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Rendsburg : „Alltagsheld“ seit 35 Jahren an der Seite von Opfern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gründungsvater des Weißen Rings im Norden: Hans A. Möller baute die Organisation landesweit auf.

von
erstellt am 17.Jun.2015 | 17:00 Uhr

Die Weihnachtsfeier endet tragisch. Wenige Tage vor dem Fest treffen sich die Kollegen im Altstadtkeller in Rendsburg, um fröhlich zu sein. Der Wirt hat die Gaststätte für die geschlossene Gesellschaft reserviert. Doch ein fremder Gast stört die Party. Der betrunkene Randalierer stößt den Wirt, der ihn zum Verlassen des Lokals auffordert, nieder. Der Hausherr stürzt und fällt auf den Kopf. Die Verletzung ist so schwer, dass der Gastronom seinen Betrieb schließen muss und nie wieder arbeiten kann. Der folgende Papierkrieg mit Finanzamt und Versicherungen zieht sich monatelang hin und wird von Hans Artur Möller vom Weißen Ring für das Opfer übernommen und mit Erfolg geführt. „Wir haben eine hundertprozentige Entschädigung bekommen.“

Der ehemalige Gastwirt gehörte gestern zu den rund 30 Gratulanten, die sich bei Hans A. Möller in einer Feierstunde für dessen 35-jähriges Engagement für die Opferschutzorganisation bedankten. „Dein Erfahrungsschatz ist Gold wert“, bescheinigte Uwe Rath, der Leiter der Außenstelle Rendsburg-Eckernförde, seinem Vorgänger. „Wir sind stolz, Dich in unseren Reihen zu haben.“ Der Landesvorsitzende Uwe Döring würdigte Hans Möller als „Gründungsvater“ des Weißen Rings in Schleswig-Holstein und dienstältestes aktives Mitglied in der Opferhilfe im Norden. Der Jubilar sei ein „Alltagsheld“, der bescheiden im Hintergrund wirke. Und auch Bürgermeister Pierre Gilgenast lobte die „wertvolle Arbeit“ von Möller: „Sie nehmen die Opfer an die Hand.“

Das Datum der Feier war bewusst gewählt. Auf den Tag genau vor 35 Jahren, am 16. Juni 1980, war Hans A. Möller von dem bekannten Journalisten und Fernsehmoderator Eduard Zimmermann (Aktenzeichen XY, ungelöst) zum ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings ernannt worden. „Eduard Zimmermann war ein wunderbarer Mensch“, erinnert sich der 79-Jährige. „Wir haben uns bei Delegiertenversammlungen getroffen und sehr gut zusammengearbeitet.“ Der Weiße Ring war von Zimmermann 1976 in Mainz gegründet worden, um Opfern von Raub, Diebstahl oder Betrug über ein gut ausgebautes Netzwerk mit vielen Kontakten schnell, direkt und unbürokratisch helfen zu können. Dazu zählt die persönliche Betreuung wie auch die Begleitung zu Terminen bei Behörden, Polizei und Gericht.

Im Norden war Möller zunächst ein Einzelkämpfer. Der Rendsburger war als Außenstellenleiter der Kreise Rendsburg-Eckernförde sowie Dithmarschen, Nordfriesland und den kreisfreien Städten lange Zeit alleiniger Opferhelfer. „Zu Fuß habe ich tausende von Werbezetteln ausgetragen und in die Briefkästen gesteckt.“ Der Jubilar brauchte zehn Jahre, bis in allen Kreisen und kreisfreien Städten Außenstellen etabliert waren. Bis heute ist der Helfer der ersten Stunde aktiv in Rendsburg sowie auf Landes- und Bundesebene. „Ich habe schon als Schuljunge meinen Klassenkameraden gern geholfen“, beschreibt Hans A. Möller seine soziale Eigenschaft. Er erhalte für seinen Einsatz viel Dankbarkeit. „Dabei werden nicht immer große Worte gemacht.“ Es sind die kleinen Gesten, die den Wegbegleiter berühren: „Ein fester Händedruck oder eine kurze Umarmung.“

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