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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 00:21 Uhr

Hauswirt aus Börm : Allein unter 20 Frauen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sven Hauswirth absolviert als erster Mann die Berufsabschlussprüfung Hauswirtschaft bei der Landwirtschaftskammer – und zwar mit Bravour. Der zweifache Familienvater hat sich unter 20 Frauen bewiesen und bekocht nun täglich mehrere Seminarteilnehmer.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2013 | 15:45 Uhr

Er wollte nicht immer in Panik geraten, wenn er für mehr als vier Personen kochen sollte, begründet Swen Hauswirth aus Börm seine Teilnahme am Vorbereitungslehrgang auf die Berufsabschlussprüfung Hauswirtschaft bei der Landwirtschaftskammer. Im Sommer hat er die Prüfung abgelegt – mit Bravour. Als einziger Mann unter 20 Frauen erreichte er mit einem Durchschnitt von 1,6 das beste Ergebnis. Der ehemalige Kapitän kann das Know-how gut gebrauchen, denn er bewirtet im Therapie- und Seminarzentrum für Tiertherapeuten, das seine Frau in Börm betreibt, die Kursusteilnehmer.

Im Jahr 2003 hatte Swen Hauswirth, der Schiffsbetriebstechnik gelernt und später studiert hat, um sein Kapitänspatent zu machen, von der Seefahrt Abschied genommen. Statt auf den Weltmeeren nach Afrika und Amerika zu fahren, kümmerte er sich fortan um die Söhne Tim und Janus, heute elf und acht Jahre, und hielt seiner Frau Susanne den Rücken frei, damit sie als Tierärztin praktizieren und das Therapiezentrum aufbauen konnte.

Die Familie zog von Kiel nach Börm und baute hier einen alten Hof mit Lohdiele nach und nach um. „Die ersten zehn Seminarteilnehmer saßen noch bei uns im Esszimmer“, erinnert sich Swen Hauswirth an die Anfänge seiner Kücheneinsätze. Dabei fiel ihm immer wieder auf, dass das mit dem Zubereiten der Speisen schon ganz gut klappte, das mit der Organisation in der Küche nicht so. Als er im Bauernblatt las, dass die Landwirtschaftskammer einen Lehrgang genau zu diesem Thema anbietet, meldete er sich an. 15 Monate lang fuhr er Woche für Woche zu den Seminaren. „Das hat sich absolut gelohnt. Die Arbeiten in der Küche gehen schneller von der Hand, ich weiß, wie ich meinen Arbeitsplatz einrichten muss und mit den Arbeitstechniken, die ich gelernt habe, geht alles viel schneller“, so sein Resümee.

Dass er dabei die besten Prüfungen auch in Fächern wie Umweltschutz und Hygienestandards hinlegte, würde der bescheidene 42-Jährige wohl selbst nie erwähnen. Der LandFrauenverband Schleswig-Holstein aber wollte diese besondere Leistung auf jeden Fall würdigen. Präsidentin Marga Trede sagte in einer kleinen Feierstunde, zu der Swen Hauswirth mit seiner ganzen Familie kam, auch warum: „Seit über 60 Jahren macht sich der LandFrauenverband für die Bedeutung der Hauswirtschaft stark. Wir haben schon immer gesagt, hauswirtschaftliches Wissen ist für die Gesellschaft von enormer Bedeutung. Wir freuen uns, dass diese Erkenntnis mittlerweile immer mehr auch außerhalb unseres Verbandes ankommt.“ Und Ulrike Brouer, Bildungsreferentin und Lehrgangsleiterin im Fachzentrum Hauswirtschaft der Landwirtschaftskammer, gratulierte mit den Worten: „Sie sind der bisher erste männliche Teilnehmer. Auf diesen Moment haben wir lange gewartet.“

Swen Hauswirth ist gern Botschafter für eine hauswirtschaftliche Ausbildung auch von Männern. „Ich kann das jedem nur empfehlen. Es würde in vielen Haushalten besser laufen, wenn sich auch mehr Männer qualifizieren würden.“

Für den 42-Jährigen steht auch fest, dass es dabei nicht auf eine hochmoderne Küche ankommt. Sondern vor allem auf zwei Dinge: Zeitmanagement und scharfe Messer. Und so weiß er ganz sicher mit dem Gutschein für hochwertiges Küchengerät etwas anzufangen.



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