Amtsgericht Rendsburg : "Absoluter Schutz ist unmöglich"

Neue Sicherheitsschleuse: Der Eingangsbereich des Amtsgerichts wird derzeit umgebaut.  Foto: rie
Neue Sicherheitsschleuse: Der Eingangsbereich des Amtsgerichts wird derzeit umgebaut. Foto: rie

Die tödlichen Schüsse am Dachauer Amtsgericht werfen auch in Rendsburg eine Frage auf: Wie schützen sich die Mitarbeiter vor möglichen Angriffen?

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15. Januar 2012, 02:48 Uhr

Rendsburg | Ein "allgemeines Unbehagen", so beschreibt die Direktorin am Rendsburger Amtsgericht, Rine Peters, das Gefühl, das ein tödlicher Vorfall am bayerischen Amtsgericht Dachau am Mittwochnachmittag bei ihr ausgelöst hat. Ein Transport-Unternehmer (54) hatte sich wegen Veruntreuung von Sozialversicherungsbeiträgen verantworten müssen. Eigentlich ein Standardverfahren. Doch vor der Urteilsverkündung zog der Angeklagte plötzlich eine Schusswaffe, zielte auf den Richter, verfehlte ihn knapp und traf den Staatsanwalt (31) mit drei Kugeln. Der junge Mann erlag später seinen schweren Verletzungen.
Der Angriff wirft auch in Rendsburg Fragen auf. Etwa: Wie sicher ist das Amtsgericht? Könnte sich solch ein Drama auch hier abspielen? Und: Wie bereiten sich die Mitarbeiter am Amtsgericht vor, um Eskalationen vorzubeugen?
"Wir haben auch schon ein Messer auf dem Flur vor dem Saal gefunden"
Direktorin Rine Peters kennt das Konflikt- und Bedrohungspotenzial, das auch in emotional aufgeladenen Fällen besteht, bei denen nicht die Höhe der Strafe entscheidend ist - "etwa in Familiensachen." So fühlt sie sich an den Fall einer Kieler Familienrichterin erinnert, die 1995 in ihrem Dienstzimmer im Amtsgericht von einem psychisch labilen Mann erstochen worden war. Auch wenn sich Peters seit ihrer Amtszeit an keine größeren bedrohlichen Vorfälle im Rendsburger Amtsgericht erinnern kann - "es gab auch bei uns schon Situationen, in denen wir die Polizei gerufen haben, um für Ruhe zu sorgen". Und: "Wir haben auch schon ein Messer auf dem Flur vor dem Sitzungssaal gefunden".
Die Direktorin betont, an Gerichten herrsche immer eine Gratwanderung zwischen Sicherheit und Öffentlichkeit. Gerade werde die Sicherheitsschleuse am Haupteingang erneuert. Jeder, der das Gebäude betritt, muss durch die rechte, mit einer Glasscheibe vom Ausgang getrennte Seite an der Pförtnerloge vorbei. "Besucher müssen jetzt dem Wachtmeister sagen, aus welchem Anlass sie kommen und wo sie hin möchten", erklärt die Direktorin. Dennoch sei es nicht zu leisten, wie am Flughafen jeden Einzelnen auf Waffen hin zu untersuchen. "Wir haben so viel Publikumsverkehr - auch durch Bürgerinnen und Bürger, die etwa wegen Grundbuchs- oder Nachlassregelungen kommen."
In Einzelfällen - wenn ein Richter dies angeordnet habe - könne das Wachpersonal Personen mit einem mobilen Detektor auf Waffen untersuchen. Zudem kann das Gericht zur Sicherheit eine Mobile Einsatzgruppe (MEG) des Oberlandesgerichts in Schleswig anfordern. Wachpersonal und Richter werden außerdem präventiv geschult. "Es gibt spezielle Sicherheitstrainings, die sehr sinnvoll sind." So würden im Gerichtssaal heikle Situationen in einer fiktiven Verhandlung nachgestellt. Ein Rollenspiel, in dem das Personal Verhalten und Gesprächsstrategien zur Deeskalation einübt. Trotz aller Maßnahmen bleibt Rine Peters realistisch.: "Absoluter Schutz ist unmöglich."

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