„Neue Heimat“ : Ab sofort keine Leiharbeit mehr

Äußerlich hat sich die „Neue Heimat“ nicht verändert. Mitarbeiter und Bewohner müssen sich jedoch an veränderte Betriebsabläufe gewöhnen. So soll Geld eingespart werden.
Äußerlich hat sich die „Neue Heimat“ nicht verändert. Mitarbeiter und Bewohner müssen sich jedoch an veränderte Betriebsabläufe gewöhnen. So soll Geld eingespart werden.

„Brücke“-Management leitet erste Veränderungen im städtischen Seniorenheim ein. Kritik aus der Belegschaft.

shz.de von
22. Juni 2018, 10:14 Uhr

Rendsburg | Fielen in der „Neuen Heimat“ Mitarbeiter aus, zum Beispiel wegen Krankheit, wurden sie durch Leiharbeiter ersetzt. Diese Praxis gehört ab sofort der Vergangenheit an. Seit Juni müssen Vakanzen von der Stammbelegschaft aufgefangen werden. Mit dieser und weiteren Veränderungen reagiert die „Brücke Rendsburg-Eckernförde“ auf das jährliche Minus in der kommunalen Seniorenwohnanlage.

Seit Mai regelt der Verein an der Schleswiger Chaussee den Betrieb. Die Ratsversammlung hatte den Einstieg der „Brücke“ mit zwei umstrittenen Beschlüssen angeschoben. Ein Bürgerentscheid dagegen, von Mitarbeitern initiiert, blieb erfolglos. Der Auftrag aus der Politik wird nun umgesetzt. Seit Mai leitet Ludger Langen von der „Brücke“ die Geschäfte.

Sieben Wochen nach dem Führungswechsel meldet sich die Belegschaft zu Wort. In der LZ-Redaktion landete gestern ein anonymes Schreiben. Die Mitarbeiter der Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ kritisieren darin das neue Management. Wie viele der 90 Angestellten (einige Teilzeit) hinter der Missbilligung stehen, bleibt offen. Rückfragen waren nicht möglich. Seit Mai habe sich „vieles verändert, allerdings nicht zum Wohle der Bewohner und Mitarbeiter“, heißt es. „Drastische Maßnahmen“ seien in den Bereichen Hauswirtschaft und Pflege ergriffen worden. „Menschenwürdige Pflege ist aus unserer Sicht nicht mehr gegeben.“

Weitere Vorwürfe: Vorgesehen sei, die Zahl der Pflegekräfte in den Früh- und Spätschichten um jeweils eine Kraft zu reduzieren. Dadurch müssten Bewohner früher zu Bett gebracht werden, sonst sei das Pensum nicht mehr zu schaffen. Mitarbeiter, die sonst nur für die Betreuung zuständig gewesen seien, übernähmen neuerdings auch Pflegetätigkeiten wie das Austeilen und Anreichen des Essens, schildern die Verfasser. Die Mahlzeiten würden nicht mehr individuell nach Bewohnerwünschen zubereitet. Zudem leide der Informationsfluss im Haus: „Über alle bereits eingetretenen Veränderungen wurde in keiner Weise kommuniziert, auf Fragen seitens der Bewohner oder des Personals gab es bis jetzt keine befriedigenden Antworten.“

Diese Anschuldigung weist der neue Betriebsleiter entschieden zurück. „Wenn wir etwas ändern, besprechen wir das mit dem Heimbeirat oder veröffentlichen es in der Heimzeitung“, so Langen. Auch Angehörige und die Belegschaft halte man durch Versammlungen stets auf dem Laufenden. „Wir haben eine offene Kommunikationskultur.“ Derzeit befrage man die Mitarbeiter schriftlich und anonym. „Wir haben alle motiviert, ihre Kritik ehrlich reinzuschreiben.“ Langen und „Brücke“-Vorstand Klaus Magesching bestätigen personelle Änderungen. „Wir haben die Zeitarbeit auf Null runtergefahren. Dadurch hat sich die Arbeitsdichte sicherlich verändert.“ Jede Schicht müsse mit etwa einem Mitarbeiter weniger als zuvor auskommen, so Langen. Laut „Brücke“ sind in den ersten vier Monaten des Jahres unter der alten Leitung 228 000 Euro nur für Zeit- und Leiharbeit ausgegeben worden. Selbst ohne externe Hilfen habe die „Neue Heimat“ im Branchenvergleich noch zu viel Personal. „Zehn Vollzeitstellen“, sagt Magesching.

Bis auf den ehemaligen Betriebsleiter Marcus Speck hat aber noch niemand das Haus verlassen. Bereiche wie Küche, Wäscherei und Verwaltung sind unverändert. Erst will die „Brücke“ alle Abläufe genau durchleuchten, um dann weiter zu entscheiden. Die Folgen durch den Wegfall der Zeitarbeit sollen abgemildert werden, indem Mitarbeiter aus der Hauswirtschaft auch in der Pflege tätig werden. „Mitarbeiter, die sonst nur in der Küche waren, helfen auf den Etagen.“ Auch das sei in der Branche längst üblich. Ebenso, dass Sonderwünsche bei den Mahlzeiten aus Kostengründen unerfüllt bleiben. „Es gab viele individuelle Wünsche, zum Beispiel Blaubeeren zum Frühstück. Das wird langfristig nicht zu halten sein.“

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