachten. „Keine langen Predigten, persönliche Ansprache und Meditation“ stehen für ihn im Vordergrund. Und am Ende, „nach dem Segen erzähle ich immer einen religiösen Witz“, sagt er und schmunzelt.

Dass er als Bordpfarrer zu den Künstlern gezählt wird, stört ihn daher gar nicht. „Auch ein Pfarrer ist Teil der Unterhaltung. Er sorgt dafür, dass es den Passagieren gut geht, kümmert sich um das Wohlbefinden der Menschen.“ Aber eben mit Sinn für Tiefgang und Blick für das Wesentliche. Dabei verliert der Büdesldorfer nicht aus den Augen, dass bei den Andachten die Ablenkung groß sein kann. Beispielsweise blicken die Gottesdienstbesucher hinter dem Schiffsaltar auf die weite See. „Dort zu sitzen, ist schon eine kleine Andacht“, sagt Hartig. Wenn sich im Meer Delphine tummeln, werden sie Teil des Gottesdienstes.

Wie Phoenix Reisen von der „MS Amadea“ arbeiten etliche Reedereien mit der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) zusammen. Die Organisation wählt die Seelsorger nach einem Vorstellungsgespräch aus und schließt mit ihnen einen Vertrag. Ehefrau Mechthild begleitete den Seelsorger – als zahlender Passagier. Sie wurde oftmals von weiblichen Reisenden angesprochen und diente auf diese Weise als Vermittler zwischen Pastor und Passagieren.

„Für manche ist es einfacher, sich einem Unbekannten anzuvertrauen“, lautet die Erfahrung von Martin Hartig. Hinzu kommen eine entspannte Atmosphäre und reichlich Zeit. „Manche Leute erzählen einem ihre ganze Lebensgeschichte.“ Da war zum Beispiel der Banker, der sich über das Geschäftsgebahren der Kirche geärgert hatte und ausgetreten war. Als gläubiger Christ plagte ihn ein schlechtes Gewissen. Mit dem Büdelsdorfer Seelsorger fand er einen verständigen Gesprächspartner. Auch eine Trauung gehörte zu Hartigs Aufgaben: Ein Paar wollte nach 25 Ehejahren den kirchlichen Segen an Bord erhalten. „Ökumene wird an Bord groß geschrieben“, freut sich Martin Hartig. Gleichermaßen glücklich ist er über die Tatsache, dass die Kollekte nach den Andachten für Einrichtungen wie die Seemanmission in Hamburg gesammelt wird.

Nach dem Törn zieht der Büdelsdorfer Seelsorger eine positive Bilanz. „Das gemeinschaftliche Erleben der Erhabenheit der Natur erinnert daran, dass wir letztendlich alles, was wir an Schönem erleben, dem verdanken, der höher ist als alles, was wir verstehen“, sagt er und freut sich schon auf die nächste Reise.

> Maximal 600 Passagiere finden auf acht Passagier-Decks auf der „MS Amadea“ Platz

> Im Sommer ist der Kreuzfahrer in Nord-und Ostsee unterwegs, im Winter im Mittelmeer

> Am 30. Juli und 9. August fährt das Traumschiff wieder durch den Nord-Ostsee-Kanal

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