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Osterrönfeld/Rendsburg : Ärgernis für Schüler und Pendler

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Behörde will keinen Ersatzverkehr für ausgefallene Schwebefähre einrichten. CDU-Vertreter wirft Osterrönfelds Bürgermeister Versäumnis vor.

Die Schwebefähre Rendsburg bringt täglich Berufstätige, Schüler und Touristen kostenlos über den Nord-Ostsee-Kanal zu ihren jeweiligen Zielen – eigentlich. Von Dienstag bis voraussichtlich heute, 15 Uhr, ist sie wieder einmal wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Einen Ersatzverkehr gibt es nicht – trotz jahrelanger Bemühungen seitens der Gemeinde Osterrönfeld.

Die drei Freunde Rahel, Wassam und Abed stehen am Mittwoch mit ihren Fahrrädern vor dem nördlichen Anleger und lesen nicht zum ersten Mal das Schild: „Schwebefähre außer Betrieb. Umleitung durch den Tunnel.“ Solange noch Ferien sind, haben sie zum Glück Zeit dafür. Regelmäßige Arbeiten an der Fähre verlegt das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) üblicherweise in die Ferienzeit, damit zumindest Kinder auf ihrem täglichen Schulweg nicht betroffen werden. In der letzen Zeit haben sich jedoch die unplanmäßigen Ausfälle gehäuft: Zu solchen kam es drei Mal allein in den letzen fünf Wochen. Dabei war die Fähre erst im Sommer einer mehrwöchigen Inspektion unterzogen worden.

Für Berufspendler ist das ärgerlich. Thomas Seidel fährt jeden Tag von der Südseite nach Rendsburg. „Ich kann aber auch den Kanaltunnel oder die Fähre bei Nobiskrug benutzen“, sagt Seidel. Weitaus unangenehmer trifft ein Fähren-Ausfall Schüler wie Rahel und seine Freunde. „Wir haben viele Probleme wegen der Ausfälle“, sagt Annette Schneidemesser, Sekretärin der Freien Waldorfschule Rendsburg. „Viele unserer Schüler kommen von der anderen Kanalseite.“ Diese müssten dann zwangsläufig die anderen Nadelöre Kanaltunnel oder Nobiskrug-Fähre benutzen – mit dem Fahrrad ein langer Umweg. Die erste Stunde verpassten die Schüler so. „Für sie ist das sehr stressig“, so Schneidemesser.

Vor gut zehn Jahren gab es den Versuch eines Busersatzverkehrs. Dieser war laut Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht aber wenig praktikabel, angesichts täglich Hunderter Schüler mit Fahrrädern. 2008 versuchte die Gemeindevertretung Osterrönfeld, einen Fährenersatz bei Ausfall der Schwebefähre vom zuständigen WSA gerichtlich zu erzwingen. Aus formalen Gründen wurde die Klage abgelehnt. Die Gemeinde sei nicht klagebefugt, da sie nicht in eigenen Rechten verletzt werde. Bürgermeister Bernd Sienknecht erklärte damals, sich mit der Klage-Abweisung nicht zufriedengeben und den juristischen Weg weiterverfolgen zu wollen. Davon ist er später abgerückt. „Bei dem Gerichtsverfahren wurde uns deutlich gemacht, dass eine Klage keine Aussicht auf Erfolg haben würde“, erklärt Sienknecht. Das WSA sei zum Bereitstellen eines Ersatzverkehrs bei Fährenausfall schlicht nicht verpflichtet.

Für Wilhelm Petersen vom CDU-Ortsverband Osterrönfeld ist dieser Zustand nicht hinnehmbar: „Wenn auch rechtlich nichts zu machen ist, müsste sich der Bürgermeister doch mehr einsetzen, um im Interesse der Bürger eine Regelung zu finden.“

Bürgermeister Bernd Sienknecht wehrt sich gegen den Vorwurf. Die Stadt bemühe sich immer wieder in Gesprächen mit dem WSA um einen Ersatzverkehr. Das Argument des WSA, ein Ersatzverkehr sei unwirtschaftlich, könne er aber nachvollziehen. Am Ende müsse man dann doch realistisch bleiben und die gelegentlichen Umwege wegen Ausfalls, so ärgerlich sie auch seien, hinnehmen.

Beim WSA gibt man an, keine Pläne für einen Ersatzverkehr zu haben. „Es gibt keinen Bedarf und keine Überlegungen“, so Rüdiger Schröder, Abteilungsleiter für Brückenbau. Er verweist auf den Standpunkt des Amtes zur Zeit der Gerichtsverhandlung. An diesem habe sich seitdem nichts geändert. Das damalige Argument des WSA: Der Einsatz einer Motorfähre im Bereich der Hochbrücke sei wegen eines fehlenden Anlegers aus Sicherheitsgründen nicht möglich. CDU-Vertreter Wilhelm Petersen weist allerdings darauf hin, dass es bis in die Neunziger hinein bereits einen Schiffs-Ersatzverkehr gegeben habe. Die Begründung des WSA hält er deshalb für fadenscheinig. Petersen: „In Wirklichkeit will man nur Geld sparen.“

> Die Schwebefähre bleibt voraussichtlich bis heute, 15 Uhr, gesperrt.

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erstellt am 21.Okt.2015 | 10:52 Uhr

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