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Am Grünen Kranz : Acht Autos, 39 Regeln: Der strengste Parkplatz Rendsburgs

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der Sackgasse an der Hollesenstraße überwacht ein privater Kontrolldienst die Einhaltung der Vorschriften – und das gründlich.

Rendsburg | Seit dem Ausbau der Straße Am Grünen Kranz vor wenigen Jahren kann sich die Sackgasse sehen lassen. Nur Parkplätze sind knapp. Kein Wunder angesichts von nicht weniger als acht Facharzt-, Krankengymnastik- und Hebammenpraxen, die in oder an der nur 90 Meter langen Stichstraße ihren Sitz haben. Woran es deshalb nicht mangelt, das sind Verbote und Vorschriften. Die Warnung vor dem Abschleppen widerrechtlich abgestellter Fahrzeuge findet sich in unterschiedlicher Farbe und Ausführung an Wänden in nahezu jeder Himmelsrichtung. Gerne mit einem Ausrufezeichen versehen.

Der Gipfel der Regulierungswut ist eine blaue Hinweistafel. Sie steht unter Bäumen vor einer Fläche mit acht Stellplätzen, die zum Ärztehaus Am Grünen Kranz 2-4 gehören. Wer hier sein Auto abstellt, schließt automatisch einen Vertrag mit dem Unternehmen „Park & Control“ ab. Es ist auf Parkplatzbewirtschaftung spezialisiert und in ganz Deutschland aktiv. Oft ist die Überwachung für die Parkplatzbesitzer kostenlos. Das heißt: Geld verdient das Überwachungsunternehmen durch die Knöllchen. Was ein kulantes Vorgehen nicht gerade fördern dürfte.

Die Kennzeichnung jedenfalls ist auffälliger und detaillierter als an einem Truppenübungsplatz. Im Rendsburger Fall ist ganz oben auf dem Schild der Hinweis zu finden, dass es sich um Privatgelände handelt und dass eine gültige Parkerlaubnis hinter die Windschutzscheibe gelegt werden muss. „Von außen gut und zweifelsfrei lesbar“, heißt es unter Punkt III, zweiter Absatz. Weitere 38 Klauseln werden in weißer Schrift auf blauem Grund aufgeführt. Die Lektüre der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von „Park & Control“ dauert knapp zehn Minuten. Zwei zusätzliche Schilder auf dem Parkplatz machen auf sie aufmerksam. Bisher lassen vor allem die großen deutschen Supermarktketten und Discounter ihre Parkplätze von der Stuttgarter Privatfirma überwachen – zum Beispiel in Flensburg.

Wer die Regeln missachtet, für den wird es teuer

Wer gegen die Regeln verstößt, bekommt ein Privatknöllchen mit Zahlungsaufforderung. 30 Euro werden zum Beispiel fällig, wer vergisst, den Parkausweis hinter die Scheibe zu legen. 35 Euro, wer auf einem Parkplatz steht, der Menschen mit Behinderung vorbehalten ist, oder die Zufahrt blockiert.

Zum Vergleich: Die Stadt Rendsburg differenziert bei der erstgenannten Parksünde nach der Dauer. Wer sein Auto ohne vorgeschriebenen Parkausweis abstellt, zahlt in den ersten 30 Minuten zehn Euro und erst ab einem Zeitraum über drei Stunden 30 Euro. Die Strafe für Parken auf einem Schwerbehinderten-Stellplatz ist gleich: 35 Euro.

Und wenn der „Park & Control“-Überwacher sein Strafmandat verteilt hat? Wer nicht zahlt, bekommt es mit „Dritten“ zu tun, zum Beispiel mit Inkassounternehmen, auch darüber informiert das Unternehmen seine Kunden.

Die Anwohner reagieren verwundert. Uwe Biemann gehört zu denen, die die Verhältnismäßigkeit anzweifeln. „So ein Schild habe ich noch nie gesehen.“ Seiner Ansicht nach müsste am Grünen Kranz ein anderes Ärgernis dringender bekämpft werden. Denn in der Sackgasse ist es so eng, dass an ihrem Ende kaum ein Wendemanöver möglich ist. Das entsprechende Verkehrszeichen befindet sich an der Hollesenstraße – allerdings vier Meter über der Straße. So hoch, dass nicht einmal Lastwagen-Fahrer es wahrnehmen, geschweige denn tiefer sitzende Autofahrer, die mit Anhänger unterwegs sind und deshalb einen großen Wendekreis haben. Immer wieder fahren sich Ortsunkundige in der Stichstraße fest. Gegen sie kann selbst „Park & Control“ nichts ausrichten.

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erstellt am 20.Jul.2017 | 06:00 Uhr

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