DRK unterwegs : Aderlass im gekühlten Reisebus

Angezapft: DRK-Arzthelferin Sabine Büchmann nimmt Sandra Gennat in einem klimatisierten Bus auf dem Schiffbrückenplatz einen halben Liter Blut ab. Dreimal im Jahr geht die Westerrönfelderin zur Blutspende. Fotos: Leptin
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Angezapft: DRK-Arzthelferin Sabine Büchmann nimmt Sandra Gennat in einem klimatisierten Bus auf dem Schiffbrückenplatz einen halben Liter Blut ab. Dreimal im Jahr geht die Westerrönfelderin zur Blutspende. Fotos: Leptin

Ein Blutspendemobil machte Station auf dem Schiffbrückenplatz. In den Ferien werden die Vorräte knapp.

shz.de von
27. Juli 2018, 18:18 Uhr

Immer wieder ballt Sandra Gennat die Hand zur Faust, damit das Blut schneller fließt. In ihrem rechten Arm steckt eine Nadel. Durch einen dünnen Schlauch fließt die rote Flüssigkeit in einen Plastikbeutel. Normalerweise spendet Gennat in ihrem Heimatort Westerrönfeld. Dieses Mal sitzt sie in einem klimatisierten, 18 Tonnen schweren Bus auf dem Schiffbrückenplatz, während sich der Blutbeutel langsam füllt.

Weil die Reserven in Krankenhäusern und Arztpraxen in den Sommerferien knapp werden, fährt derzeit ein Blutspendemobil des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) durchs Land. In der Imland-Klinik sind die Lager mit den Blutkonserven noch gut gefüllt, berichtet Pressesprecher York Lange. Das kann sich allerdings schnell ändern: Blutpräparate sind nur sehr kurz haltbar, fortlaufend werden neue Spenden benötigt. Und vielerorts im Land werden die Vorräte bereits knapp, berichtet Susanne von Rabenau, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vom Blutspendedienst Nord-Ost des DRK. Viele Menschen, die regelmäßig einen halben Liter ihres Lebenssaftes spenden, sind derzeit in den Ferien. Durch die enorme Hitze wird der Blut-Engpass noch verstärkt, berichtet die DRK-Sprecherin. Viele würden bei Temperaturen um 30 Grad aus Sorge vor Kreislaufproblemen von einer Spende absehen.

Die Tour mit dem Bus soll diesem Problem entgegenwirken. Dauer-Blutspendern, die in Schleswig-Holstein Ferien machen und deshalb nicht an ihrem angestammten Ort zum Aderlass gehen können, wird es so ermöglicht, unterwegs einen halben Liter Blut abzugeben. Aber auch viele, die noch nie gespendet haben, werden beim Anblick des großen DRK-Busses neugierig und lassen sich erstmals „anzapfen“. Angewiesen auf die Blutkonserven sind nicht nur Unfallopfer, sondern auch Krebspatienten. 19 Prozent des gespendeten Blutes wird für sie verwendet – das ist mehr als für jedes andere Klientel. Viele Blutpräparate für die an Krebs erkrankten Menschen halten sich zudem besonders kurz: Blutplättchen etwa, die wichtig für die Blutgerinnung sind, können nur vier Tage lang verwendet werden, erklärt von Rabenau.

550 Blutspenden pro Tag muss das Deutsche Rote Kreuz gewinnen, um den Bedarf in Schleswig-Holstein und Hamburg zu decken. Die Vorräte gehen langsam zur Neige: Vor allem Blut der Gruppe „0-“ ist im hohen Norden kaum mehr vorrätig. Die Bestände reichen derzeit nur, um die Versorgung für einen Tag sicherzustellen, berichtet Susanne von Rabenau.

Nach etwa 30 Minuten hat Sandra Gennat einen halben Liter Blut gespendet. Neben der Westerrönfelderin nahmen 20 weitere Personen das Angebot auf dem Schiffbrückenplatz wahr. Darunter auch ein Spender, der zum allerersten Mal dabei war.

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