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Selbstversuch in Aukrug : Als Greenhorn auf dem Golfplatz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Redakteurin Katrin Schaupp sah die alten Vorurteile beim Golf-Selbstversuch nicht bestätigt.

Aukrug | So ganz losgeworden ist der Golfsport sein elitäres, angestaubtes Image noch nicht. In den Köpfen vieler ist der Ballsport immer noch den betagten Reichen vorbehalten. Genauso beharrlich wie sich dieser Eindruck hält, kämpfen viele Clubs gegen die Vorurteile an. Spätestens seit Tiger Woods oder Martin Kaymer ist der Sport aber in der jüngeren Bevölkerungsschicht zumindest ein Begriff. Grund genug für mich, selbst einmal zum Schläger zu greifen und auszuprobieren, wie das Golfen denn nun eigentlich wirklich ist. Dafür habe ich mir den Mittelholsteinischen Golf-Club Aukrug ausgesucht.

Dort angekommen, nimmt mich Martin Ringat in Empfang. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und begleitet mich zur Driving Range, wo die mittleren und langen Schläge geübt werden. Für mich, die bisher höchstens und dann auch nicht sonderlich enthusiastisch Mini-Golf gespielt hat, also absolutes Neuland. Gut also, dass mich Anders Lejon, einer von zwei Golf-Pros in Aukrug, unter seine Fittiche nimmt und mir erst einmal zeigt, wie die Drehung vor dem Abschlag funktioniert. Weil ich Yoga mache, bin ich noch ganz andere Verbiegungen gewohnt. Das funktioniert also schon mal halbwegs. Was mir aber schwerfällt ist, nicht dem Schläger hinterherzuschauen, den ich etwa auf Hüfthöhe heben soll, sondern mich weiterhin auf den Ball zu konzentrieren, der zu meinen Füßen liegt. Irgendwann klappt aber auch das – und das eigentlich Schwierige wartet: Ich soll den Ball schlagen. Und warum auch immer, ich habe Hemmungen. Vielleicht liegt es daran, dass Fotograf Henrik Matzen mit seiner bestimmt unheimlich teuren Kamera direkt vor dem kleinen Ball liegt und auf seinen Einsatz wartet. Auf jeden Fall bin ich zögerlich – und nach dem ersten Schlag rollt der Ball nur davon. Ich denke mir: Immerhin getroffen – und zwar nicht den Fotografen.

Anders zeigt mir dann nochmal in Ruhe, mit welchem Teil des Schlägers ich den Ball treffen muss, damit er fliegt, anschließend motiviert er mich: „Jetzt nimm mal richtig Schwung und hau drauf.“ Henrik versichert mir, dass er auf sich selbst aufpasst – und ich haue vertrauensvoll drauf. Und siehe da: Der Ball fliegt. Auf die Fähnchen, auf denen die Entfernung abzulesen ist, achte ich lieber nicht. Stattdessen freue ich mich, dass der Ball zumindest abgehoben hat. Während ich noch ganz zögerlich erste kleine Erfolge feiere – und hin und wieder auch ins Leere schlage – sieht es bei den Teilnehmern des Platzreifekurses, die auch gerade üben, schon anders aus.

Angela und Christoph Nagel beispielsweise arbeiten seit Anfang April an ihren Fähigkeiten, sie trainieren zwischen zwei und vier Mal pro Woche. Mit Erfolg: Kein einziger ihrer Bälle rollt, alle fliegen. Trotzdem: „Ich finde es schwierig, den richtigen Abstand zum Ball einzunehmen, ohne die Position nochmal korrigieren zu müssen“, erklärt Angela Nagel. Die Schläger seien immerhin alle unterschiedlich lang. Auch die Koordination des Bewegungskomplexes fällt ihr nicht immer leicht, sagt die Lehrerin, und Martin Ringat pflichtet ihr bei: „Es handelt sich dabei ja immerhin auch um die zweitschwierigste Bewegung, die es im Sport gibt.“ Als komplizierter gelte nur der Stabhochsprung. Obwohl das Ehepaar schon lange in Aukrug lebt, hat es sich erst jetzt entschieden, sich mal im Golfsport auszuprobieren. „Mein Bruder hat einen Schnupper-Kursus besucht und war so begeistert davon, dass wir es auch einmal ausprobieren wollten“, berichtet Angela Nagel. Ehemann Christoph berichtet, dass der Platzreifekursus mit Kosten in Höhe von 444 Euro zudem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis biete. „Da ist ja auch eine Betreuung durch einen Pro enthalten. Wir wollen auf jeden Fall auch danach dabei bleiben“, so der Orthopäde.

