Büdelsdorf : ACO deckelt den Straßenlärm

Der ACO-Neuheit des Jahres stellten gestern Geschäftsführer Iver Ahlmann und Ingenieur Alfred Fuchs (rechts) vor.
Der ACO-Neuheit des Jahres stellten gestern Geschäftsführer Iver Ahlmann und Ingenieur Alfred Fuchs (rechts) vor.

Die Firma ACO hat einen Kanaldeckel entwickelt, der den Straßenlärm verringern soll. Dämpfende Einlagen, geschliffene Auflageflächen und eine besondere Einbautechnik verhindern, dass das Teil klappert.

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19. Juni 2015, 17:00 Uhr

Aufheulende Motoren und quietschende Reifen sind schon schlimm genug. Doch es gibt etwas, das die Nerven von Anwohnern noch stärker strapaziert: Kanaldeckel, die bei jedem Kontakt mit Auto- oder Lasterreifen in Bewegung geraten. Das dabei entstehende schlagartige Klappern kann Dezibelwerte erreichen, die im gravierendsten Fall sogar mit dem Schuss aus einer Pistole vergleichbar sind.

Geht es nach der Firma ACO, soll sich bald niemand mehr über klappernde Bauteile im Straßenbelag beklagen können. Das Büdelsdorfer Unternehmen hat gestern vor 40 Fachjournalisten aus ganz Deutschland seine wichtigste Neuheit des Jahres präsentiert: den Kanaldeckel „Multitop Plus“. Eineinhalb Jahre hat sich ACO für die Entwicklung Zeit genommen. Um das Geheimnis des gusseisernen Produktes zu entdecken, muss man die Rückseite betrachten: Die Auflagefläche jeder Scheibe wird in einem aufwändigen Verfahren absolut plan geschliffen. So kann man sie wackelfrei in den Rahmen einlassen. Dieser wiederum wartet mit einem dämpfenden Gummiring auf.

Der Rahmen ist das Bindeglied zwischen Deckel und Straße. Bei herkömmlichen Systemen ruht er auf dem Betonschacht, durch den Bauarbeiter für Wartungsarbeiten in die Kanalisation hinabsteigen können. ACO hingegen hat Rahmen und Schacht weitgehend voneinander entkoppelt. Die Abdeckung des Kanalschachts kann bei der Asphaltierung der Straße miteingewalzt werden. Durch eine besondere Konstruktion werden etwa 85 Prozent des Drucks, den zum Beispiel ein überfahrender Laster auf den Kanaldeckel ausübt, in den Straßenunterbau abgeleitet, nur noch 15 Prozent trägt der Schacht selbst. Nach den Worten von Alfred Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Schachtabdeckungen, Schächte und Abläufe, verringert das die Wartungskosten deutlich. Das alte System, das vollständig auf den Schächten auflag, habe schwere Schäden verursacht. Fuchs: „Viele Schachtköpfe sind marode.“ Und noch einen Vorteil hat die Einbaumethode des Einwalzens: Zwischen der Straßenoberfläche und dem neuen „Multitop Plus“ gibt es keinen Höhenunterschied – also keinen Extra-Lärm beim Drüberfahren.

Die ACO-Ingenieure haben zudem zwei weitere Probleme gelöst: Die Oberfläche des Deckels ist rutschfest, zudem sorgt er für einen weitaus besseren Luftaustausch in der Kanalisation als bisher. Die Gesamtfläche der Luftdurchlässe stieg um 100 Prozent. Das ist dringend nötig, weil Fäulnisgase in der Kanalisation den Beton angreifen können. Und die Gasmenge steigt, seit es in den meisten Haushalten Wasserspartasten gibt. Dadurch können beispielsweise nicht mehr alle Fäkalien weggespült werden. Deren Ablagerungen belasten die Kanalisation.

Bis zu 45 Kilogramm wiegt der Kanaldeckel. Der Durchmesser beträgt 600 Millimeter. Der Preis wurde auf 394 Euro kalkuliert und bewegt sich damit auf dem Kostenniveau des Vorgängers. Das sei wie in der Automobilindustrie, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Iver Ahlmann: Man biete ein neues Produkt zum alten Preis an – nur mit deutlich mehr Ausstattung.

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