Kirche warnt : 70 000 Kinder von Armut bedroht

Auf der Hüpfburg: Doris Kratz-Hinrichsen (links), Bischof Gothart Magaard und Anke Homann.
Auf der Hüpfburg: Doris Kratz-Hinrichsen (links), Bischof Gothart Magaard und Anke Homann.

Erster landesweiter Familientag am Martinshaus: Diakonie fordert mehr Geld für unterstützende Angebote und Einrichtungen.

shz.de von
16. Mai 2018, 08:48 Uhr

Rendsburg | Am gestrigen Internationalen Tag der Familie richtete das Diakonische Werk Schleswig-Holstein gemeinsam mit den Familienbildungsstätten in Rendsburg den „Ersten landesweiten Familientag“ aus. Bei der Eröffnung auf dem Gelände des Martinshauses am Nord-Ostsee-Kanal erklärte Bischof Gothart Magaard, dass der Fokus der Veranstaltung auf einer vermeintlich vertrauten Lebensform liege. „Aber ‚Familie‘ ist einem Wandel unterworfen.“

Der ökonomische Druck wachse, was immer häufiger dazu führe, dass beide Elternteile arbeiten. Dass Kinder in die Kita gehen, sei heute selbstverständlich. Die Zahl der Alleinerziehenden nehme zu. „Das macht deutlich, dass auch Kirche neue Wege suchen muss.“

Die Kinderarmut steige. 70 000 Kinder würden in Schleswig-Holstein unter „erschwerten Bedingungen“ aufwachsen. Zu diesem Problem müsse die Kirche das Gespräch mit der Politik suchen. Es gehe darum, substanziell etwas zu verändern. Magaard forderte: „Kinder sollen unter guten Bedingungen aufwachsen.“

Anke Homann aus dem Vorstand des Diakonischen Werks hob hervor, dass sich Kirche und Diakonie mit Hilfe von Familienbildungsstätten und Kitas bereits dafür einsetzten, dass Kinder unter guten Bedingungen aufwachsen. „Damit dieses Angebot auch künftig aufrecht erhalten werden kann, sollten diese Einrichtungen dringend finanziell besser ausgestattet werden.“ Mit ihren Angeboten wollen die Familienbildungsstätten Eltern Sicherheit im Umgang mit ihren Kindern geben und die Bindungen stärken.

„In den ersten Lebensjahren, vor Krippe, Kita und Schule, werden die Grundlagen für das gesamte Leben gelegt“, sagte Doris Kratz-Hinrichsen, Referentin für Familienbildung und Familienzentren beim Diakonischen Werk. Vielen Eltern seien heute auf sich alleine gestellt. Deshalb sei es nötiger denn je, ihnen unmittelbar mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

„Familienzeit – Zeit haben“ lautete das Thema eines Vortrags von Ann-Kathrin Tranziska. Die Landesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen in Schleswig-Holstein sagte, das Wichtigste sei, Zeit füreinander zu haben. „Im Babybereich funktioniert das ganz gut, wird dann aber zunehmend schwieriger.“ Teilzeitmodelle sähen auf den ersten Blick gut aus, aber spätestens angesichts des Rentenbescheids käme die Ernüchterung. Tranziska sprach sich für eine Erweiterung der Elternzeit mit einer Jobgarantie aus. Dr. Michaela Schulze, Juniorprofessorin für Soziologie an der Universität Trier, betrachtete in ihrem Vortrag die Unterschiede zwischen Vätern und Müttern bei der Akzeptanz der Elternzeit. „Männer sind verbal aufgeschlossen, zeigen aber Verhaltensstarre.“ Mütter würden weitaus häufiger in Elternzeit gehen. „Frauen stecken zurück, wenn es um Familie geht.“ Sie müssten sich von dem Vorurteil frei machen, dass Karrierefrauen gleichzeitig Rabenmütter seien, forderte sie. „Man soll es so machen, wie man es für richtig hält.“

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