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Landeszeitung

16. August 2017 | 19:45 Uhr

Abend voller Schmerz und Hoffnung

vom

shmf-Abschiedskonzert von Rolf Beck / Werke von Gioachino Rossini und Giuseppe Verdi

Rendsburg | "Im Zwielicht von Hoffnung und Zweifel" hieß es fett gedruckt im Programmheft. Eingeweihte sahen darin mehr als nur die Einleitung zu Gioachino Rossinis "Stabat Mater" und den "Quattro pezzi sacri" von Giuseppe Verdi. Denn: Rolf Beck beendet zwar seine Tätigkeit als shmf-Intendant, doch nicht sein Engagement für die Chormusik und seine Konzerttätigkeit in der Christkirche. Zwar wird sein Intendanten-Nachfolger die bisherige shmf-Chorakademie nicht weiterführten. Doch: "So etwas kann man nicht einfach sterben lassen", erklärte Rolf Beck im Gespräch mit unserer Zeitung. Er macht in eigener Regie weiter.

Nach intensiven Proben in der ACO Thormannhalle, tags darauf dem Benefiz-Konzert des Bundespräsidenten in der Lübecker MuK war nicht nur Rolf Beck mit dem Ergebnis des Rendsburger Abends höchst zufrieden und glücklich. "In der Christkirche fühlen wir uns wohl, das ist unsere Heimat."

Der Andrang zum Konzert des Schleswig-Holstein Festival Orchesters mit dem Schleswig-Holstein Festival Chor Lübeck war groß: Stau in der Innenstadt, randvoll besetzter Paradeplatz, voll ausverkaufte Christkirche, lange Schlange im Pelli-Garten nach dem Konzert. Das ist wahres Leben - wie auch die Darstellung der "Quattro pezzi sacri" von Giuseppe Verdi und dem "Stabat Mater" von Gioachino Rossini. Eindrucksvoll stellen beide Komponisten den Schmerz Marias um den Gekreuzigten ausführlich dar.

Tief bewegend begann das Konzert mit Verdis "Ave Maria": Der Einstieg mit Klangkultur höchster Reinheit, a cappella gesungen - atemlose Stille und erwartungsvolle Spannung in der Christkirche vom ersten Moment an. Dann das "Stabat Mater": Verdi komponierte dazu mit kräftigem Orchestereinsatz einen Aufschrei des Chors. Der wirkte an diesem Abend nach dem tröstenden "Ave Maria" brachial erschreckend. Damit wurde "Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing" auch persönlich nachfühlbar. Wie hier Schmerz in Töne gesetzt war, erlebt man selten: Beweis für das Können und die Fähigkeiten der jungen, aus aller Welt nach Rendsburg gekommenen Musiker. Deutlich die Aussprache des Chors - auch ein Zeichen für die sorgfältige Proben-Arbeit.

"Überforderung" der Instrumentalisten und des Chors bei den dramatisch lauten Passagen war nicht zu merken, allenfalls die eigenen Ohren spürten, dass sie in der Christkirche nur ganz selten in diesen Lautstärkebereichen gefordert werden. Im "Te Deum" zeigte der Männerchor nicht nur sein Können, sondern zeigte sich auch, wie genau Verdi die Empfindungen seines Publikums steuern kann. Das war Verdi ohne Opernseligkeit, mit tiefstem Ernst.

Die Opernmelodie-Erwartungen erfüllte dafür Gioachino Rossini umso mehr. Angefangen mit einem Thema, das gleich zu Herzen ging, dazu vier Solisten mit dem extrem herausgeforderten Tenor Antonio Poli, der herausragenden Sopranistin Simona Šaturová, der Mezzo-Sopranistin Kismara Pessatti und Burak Bilgili (Bass) entstand das weithin unbekannte "Stabat Mater" des 1868 gestorbenen Komponisten. Rossinis Sichtweise auf die Gefühle wirkt leichter, dennoch nicht leichtfüßig.

Und zum Schluss die Fuge - die nicht einmal Musikkenner dem Komponisten aus Pesaro zugetraut hätten! Zugleich zählt sie in diesem Tempo und in der gehörten Präzision in die Klasse der selten gehörten Wunderwerke. Dafür gab es langen, stehenden Applaus, von den in schöne Trachten gekleideten Blumenkindern vom Rickerter Tanzkreis ihre Anerkennung. Damit war für den sichtlich gerührten, aber glücklichen Rolf Beck ein Stück eigener und Schleswig-Holsteinischer Musikgeschichte abgeschlossen.

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erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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