"Gewerbeauskunft-Zentrale" : Abzocke mit einem Internet-Eintrag

"Wir sind darauf reingefallen": Ein Aukruger Landwirt erhielt das Schreiben von der "Gewerbeauskunft-Zentrale". Er vermutete eine Auskunft für Behörden, unterschrieb und erhielt eine Rechnung.

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20. November 2012, 11:14 Uhr

Aukrug/Krogaspe | Das Schreiben sieht hochoffiziell aus. Man könnte meinen, es käme von einer Behörde. Ziel des Briefes von der Gewerbeauskunft-Zentrale ist es jedoch abzukassieren. Auch der FC Krogaspe erhielt diese Post bereits zwei Mal. Ein Landwirt aus Aukrug unterschrieb sogar und erhielt eine Rechnung.
Die Vereinsvorsitzende vom FC Krogaspe, Christa Staben, ist erbost. Das Schreiben flatterte per Post ins Haus. "Nur vollständige und aktuelle Firmen- und Betriebsdaten gewährleisten unter der Gewerbeauskunft-Zentrale.de eine erfolgreiche Empfehlung ihres Unternehmens" heißt es da unter anderem. Ein Fax genügt. Dort müssen drei Angaben ergänzt werden. Außerdem muss unterschrieben werden.

Das Schreiben kursiert massenhaft im ganzen Land

Wer sich darauf einlässt, wird eine saftige Rechnung erhalten. Im Kleingedruckten steht es: 569,06 Euro soll der Eintrag pro Jahr kosten. Auf der Rückseite des Schreibens gibt es noch mehr Kleingedrucktes: Der Vertrag gilt für zwei Jahre, bei der Mindestlaufzeit werden 956,40 Euro fällig. Ein ganz schöner Batzen für eine kleinen Sportverein. Christa Staben las das Kleingedruckte und hat nicht unterschrieben.
Doch das Schreiben kursiert massenhaft nicht nur in Neumünster und Umgebung, sondern im ganzen Land, wie der Kieler Rechtsanwalt Dr. Boris Wita bestätigte. Der Polizei in Neumünster sind Anzeigen oder Ermittlungen in dieser Sache bisher nicht bekannt. "Man muss genau lesen. Es gibt viele Schreiben dieser Art", sagt Polizeisprecher Sönke Hinrichs.

"Wir sind darauf reingefallen"

Die Internetseite der Gewerbeauskunft-Zentrale existiert. Durch Eingabe der Postleitzahl kann man dort auch Firmen und Vereine in der Region finden. Eingetragen ist zum Beispiel der Landwirt Matthias Brandt aus Aukrug. Er hatte den Zettel für eine behördliche Auskunft gehalten. Die Rückantwort wurde sogar mit einem Termin dringlich gemacht. "Wir sind darauf reingefallen", sagen die Eheleute Brandt. Bei der Recherche im Internet sind sie dann darauf aufmerksam geworden, dass sie nur abgezockt werden sollen. Sie riefen bei der Firma an, und der Ansprechpartner war überaus freundlich. Als sie von dem Vertrag zurücktreten wollten, wurde ihnen ein Nachlass von 30 Prozent angeboten, allerdings sollten sie sofort bezahlen.
Das taten die Brandts zum Glück nicht. Sie haben sich eine Rechtsberatung geholt. Bisher sei der Widerspruch der Geprellten wohl stets erfolgreich gewesen, heiß es dort. Rechtsanwalt Boris Wita weist auf den verstecken Preishinweis hin. In so einem Falle sei die Rechtslage dürftig. Wer unterschrieben habe, solle auf jeden Fall widersprechen oder sich an die Kammer wenden.

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