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Handarbeit in Owschlag : Alles Käse bei Familie Solterbeck

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der größte Milchschafbetrieb des Landes liegt in Sorgwohld bei Owschlag. Vier verschiedene Sorten Käse werden auf dem Biolandhof in Handarbeit hergestellt – darunter die Eigenkreation „Cam-Mäh“.

Fressen, verdauen, Milch geben. Der Arbeitstag eines Schafes von Mitte Februar bis Mitte November ist überschaubar. Seine Wolle ist nicht wichtig, das Fleisch zweitrangig – allein auf die Milch kommt es der Familie Solterbeck an. Das Produkt der Vierbeiner sorgt für ausgefüllte Arbeitstage und volle Auftragsbücher: In Sorgwohld wird Käse in Bioqualität hergestellt.

„Unser Hof ist der größte Milchschafbetrieb des Landes“, sagt Ina Solterbeck. Ein bisschen Stolz schwingt mit in ihrer Stimme. Schließlich stellte der Familienbetrieb erst 2007 von der Schweinezucht auf Schafe um. Aus anfangs 90 wurden 160 Tiere. Jedes von ihnen liefert pro Tag rund 1,8 Liter Milch. „Das ist für Schleswig-Holstein ein gutes Ergebnis“, erklärt die Landwirtin bei ihren Hofführungen. Denn bei den Solterbecks kann man hinter die Kulissen der Käseproduktion blicken – ein Angebot, das auch von Urlaubern gerne angenommen wird und Erwachsene genauso fasziniert wie Kinder.

Im Stall herrscht ein Höllenlärm. Mit durchdringendem „Mäh“ rufen die Mütter nach ihren Lämmern. Oder wollen sie einfach nur Aufmerksamkeit? Die meisten der Tiere kennen keine Angst vor den Zweibeinern, lassen sich streicheln. Die Gewöhnung an menschliche Nähe sei wichtig, erklärt Ina Solterbeck. Gleichfalls wichtig sei die Futterqualität. Die Familie baut eine Leguminose-Gräser-Mischung als Futter an. Ansonsten gibts noch gequetschten Hafer und als einzigen Zusatz den Mineralstoff Kalzium. Ganz pragmatisch sagt die Landwirtin: „Man muss oben was Gutes hinein tun, damit unten was Gutes heraus kommt.“

Letzteres passiert zwei Mal am Tag und dauert jedes Mal rund zwei Stunden. Im Sommer müssen die Tiere von der Weide in den Melkstand getrieben werden. Momentan sind sie wegen der Lämmer noch im Stall, der Weg ist kürzer, das Gedränge trotzdem groß. Schließlich gibt es als „Bestechungsfutter“ den Hafer. Je zwölf Schafe strecken dann den Menschen ihre Hinterteile entgegen und die Köpfe in den Futtertrog. Die Schafe haben zwar nur zwei statt vier Zitzen wie Kühe. Dennoch ist das Anlegen der Zitzenbecher nicht so einfach, weil jedes dritte Euter nicht „betriebsbereit“ ist. Hans-Peter Solterbeck und sein Helfer müssen oft per Hand den Milchfluss anregen. „Wir hoffen auf die Forschung“, sagt die Schafhalterin, und auf die Züchtung von Tieren mit besser melkbaren Eutern.

Erst nimmt Senior Solterbeck eine Milchprobe, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. „Wenn Schmutzreste am Euter sind, kann es vorkommen, dass der Käse später nach Schaf schmeckt“, erklärt Ehefrau Ina. Aber genau das soll ein guter Schafskäse nicht. „Hundertprozentige Melkstandhygiene ist Voraussetzung für guten Käse.“ Auch in der Käserei ist Hygiene das A und O. „Hier darf nicht ein Liter Milch per Hand hineingetragen werden“, da sind die EU-Richtlinien streng. Statt dessen wird der Rohstoff in den Raum gepumpt.

Dann kommt Sohn Malte zum Einsatz. Der Agrar-Ingenieur und Käser sorgt ganz allein für die Zubereitung der Produkte, die laktosefrei sind und auch nicht aus Rohmilch hergestellt werden. „Auf diese Weise sind sie auch für Schwangere genießbar“, lautet ein Hinweis von Ina Solterbeck. Beim Käsemachen können die Besucher nicht zuschauen, denn nur mit entsprechender Kleidung ist das Betreten der Käserei gestattet. „Wir müssen den selben Standard erfüllen wie große Käsewerke“, erklärt die Hofführerin. Das bedeutet auch umfangreiche Protokolle, die „Geburtsurkunden“.

Aber probieren können die Gäste und dabei etwas über Reifeprozesse erfahren. Auch wenn Ina Solterbeck Mühe hat, den Weichkäse „Cam-Mäh“ oder den „Kleinen Hirten“ anbieten zu können. Seit ein großer holländischer Anbieter vor eineinhalb Jahren geschlossen wurde, ist die hochpreisigere Ware aus Sorgwohld im Handel sehr begehrt und manchmal nur schwer erhältlich. Doch – so ein Käse – dem Vier-Personen-Betrieb sind bei der Produktion Grenzen gesetzt. Um so mehr lassen sich die Besucher alles schmecken.

 

 

> Führungen: Jeden Dienstag, 15.30 Uhr, zirka zwei Stunden (April bis Oktober)

>Adresse: Milchschafhof Solterbeck Owschlag, Sorgwohld 10, Anmeldung unter Telefon 04336 / 2949859 > Produkte: Cam-Mäh (Weichkäse nach eigenem Rezept), Kleiner Hirte (Hartkäse), eingelegter Schafskäse (Feta), Frischkäse und Joghurt sind auf Wochenmärkten, in zahlreichen Edeka- und Bioläden der Region erhältlich.

 

 

 

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erstellt am 09.Apr.2015 | 19:11 Uhr

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