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Sehestedt : Ärger über zugewucherten Radweg

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Viel zu schmal und kaum befahrbar – Nutzung ist gefährlich. Seniorenbeirat Sehestedt bittet den Landesbetrieb um eine Stellungnahme.

von
erstellt am 23.Jun.2016 | 09:39 Uhr

Es ist eine unendliche Geschichte. Genauer: ein Ärgernis seit mehr als zehn Jahren. Im Radfahrer-Land Schleswig-Holstein gibt es einen Radweg, der rechtlich genommen keiner mehr ist. Sein Zustand ist so schlecht, dass er bereits 2005 entwidmet wurde. Vergeblich versuchen seitdem die betroffenen Gemeinden und das Amt Hüttener Berge, eine Verbesserung zu erreichen. Nun hat sich der Seniorenrat Sehestedt in einem längeren Schreiben an den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV-SH) gewandt und eine Stellungnahme erbeten.

Immer wieder gibt es Beschwerden – jüngst von einer Mutter, deren Kinder den Weg täglich nutzen. Sie machte die Gemeinde Sehestedt dafür verantwortlich. Die würde gerne etwas unternehmen, allerdings sind ihr die Hände gebunden. Wie der Name sagt, ist die L42/44 eine Landesstraße und fällt damit in die Zuständigkeit des Landes. In den vergangenen Jahren von der Landeszeitung auf den maroden Weg angesprochen, lautete die Antwort von Matthias Paraknewitz, Leiter der Rendsburger LBV-Niederlassung, stets: „Wir haben kein Geld.“

Für Georg Moll, den Vorsitzenden des Seniorenrates, ist das Vorgehen unverständlich. „Tatsache ist, dass vor vielen Jahren ein Geh- und Radweg von der Landesstraßenbehörde geplant, gebaut und abgenommen wurde“, schreibt er in seinem Brief. Und zwar auf einer Breite von 160 Zentimetern. „Aufgelassen“ wurde er vom Land, weil er nicht mehr den Vorschriften entspreche, da zu schmal, zitiert Moll die Sehestedter Bürgermeisterin Rita Koop. Das heißt, „es fehlt das Verkehrszeichen 237 – Gebot für Radfahrer“, stellt Moll fest und folgert: „Das hat man offenbar nicht ohne Grund gemacht.“ Die Radler müssen den Weg also nicht benutzen, können auch auf der Straße fahren. Doch „auf der Straße ist es gelegentlich schon für Autofahrer zu eng“, hatte Borgstedts Bürgermeister Gero Neidlinger bereits vor neun Jahren festgestellt.

2011 wurde dann „ungeeignetes Bitummaterial eingearbeitet“ (Moll). Durch diese Maßnahme sollte der geschrumpfte Weg um 40 Zentimeter verbreitert werden, hieß es damals aus dem LBV. Allerdings: Verbreitert worden sei der Weg, damit er von einem Fahrzeug genutzt werden könne, um die Bankette zu mähen, erklärte Matthias Paraknewitz im Juli 2012 gegenüber der Landeszeitung. Ob tatsächlich gar nicht an die Radfahrer bei dieser Maßnahme gedacht worden war, ließ sich gestern nicht ermitteln. Auf jeden Fall waren die dafür aufgewendeten Mittel in Höhe von 60  000 bis 70  000 Euro (die Angaben variieren) vergebens. Schon nach kurzer Zeit eroberte die Natur den aufgefüllten Streifen zurück. „Lebensgefährlich“ sei die Nutzung, erklärte ein Bünsdorfer damals – nicht zuletzt durch eine neu entstandene Kante zwischen dem alten Weg und der Verbreiterung. Rita Koop äußerte sich empört: „Der Weg ist schlecht. Wir haben gesagt, dass wir die Kosten für die Pflege tragen. Aber so nehmen wir den Weg nicht ab.“

Jetzt wuchert er also langsam zu. Die Grasnarbe sei in den Weg hineingewachsen, so Moll. „Im November 2015 wurde der Grünstreifen beidseitig der Landesstraße von überwucherndem Grün befreit“, stellt er in seinem Schreiben fest. Aber nicht der Rad- und Gehweg. Im Gegenteil: Aushubmaterial sei auf den Weg gefallen, und die Verschmutzung habe die Benutzung noch gefährlicher gemacht, so der ehemalige Bau- und Sicherheitsingenieur.

Für den Sehestedter Seniorenbeirat gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten. Entweder den Weg instand zu setzen, so dass er wieder problemlos zu nutzen ist. Oder ihn ganz zurück zu bauen (zu renaturieren) und für die Radfahrer einen Streifen von der Straße abzutrennen – was nach seiner Meinung eine Geschwindigkeitsbeschränkung nötig machen würde. „Ich hoffe auf eine Reaktion“, sagt Georg Moll. Im besten Falle natürlich auf eine Instandsetzung.

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