Haben gerade erst mit dem Golfen begonnen, wollen aber gern dabeibleiben: Angela und Christoph Nagel.
Haben gerade erst mit dem Golfen begonnen, wollen aber gern dabeibleiben: Angela und Christoph Nagel. Foto: Matzen
 

Während Martin Ringat mich zum Putting-Green führt, wo ich nun die kurzen Schläge und das Einlochen üben darf, berichtet er, was ihm an der Outdoor-Aktivität besonders viel Spaß macht. „Bei diesem Sport kommt man auch als Berufstätiger an die frische Luft. Man ist draußen und vollkommen auf den Ball konzentriert. So fokussiert zu sein, tut mir unheimlich gut.“ In solchen Momenten denke er über nichts nach. Das sei eine richtiggehende „mentale Erfrischung“, so Ringat, der im Wirtschaftsministerium arbeitet. Er selbst ist seit 2010 Golfer und schätzt nicht nur die Bewegung an der frischen Luft: „Dieser Sport bedient auch meinen Ehrgeiz, man ist ja nie angekommen und es reizt mich, mich weiter zu verbessern.“ Und immerhin hat Ringat aktuell ein Handicap von 20,6.

Es gab auch Erfolgserlebnisse: Das einfache Putten gelang der Redakteurin schon ganz gut.
Es gab auch Erfolgserlebnisse: Das einfache Putten gelang der Redakteurin schon ganz gut. Foto: Matzen
 

Beim Putting-Green zeigt er mir, wie beim Einlochen vorzugehen ist. Anstatt richtig draufzuhauen ist hier nämlich Fingerspitzengefühl gefragt. „Man lässt den Schläger wie ein Uhrenpendel schwingen.“ Obwohl ich mich selbst eher in die Kategorie der ungeduldigen Menschen einordnen würde, gelingt mir das erstaunlich gut, und der Ball landet tatsächlich im Loch. Das war allerdings auch nicht sonderlich schwierig – gab es immerhin keine Unebenheiten oder Gefälle zwischen Ball und Loch. Das üben wir auch noch, ein Loch weiter – und obwohl ich mein Bestes gebe, rollt der Ball mit ein paar Zentimetern Entfernung am Loch vorbei. Dass Ringat bei diesem Sport aber der Ehrgeiz packt, kann ich verstehen. Irgendwie will man es sich selbst beweisen – und Übung macht ja bekanntlich den Meister. Vielleicht komme ich also wieder, auszuschließen ist das nicht, immerhin wohne ich nicht weit entfernt und draußen bin ich auch gern. Das ist auf jeden Fall eine Voraussetzung, wenn man Golf spielen möchte: Man muss sich gern an der frischen Luft bewegen. Spielt man nämlich eine ganze Runde – die immerhin 18 Löcher umfasst–, ist man etwa vier Stunden unterwegs. Rund zehn Kilometer lang ist die Runde, die laut Anders Lejon auf 72 Schläge ausgelegt ist. Man sollte also kein Bewegungsmuffel sein – und Menschen mögen. Denn davon trifft man viele auf so einem Golfplatz. Was mir aber nicht unter die Augen gekommen ist, sind karierte Hosen oder andere optische Bestätigungen der Vorurteile – abgesehen von den doch meist kostspieligeren Fahrzeugen auf dem Parkplatz vielleicht.

Ich kann also sagen: Es hat Spaß gemacht. Und sollte ich mal wiederkommen, dann auf jeden Fall ohne Fotografen in Reichweite.

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erstellt am 28.Mai.2017 | 16:32 Uhr

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