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7000 Euro weg: Rätselhaftes Ende eines Geldtransports

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Fahrer eines Geldtransporters ist vom Vorwurf freigesprochen worden, knapp 7000 Euro entwendet zu haben. Grund: Dem Amtsgericht in Rendsburg lagen bei der Verhandlung gestern nur ein Anfangsverdacht, aber keine Beweise gegen den 37-jährigen Angestellten eines Sicherheitsunternehmens vor. Der Kieler hatte das Geld zusammen mit einem Kollegen am 24. August 2013 bei einem Discounter in Itzehoe abgeholt. Von fünf „Safebags“ – Sicherheitstaschen aus Plastik, in denen das Geld während des Transports aufbewahrt wird – ist eine bis heute spurlos verschwunden. Wer die Scheine eingesteckt hat, ist rätselhaft. Infrage kommt ein kleiner Personenkreis. Der Fahrer, sein Kollege und zwei Mitarbeiter des Discounters. Sie alle waren in der Nähe der Geldtaschen, als diese sich außerhalb des Tresors im Supermarkt befanden und zeitweise nicht durch Alarmsysteme gesichert waren. „Mehrere Personen hätten die Safebags ohne Aufsicht an sich nehmen können“, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung. Dies sei für sie der entscheidende Grund, den Angeklagten freizusprechen. Der 37-Jährige arbeitet noch heute für die Transportfirma als Fahrer. „Wir sind froh, dass Sie Ihren Job durch dieses Verfahren nicht verloren haben“, so die Richterin.

Zweifel an der Unschuld des Fahrers bleiben dennoch. Laut Anklage war er es, der den „Modus Service“ auslöste, als der Transport am Ende der Tour mit viel Geld an Bord das firmeneigene Gelände in Bordesholm erreichte. Die Heckklappe und alle drei Schleusentüren, auch die zum Werteraum, wurden entriegelt. Ein Verstoß gegen die Sicherheitsregeln. Diesen Schritt darf bei einem beladenen Fahrzeug nur der Geldbote einleiten, nie der Fahrer.

Was dann passierte, ist Spekulation. Der Anfangsverdacht fußte auf Ermittlungen der Polizei. Sie ergaben, dass sich der Angeklagte nach dem Öffnen aller Türen knapp eine Minute allein im Fahrzeug befand. Angeblich nur, um Müll herauszuholen. Oder ging er etwa in den hinteren Bereich des Transporters, um eine Geldtasche in seinen Rucksack zu stecken? An diesem Punkt stießen die Ermittler an technische Grenzen. Der Laderaum hat keine Videoüberwachung.

Die Richterin verknüpfte ihr Urteil deshalb mit einer deutlichen Kritik an den Sicherheitsstandards der Transportfirma. „Das System ist alles andere als ausgereift.“

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erstellt am 09.Okt.2014 | 13:36 Uhr

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