Ab Montag wird scharf "geschossen"

Messanlage 'Gnadenlos' im Test: Polizeihauptkommissar Rainer Tschirne und Günter Wischnewski gestern in der Herrenstraße in Rendsburg. Foto: laabs(2)
Messanlage "Gnadenlos" im Test: Polizeihauptkommissar Rainer Tschirne und Günter Wischnewski gestern in der Herrenstraße in Rendsburg. Foto: laabs(2)

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22. März 2011, 08:19 Uhr

rendsburg | Im Radio wurde laufend gewarnt, entgegenkommende Fahrzeuge blinkten auf, Autofahrer gestikulierten und doch: Knapp 200 Fahrzeuge "blitzte" die Polizei gestern Vormittag in der Herrenstraße in Rendsburg. Die gute Nachricht: Niemand braucht sich Sorgen zu machen, in den nächsten Tagen zur Kasse gebeten zu werden. Bei der Kontrolle handelte es sich nur um einen Testlauf zum Einmessen des neuen Radarwagens, den Kreis und Polizei gemeinsam am nächsten Montag in Betrieb nehmen werden. Die schlechte Nachricht: Das neue High-Tech-Gerät misst extrem genau und macht so gut wie keine Fehlaufnahmen. Schwere Zeiten für Schnellfahrer.

Bereits Ende letzten Jahres hatten der Kreis Rendsburg-Eckernförde und die Polizeidirektion Neumünster vereinbart, das neue Fahrzeug anzuschaffen. Man wolle durch eine gemeinsame intensive und gezielte Überwachung des fließenden Verkehrs mit dazu beitragen, dass die Verkehrssicherheit im Kreisgebiet verbessert werde, hieß es als Begründung. Die rund 130 000 Euro Kosten für den silberfarbenen VW-Transporter und die hochmoderne digitale Messanlage trägt der Kreis, der zusätzlich zu den beiden vorhandenen "Überwachungskräften" noch einen weiteren Mitarbeiter einstellen wird. Die Einnahmen teilen sich nach Abzug aller Kosten Polizei und Kreis je zur Hälfte.

Günter Wischnewski, Fachdienstleiter Verkehr in der Kreisverwaltung, wertet die Investition positiv. "Die neue Geschwindigkeitsmessanlage soll im Jahresdurchschnitt mindestens 40 Stunden pro Woche im Einsatz sein", sagte er gestern der Landeszeitung. Die Anlage werde sowohl von Beamten des Polizeibezirksreviers Rendsburg wie auch von Mitarbeitern der Verkehrsaufsicht bedient. Wo das Fahrzeug stehen werde, richte sich nach der besonderen Verkehrssituation und werde von der Polizei in Abstimmung mit dem Kreis bestimmt.

"Für die Auswertung des Bildmaterials, den Datenzugang, die Verwarngelder und die Anhörung im Bußgeldverfahren ist die Polizei in Neumünster zuständig", erläutert Wischnewski.

Die Geschwindigkeitsmessanlage stellt nach Angaben aus der Kreisverwaltung das technisch Machbare dar. Das Gerät kann auch über zwei Spuren messen, mit Hilfe einer weiteren Kamera Aufnahmen auch vom Heck eines Fahrzeuges machen, wetterunabhängig arbeiten und auch Geschwindigkeitsüberschreitungen von Motorrädern "beweissicher dokumentieren". Die Bilder von Kenzeichen und Fahrer werden in dem Fahrzeug auf einem Touch-Screen Monitor angezeigt. "Ausfallraten, wie wir sie von unserem alten Gerät kennen, gehören der Vergangenheit an", ist Polizeihauptkommissar Rainer Tschirne vom Polizeibezirksrevier Rendsburg überzeugt. Dennoch werde man die alte Anlage weiter im Betrieb behalten.

Auch der Kreis hat noch ein weiteres Überwachungsfahrzeug im Einsatz, einen silberfarbenen Citroen-Kombi, ausgestattet mit einer Videokamera, die auf den fließenden Verkehr gerichtet ist und die Geschwindigkeit misst. Den berüchtigten roten Blitz gibt es hier nicht. Der Wagen ist äußerst flexibel einsetzbar, vier bis fünf Standorte können pro Tag angefahren werden, erklärt Wischnewski. Dabei folgt die Behörde oft auch den Bitten von Anwohnern, die sich über Raser auf ihren Straßen beschwerten, sagt der Leiter der Straßenverkehrsbehörde. Dem Vorwurf, es gehe doch nur um Abzocke, widerspricht er. "Natürlich bleibt auch eine ganze Menge Geld übrig, aber der wichtigste Grund ist, die Straßen sicherer zu machen."

Geld dürfte bei den Überlegungen, das neue Gerät zu kaufen, keine unerhebliche Rolle gespielt haben. So hat die Straßenbehörde im vergangenen Jahr knapp 1,5 Millionen Euro, im Jahr 2009 sogar 1,8 Millionen Euro an Bußgeldern eingenommen. Geschätzt wird, dass rund Dreiviertel der Summe auf Geschwindigkeitsmessungen zurückzuführen sind. Zieht man die Kosten für Personal und sonstige Dinge ab, dürfte der Kreis ein deutliches Plus machen.

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