Lärmschutz an B202 : Ab Oktober 2018 wird gebaut

Die B  202 im Bereich der Eisenbahnhochbrücke verbindet die A  210 mit dem Kanaltunnel. Das juristische Tauziehen um besseren Lärmschutz zog sich über Jahre hin und beschäftigte sogar das Bundesverwaltungsgericht. Doch in der Praxis änderte sich nichts.
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Die B 202 im Bereich der Eisenbahnhochbrücke verbindet die A 210 mit dem Kanaltunnel. Das juristische Tauziehen um besseren Lärmschutz zog sich über Jahre hin und beschäftigte sogar das Bundesverwaltungsgericht. Doch in der Praxis änderte sich nichts.

Osterrönfeld wartet seit Jahren vergeblich auf besseren Lärmschutz an der Fernstraße, die den Ort zerteilt. Jetzt liegt die Finanzierungszusage des Bundes vor.

shz.de von
05. Dezember 2017, 10:06 Uhr

Wie lange noch? Wann wird der seit Jahren angekündigte bessere Lärmschutz endlich Wirklichkeit? Diese Fragen stellen sich alle Osterrönfelder, die in Hörweite der viel befahrenen Bundesstraße 202 leben. Gestern erteilte das Bundesverkehrsministerium in Berlin die lang ersehnte Zusage: Man habe einer ergänzenden lärmtechnischen Untersuchung „und damit der Erneuerung und Erweiterung der Lärmschutzanlagen zugestimmt“, teilte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der Landeszeitung per Mail am Nachmittag mit.

Kurz zuvor hatte sein Amtskollege in Kiel erstmals öffentlich einen Zeitrahmen genannt: „Im Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein erfolgt derzeit die EU-weite Ausschreibung mit anschließender Vergabe der Bauleistung, so dass voraussichtlich im dritten Quartal 2018 mit dem Bau begonnen wird“, teilte Ministeriumssprecher Harald Haase mit. Man rechne täglich mit dem „Gesehenvermerk“ des Bundes. Mit ihm gibt das Ministerium in Berlin das Geld für ein staatlich finanziertes Bauvorhaben frei.

Die an der B 202 im Bereich Osterrönfeld geplanten Lärmschutzanlagen setzen sich zusammen aus einem Anteil, den die Bundesrepublik Deutschland trägt und aus einem weiteren Teil, den Osterrönfeld freiwillig übernimmt. Auf etwa 1,5 Kilometern Gesamtlänge soll der Motorenlärm eingedämmt werden. Zur Zeit der Planfeststellung 2015 wurden die Kosten noch mit 3,2 Millionen Euro beziffert. Inzwischen liegen sie bei 5,33 Millionen Euro. 3,25 Millionen Euro übernimmt der Bund, den Rest schultert die Gemeinde. Sie will den Lärmschutz auch dort verbessern, wo kein Anspruch besteht, weil das Immissionsschutzgesetz weniger strenge Grenzwerte als in Wohngebieten vorschreibt. Dies ist laut Bürgermeister Bernd Sienknecht an der Bahnhofstraße nördlich der B 202 unweit der Autobahn 210 der Fall. Sowohl in der Länge der Lärmschutzeinrichtungen der Gemeinde als auch in der Höhe habe es Veränderungen gegeben, damit die Kosten vom Auftraggeber getragen werden könnten, sagte Haase weiter. 670 Quadratmeter weniger Schallschutzwand als ursprünglich geplant werden errichtet.

Von mehreren Seiten wurde zuletzt der Druck auf das Bundesverkehrsministerium erhöht. Im September drängte Sienknecht bei Ressortchef Dobrindt persönlich auf Mittelfreigabe. In der vorvergangenen Woche, als sich noch immer nichts tat, drohte der Bürgermeister dem Bund mit Klage. Aktiv wurde zeitgleich auch Kai Dolgner. Der SPD-Landtagsabgeordnete aus Osterrönfeld ist seiner Heimatgemeinde seit Mai auch als Abgeordneter verbunden. „Land und Bund streiten sich – und die Anwohner leiden darunter. Hier versteht keiner, woran es liegt.“ Auf Bitte eines Lärmgeplagten erkundigte sich der Innenexperte zunächst beim Landesbetrieb Straßenbau, warum das schon für 2017 angekündigte Projekt nicht aus dem Quark kommt. „Ich bekam die Auskunft, dass man sich mit dem Bund um eine Berechnung streite“, berichtete Dolgner. Welche Berechnung, blieb rätselhaft. Im Oktober stellte Dolgner eine Kleine Anfrage an die Landesregierung. In der Antwort wurde verwiesen auf die – Zitat – „Ermittlung der Betroffenheiten nach Maßgabe des BMVI (Bundesministerium für Verkehr, d. Red.) in einem erneuten Rechenlauf“. Dolgner verstand nur Bahnhof. Alle anderen Normalbürger auch. Die LZ-Anfrage in Berlin blieb fünf Tage unbeantwortet. Erst auf Nachfrage gestern rückte die Pressestelle mit der für Osterrönfeld guten Nachricht heraus.

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