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Landeszeitung

19. August 2017 | 23:06 Uhr

Erfde : 99 Tage und 2140 Liter Wasser

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Peter Thomsen ist nach seiner mehrmonatigen Europareise auf dem Heimweg nach Erfde. Auch in Frankreich warb er für Frieden und Verständigung.

Es geht nach Hause für Treckerfahrer Peter Thomsen. Nachdem er Frankreich durchquert und mit Verdun, Chalons en Champagne und Sedan die für ihn wichtigen Kriegsschauplätze besichtigt hat, führt seine Tour nun stetig gen Norden. Seit Mai ist der Erfder mit seinem Allgaier R 22 und einem Wohnwagen unterwegs, durchquerte mit einer beschaulichen Reisegeschwindigkeit von höchstens 20 Stundenkilometern mehrere europäische Länder, um sich geschichtsträchtige Orte der beiden Weltkriege anzuschauen. Aber vor allem, um vor diesem Hintergrund und angesichts aktueller Kriegsereignisse für den Frieden zu werben. „Das ist meine Botschaft und mein Antrieb“, erklärte er zu Beginn seiner abenteuerlichen Rundreise.

Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich, Deutschland und Frankreich hat er durchtuckert. Er lernte viele Menschen und deren Geschichten kennen, gewann neue Freunde, ließ sich immer wieder von der Gastfreundschaft sowie Hilfsbereitschaft wildfremder Menschen überwältigen.

Anfang August erreichte er Frankreich und musste feststellen: „Auch hier sind viele Straßen für Traktoren nicht zugelassen“. Also rauf auf die Nebenstrecken und quer durch die Vogesen. Erneut musste sein betagtes Fahrzeug ganz schön schuften, um die Steigungen zu schaffen. Über Baccarat erreichte er Verdun und blieb dort mehrere Tage. „Schon auf der Hinfahrt entdeckte ich die ersten Soldatenfriedhöfe. Ich fuhr auf der Straße der Freiheit in die ehemalige Festungsstadt ein“, beschreibt Peter Thomsen die Ankunft in Verdun. „39 Festungen (Forts) bauten die Franzosen nach dem Krieg von 1870 bis 1871 um Verdun herum, die größte Wehranlage ist Fort Douaumont. Um dieses Fort entbrannten während des Ersten Weltkrieges heftige Kämpfe“, so Thomsen weiter. Der Stellungskrieg um Verdun war brutal, in der „Hölle im Schlamm von Verdun“ kamen über 150 000 Deutsche und über 170 000 Franzosen ums Leben. Seine Tour führte weiter durch die Argonnen in Richtung Champagne. Der Ort Chalons en Champagne am Fluss Marne wurde im September 1914 von den Deutschen besetzt. In dieser Stadt machte Thomsen eine unglaubliche Entdeckung: Einen eingewachsenen Allgaier R 22 aus dem Jahr 1950 in der orangenen Farbe der damaligen Exportmodelle.

Dieser Fund ließ ihm keine Ruhe und tatsächlich fand er auf dem nahen Gehöft die Eigentümer der Rarität: Hofbesitzer Gilles und sein 89 Jahre alter Vater Charles, „der Tränen in den Augen hatte, als er meinen Allgaier tuckern hörte“, so Thomsen. Weiter ging es in die Stadt Sedan, die immer wieder von Deutschen besetzt wurde. Die Festungsanlage ist heute Museum und Hotelkomplex. Über Holland und Belgien erreichte Peter Thomsen Aachen. Die Bilanz nach 99 Tagen lautete: 4427 Kilometer zurückgelegt, 2140 Liter Wasser verdampft. Jetzt ist Thomsen auf der Rückfahrt nach Erfde.

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