Rendsburg : Ärger über Parkverbot und Knöllchen auf Paradeplatz

Der Paradeplatz in Rendsburg: Parken ist hier eigentlich gar nicht erlaubt.
Der Paradeplatz in Rendsburg: Parken ist hier eigentlich gar nicht erlaubt.

Nach drei Jahren Ruhe verteilen Politessen wieder Tickets. Geschäftsleute weigern sich zu zahlen.

shz.de von
16. Mai 2015, 05:07 Uhr

Drei Strafzettel hat Dirk Albers vom gleichnamigen Büro- und Druckladen in den vergangenen zwei Wochen bekommen. Alle wegen Falschparkens auf dem Paradeplatz in Rendsburg. Auch die anderen Ladeninhaber rund um das historische Areal im Stadtteil Neuwerk haben ein paar Knöllchen in der Schublade. Zahlen will keiner von ihnen. Denn für die Geschäftsleute gibt es keine Alternative, sie sind auf die Fläche angewiesen. Bisher wurde das auch von der Stadt geduldet, obwohl dort absolutes Parkverbot gilt. Doch dass seit zwei Wochen die Politessen sie und ihre Kunden regelmäßig aufschreiben, ärgert die Inhaber.

Die Diskussion um das Parken auf dem Paradeplatz währt schon ein paar Jahre. Um zu verstehen, warum dort keine Autos stehen dürfen, muss man 28 Jahre zurückblicken. 1987 beschloss die Ratsversammlung, dass man den Paradeplatz nicht zuparken dürfe – aus Respekt vor seiner historischen Bedeutung. Auf dieser Grundlage bewilligte das Land ein paar Jahre später städtebauliche Fördergelder von rund drei Millionen Euro. Für diese Finanzspritze gilt aber eine Zweckbindungsfrist von 25 Jahren. Würde man den Platz für Fahrzeuge freigeben, könnte das Land einen Teil des Geldes zurückfordern. Erst mit Ablauf der Frist im Jahr 2018, könne man also über eine neue Regelung nachdenken, machte Bürgermeister Pierre Gilgenast deutlich. Doch solange wollen die Geschäftsleute nicht warten. Sie fordern eine schnelle Lösung von der Stadt. Schließlich gehe es nicht nur um sie und ihre Mitarbeiter. Auch die Kunden wissen nicht, wo sie ihre Autos abstellen sollen. Das sei schlecht fürs Geschäft. „Alle wollen, dass Rendsburg belebt wird, und dann legt die Stadt einem solche Steine in den Weg“ , ärgert sich Michaela Benke vom Feinkostladen „Gran Gusto“. Sie hat sogar Schwierigkeiten, an ihre Ware zu kommen, denn auch ihr kleiner Kühl-Lkw wird von den Politessen regelmäßig aufgeschrieben. Apotheken-Inhaber Andreas Struwe sieht in dem Platz überhaupt nichts Historisches: „Für mich ist das eine felsige Brachfläche der Stadt.“

Neben dem Parkverbot kritisieren die Geschäftsleute, dass die derzeitige Regelung von kaum jemandem verstanden werden kann. Ein absolutes Halteverbotsschild steht an der einen Ecke des Platzes. Daneben ein Schild mit dem typischen blauen Parkplatzzeichen – dazu der Schriftzug „für Veranstaltungen“. Denn wenn im Hohen Arsenal beispielsweise Konzerte stattfinden, werden die rot-weißen Poller entfernt. Doch an manchen Tagen ist die Begrenzung morgens noch verschwunden, mittags plötzlich wieder da. Dann kann es schon mal passieren, dass die Fahrzeuge auf dem Platz eingeschlossen sind. Raus kommt man dann nur noch, indem man über den hohen Kantstein fährt.

„Wir wollen ja gar nicht, dass der Platz 365 Tage im Jahr für Autos frei ist. Aber wir wollen einen Kompromiss, wir wollen wahrgenommen werden“, so die Forderung von Albers. Auch Gilgenast spricht von einer Lösung, in der beide Seiten – die Geschäftsleute und die historische Bedeutung – berücksichtigt werden müssen. Konkrete Pläne, wie es 2018 weitergehen soll, gebe es aber laut dem Bürgermeister noch nicht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen