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Negativtrend : 70 Prozent mehr Kirchenaustritte

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde sind bis Ende August 1500 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Das sind 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Grund ist eine Änderung bei den Steuern.

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erstellt am 23.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Der Kirche laufen die „Schäfchen“ davon: „Die Zahlen sind besorgniserregend“, sagt Propst Sönke Funck. Bis Ende August habe es bereits 1500 Austritte im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde gegeben. Zum Vergleich: Genau so viele Menschen kehrten der Kirche in der Region im gesamten Jahr 2013 den Rücken. „Das bedeutet eine Steigerung von 70 Prozent.“ Der Hauptgrund für den Exodus sei eine rein bürokratische Angelegenheit – die Änderung bei den Steuern.

Eigentlich ist das Verfahren nichts Neues: Auf Kapitalerträge müssen seit vielen Jahren Steuern gezahlt werden, auch die Kirchensteuer. Neu ist der Weg, auf dem die Steuer entrichtet wird. Die Banken führen sie jetzt zusammen mit der Kapitalertragssteuer direkt an das Finanzamt ab. „Insgesamt sind nur wenige Kirchenmitglieder von der Änderung betroffen“, erklärt Funks Amtskollege Matthias Krüger. Es gebe keine neue Steuer und auch keine Erhöhung.

„Die Informationspolitik zu diesem Thema ist nicht optimal gelaufen“, meint Sönke Funck. Viele Menschen seien durch die Schreiben und Formulierungen auf Kontoauszügen verunsichert worden. Der Propst ist besonders erschrocken darüber, dass sich nicht nur junge Menschen von der Kirche abmelden. Die meisten Austritte seien in der älteren Generation und außerdem in den ländlichen Gemeinden zu verzeichnen. Diese Beobachtung weise auf das eigentliche Problem hin: „Die Bindungskraft an eine Gemeinschaft, die durch ihre Werte auch Krisen überstehen kann, nimmt ab“, bedauert der Propst. Wer jetzt wegen der Kirchensteuer auf Kapitalerträge austrete, habe es innerlich schon lange aus anderen Gründen getan. „Es reicht schon dieser eigentlich nichtige Anlass, die Zugehörigkeit zu der Kirche aufzukündigen.“ Das sei erschreckend.

Die beiden Pröpste im Kirchenkreis blicken allerdings nicht nur sorgenvoll, sondern auch optimistisch in die Zukunft. Denn es sei ein Meilenstein für ein sicheres Fundament der evangelischen Kirche in Rendsburg-Eckernförde erreicht worden. Morgen soll in der Sitzung der Kirchenkreissynode in Rendsburg eine neue Finanzsatzung verabschiedet werden. Die Reform war bereits im März vorgestellt und von den Synodalen positiv bewertet worden.

In der Satzung, die noch von der Nordkirche genehmigt werden muss, werden die Finanzströme neu geregelt. Dabei geht es um rund 5,5 Millionen Euro aus der Kirchensteuer, die unter den 37 Gemeinden des Kirchenkreises aufgeteilt werden. Bisher gilt ein schwer zu durchschauendes Punktesystem. Ab Januar 2015 soll eine einfachere und gerechtere Verteilung angewendet werden. Danach wird sich künftig die Zuweisung nach den Zahlen der Gemeindeglieder (70 Prozent), der Wohnbevölkerung (20 Prozent) und der denkmalgeschützten und sakralen Gebäude (10 Prozent) richten. Die Pröpste sind von dem Erfolg der Zukunftsstrategie überzeugt: „Langfristig gesehen werden die Mittel effektiver eingesetzt.“

 

 

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