Abschied vom Kasernen-Charme der 60er Jahre

Helle und freundliche Farben  beherrschen das neue Erscheinungsbild der Kropper Soldatenstuben. Stabsunteroffizierin Carolin Spegel und ihr Chef Jan Radtke freuen sich über die längst fällige Sanierung.
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Helle und freundliche Farben beherrschen das neue Erscheinungsbild der Kropper Soldatenstuben. Stabsunteroffizierin Carolin Spegel und ihr Chef Jan Radtke freuen sich über die längst fällige Sanierung.

Tapetenwechsel für die gut 600 in Kropp stationierten Soldaten: Bis 2013 wird die Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne für 12,2 Millionen Euro saniert. Einige Gebäude erstrahlen schon jetzt - von innen wie von außen - in neuem Glanz.

shz.de von
03. November 2009, 09:44 Uhr

Kropp | Die "Olympiamöbel" sind Geschichte. Zumindest was die Innenausstattung der Unterkunfts blocks in der Kropper Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne betrifft. Blaue Tische, orangefarbene Stühle oder grüne Spinde gehören in den Stuben der rund 600 in Kropp stationierten Soldaten der Vergangenheit an. Die funktionalen farbenfrohen Möbel - die im Olympiajahr 1972 Einzug in die westdeutschen Kasernen hielten und daher ihren Namen tragen - sind inzwischen nur noch gut genug für die Ausstattung von abseits gelegenen Aufenthaltsräumen oder qualmverhangenen Raucherzimmern. Ab jetzt heißt die Trendfarbe in den Stuben "Buche".

In der Kropper Kaserne tut sich etwas. Um die Unterkünfte der Soldaten endlich vom Charme der 60er Jahre zu befreien und den heutigen Bedürfnissen anzupassen, gibt es eine kräftige Finanzspritze aus dem Verteidigungshaushalt: 12,2 Millionen Euro sollen bis 2013 in die Kaserne investiert werden. Im Zuge der so genannten Modernisierung Kasernen West, für die mehrere hundert Millionen Euro in Investitionsmaßnahmen zur Sanierung von Unterkunftsgebäuden in den alten Bundesländern zur Verfügung gestellt werden, kommen nun auch die Kropper in den Genuss der längst fälligen Auffrischung ihrer Unterkunftsblocks.

Wurden nach der Wende zunächst Milliarden in die Aufwertung der Kasernen in den neuen Bundesländern investiert, fristeten die westdeutschen Bundeswehrstandorte weiter ein trostloses Dasein. Damit soll nun - auch in Kropp - Schluss sein. Dort wurden bereits acht Unterkunftsgebäude rundum saniert, zwei stecken gerade mittendrin in der Erneuerung, zwei weitere sind später an der Reihe. "Nicht nur die Wohnqualität, sondern auch das ganze äußere Erscheinungsbild wird dadurch spürbar aufgewertet", sagt Stabsfeldwebel Jan Radtke, Leiter der Elektronikstaffel, die zum Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" gehört.

Die Sanierungen sind in der Tat weitreichend: So erhalten die Gebäude neue Dächer, die Fenster werden ausgetauscht, die Außenwände zum Teil neu verklinkert, zudem erhalten sie neue Wärmedämmungen. Auch im Inneren gibt es grundlegende Veränderungen: Die Fußböden werden komplett erneuert, die Sanitärbereiche modernisiert, die Zimmer erhalten neues Mobiliar und technische Ausstattung. "Die Stuben haben jetzt jeweils einen privaten Telefonanschluss, und sie sind soweit vorbereitet, dass bald auch überall ein DSL-Anschluss vorhanden ist", sagt Radtke.

Eine Bewohnerin, die von den Sanierungsmaßnahmen profitiert, ist Carolin Spegel. Die 22-jährige Stabsunteroffizierin ist seit August 2008 in Kropp stationiert und eine von vier Frauen in der Elektro nik staffel. Während der Woche hat sie ihr Zuhause in der Kaserne, am Wochenende geht es zum Lebensgefährten in das vor kurzem gebaute Haus in ihrer Heimatstadt Lübz in Mecklenburg-Vorpommern. "Im Gegensatz zu früher hat der Fußboden jetzt keine Löcher mehr, die Schränke sind nicht mehr mit Aufklebern übersät und endlich haben wir neue Betten und Matratzen", macht die Berufssoldatin den Vorher-Nachher-Unterschied deutlich.

Über eine Neuerung freut sie sich die junge Frau aber ganz besonders: "Die Waschbereiche sind jetzt deutlich freundlicher und richtig tiptop." Da sie sich bis mindestens 30. Juni 2015 hat verpflichten lassen, bedeuten die Sanierungsarbeiten eine spürbare "Aufwertung der Lebensqualität ", weiß auch Spegels Chef Radtke.

Allein mit umfangreichen Baumaßnahmen an den Unterkunftsblocks der Soldaten soll es jedoch nicht getan sein. Bis Juli 2012 wird in Kropp auch die Truppenküche für rund sechs Millionen Euro erneuert. In die Sanierung des Sanitätszentrums sollen bis Ende 2014 weitere 4,1 Millionen Euro fließen.
Die Kaserne
Das Kasernengelände in Kropp gibt es in der heutigen Form, samt einem Großteil der Gebäude, seit 1965. Das gesamte Gelände ist 43 Hektar groß und von einem etwa 2700 Meter langen Zaun umgeben. Im März 1993 wurde die Kaserne offiziell von der Luftwaffe übernommen. Die Kaserne trägt seit September 1997 den Namen von Kai-Uwe von Hassel (vorher kein offizieller Name). Zurzeit sind zirka 600 Soldaten in Kropp untergebracht. Außer den Soldaten des Aufklärungsgeschwaders 51 "I" sind die Einsatzkräfte des Sanitätszentrums Kropp und des Abgesetzten Technischen Zugs 431 untergebracht, der die Radarstellung in Breckendorf betreibt.

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