Statistik : 9,5 Kilo Schokolade pro Nase

Schokolade schmeckt: An Tafeln, Pralinen und Schokoriegeln hängen auch viele Arbeitsplätze. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen.
Schokolade schmeckt: An Tafeln, Pralinen und Schokoriegeln hängen auch viele Arbeitsplätze. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen.

Naschkatzen im Kreis Rendsburg-Eckernförde vertilgen jährlich 2580 Tonnen Süßes / 1350 Arbeitskräfte in der Ernährungsbranche

shz.de von
25. Januar 2018, 10:17 Uhr

Ein Leben ohne Schokolade ist möglich, aber sinnlos. Die Nordlichter wissen das und verhalten sich entsprechend. 107 Sattelschlepper voll mit Schokolade: So groß ist der Hunger auf Süßes im Kreis Rendsburg-Eckernförde pro Jahr. Das sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), und steigt tief in die Welt der verarbeiteten Kakaobohne ein: Von der Tafel über die Praline bis zum Riegel: 2580 Tonnen Schokolade aßen die Menschen hier in der Region rein statistisch – gut 9,5 Kilo pro Kopf.

Doch der Genussmensch ernährt sich nicht von Schokolade allein. Der Gewerkschaft zufolge konsumieren die Einwohner im Kreisgebiet 6620 Tonnen Käse – 24,5 Kilo pro Einwohner. Und beim Bier wurden 281 000 Hektoliter im Jahr getrunken, umgerechnet 104 Liter pro Kopf. Schokolade, Käse, Bier – an diesen drei Grundnahrungsmitteln zeigt die NGG die Bedeutung von Lebensmittelindustrie und -handwerk in der Region auf. Und verweist auf eine Zahl der Arbeitsagentur. Rund 1350 Arbeitsplätze hängen im Kreis Rendsburg-Eckernförde an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln.

„Die Branche ist aber nicht nur regional ein Schwergewicht. Nimmt man den Umsatz, ist sie der drittgrößte Industriezweig in Deutschland – ein Großteil der Produktion geht in den Export – und schafft es damit auf die internationalen Teller“, sagt Finn Petersen von der NGG Schleswig-Holstein Nord. So seien Hersteller aus der Region auch regelmäßig auf der Grünen Woche – der weltgrößten Agrar- und Verbrauchermesse – in Berlin präsent.

Neue Food-Trends wie gluten- oder laktosefreies Essen seien eine Herausforderung auch für die heimische Ernährungswirtschaft, so Petersen. Die sei gut aufgestellt und belege bei Produktions- und Hygienestandards weltweit einen Spitzenplatz. „Kaum irgendwo ist die Lebensmittelsicherheit höher als bei uns“, sagt der Geschäftsführer der NGG Schleswig-Holstein Nord. Eine Voraussetzung für gutes Essen und Trinken sei jedoch, dass dieses fair produziert werde – angefangen vom Anbau der Zutaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung. Finn Petersen: „Gute Ernährung und gute Arbeit gehören zusammen. Hygiene unter Zeitdruck – das kann zum Beispiel nicht gut gehen.“ Dies bedeute auch, dass Unternehmen Tarifverträge einhielten und sich an der Berufsausbildung beteiligten.

Mit Sorge sieht die NGG den Trend zur Verramschung: „Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft.“ Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen. An die Verbraucher appelliert Petersen daher, nicht nur auf den günstigsten Preis zu achten. „Gute Lebensmittel sollten den Menschen beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken – und beim Essen neben dem Genuss auch noch ein gutes Gewissen haben.“

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