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„Gelbes Branchenbuch“ : Abzocker nehmen Kreisverwaltung ins Visier

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dubioses Unternehmen fordert hohe Gebühr für Eintrag in „Gelbes Branchenbuch“. Die Spur führt in ein Steuerparadies.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 12:35 Uhr

Auf den ersten Blick sieht die E-Mail an die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde aus wie eine Routineangelegenheit: „Gelbes Branchenbuch“ und „Eintragungsantrag“ steht da. Doch wer genauer hinschaut, sieht: 65 Euro monatlich soll das Auftauchen in „Europas umfangreichstem Onlinebranchenbuch für Deutschland, Österreich und die Schweiz“ kosten. Laufzeit: drei Jahre. Macht 2340 Euro – für einen Eintrag in ein dubioses Internetverzeichnis.

„Innerhalb eines Monats haben wir vier oder fünf solcher Mails bekommen“, sagt Martin Schmedtje. Zwar gebe es immer mal wieder ähnliche Betrugsversuche, „aber in dieser Häufigkeit haben wir das zwei, drei Jahre nicht gehabt“. Der Kreissprecher hat deswegen die Polizei informiert. Außerdem sei es für ihn Anlass gewesen, die Mitarbeiter im Haus der Kreisverwaltung noch mal für diese und ähnliche Maschen von Abzockern zu sensibilisieren. Firmen in der Region sollten ebenfalls wachsam sein. „Ich denke, wenn wir betroffen sind, werden andere auch mit Mails bombardiert“, sagt Schmedtje. In stressigen Situationen könnte eine leichtfertige Unterschrift schnell getätigt sein. „Man denkt erstmal an Gelbe Seiten, sieht einen vermeintlichen Aktualisierungsauftrag. Zack, schon unterschreibt man und faxt ihn zurück“, beschreibt Schmedtje den fiktiven Ernstfall. „Dann hätte man einen Vertrag für drei Jahre, Kosten – und relativ viel Ärger, weil man da möglicherweise schwer wieder rauskommt.“

In der Tat weisen einige Details auf ein komplexes Gemenge hin. In der Leistungsbeschreibung für den Auftrag des „Premium Business Eintrags“ steht: „Es gilt das Recht der Republik Bulgarien als vereinbart.“ Die angegebene Fax-Vorwahl (0060) führt nach Malaysia. Dahinter steht angeblich die Firma GBB Ltd. auf den Marshall Islands. Die Inselgruppe liegt mitten im Ozean zwischen Australien und Asien. Wer im Internet nach Fotos sucht, sieht Palmen, Traumstrände und türkises Wasser. Ein schöner Urlaubsort womöglich. Die Gegend gilt aber vor allem als Steuerparadies.

Wer nach Vetragsabschluss nicht zahlt, könnte ins Visier von Inkassounternehmen geraten. In der Auftragsbeschreibung heißt es dazu: „Der Auftragnehmer ist berechtigt, aus dem Vertrag resultierende Forderungen jederzeit ganz oder teilweise an Dritte abzutreten.“ Auch die Polizei rät daher, „gesunden Menschenverstand“ einzusetzen und Angebote genau zu prüfen. „Momentan ist uns keine Häufung von Betrugsversuchen im Kreis Rendsburg-Eckernförde bekannt“, sagt Sönke Hinrichs, Sprecher der Polizeidirektion Neumünster. Ähnliche Aktionen gebe es aber immer mal wieder. „Einige Anbieter versuchen mit Ähnlichkeiten zu Institutionen wie Polizei und Feuerwehr ihre Betrügereien an den Mann oder die Frau zu bringen.“ Damit das gelingt, sind die Kriminellen allerdings auf die Unachtsamkeit ihrer potenziellen Opfer angewiesen. Wer genauer hinschaut, erkennt oft schnell Unstimmigkeiten, beispielsweise irreführende Telefonnummern mit ausländischer Vorwahl, die bei Rückruf zu hohen Gebühren führen können. Hinrichs rät, im Zweifelsfall Verbraucherzentralen oder Beratungsstellen der Polizei zu kontaktieren.

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