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Archäologen : 618 Urnen aus der Bronzezeit entdeckt

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Archäologen sprechen von „einer großen Nummer“: Bei Ausgrabungen in Borgstedtfelde ist ein Gräberfeld entdeckt worden. Die Urnen aus der Bronzezeit enthielten auch Beigaben für die Verstorbenen.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2015 | 17:56 Uhr

„Eine große Nummer, fast schon eine Sensation!“ So ordnet Erich Halbwidl vom Archäologischen Landesamt Schlewig-Holstein die Ergebnisse von Grabungen in Borgstedtfelde ein. Im Vorfeld der Erschließung des Interkommunalen Gewerbegebiets Borgstedtfelde wurden eine Siedlung und zwei Gräber aus der Bronzezeit sowie ein Urnengräberfeld mit mehr als 600 Urnen freigelegt. Gestern wurden die Grabungsergebnisse Vertretern der am Gewerbegebiet beteiligten Kommunen Rendsburg, Büdelsdorf, Schacht-Audorf und Borgstedt vorgestellt.

Dass auf dem Gelände nördlich der Bundesstraße 203 zwischen Büdelsdorf und der Autobahn 7 frühzeitliche Funde zu erwarten sind, wussten die Archäologen durch Ausgrabungen, die bereits um 1870 stattgefunden haben. „Damals hat ein Lehrer Steinbock im Auftrag des Kieler Museums ein Urnengräberfeld untersucht“, berichtete die Archäologin Cornelia Lübke. Voruntersuchungen im März dieses Jahres zeigte insgesamt drei Fundstellen auf. Südlich des Gräberfelds, das bereits vor fast 150 Jahren untersucht wurde, fanden Lübke und ihr Team insgesamt 618 Urnen. Diese waren mit Leichenbrand, den Überresten verbrannter Toter, gefüllt. Zudem enthielten viele der Urnen Grabbeigaben wie Fibeln (Gewandschließen) und Gürtelschnallen aus Bronze, Spinnwirtel aus Stein und bunte Glasperlen. Gefunden wurde auch Toilettenbesteck wie Pinzetten und Ohrlöffel, teilweise auch Rasiermesser und Pfeilspitzen aus Eisen.

In dem untersuchten Bereich sei von der „unglaublichen“ Gesamtzahl von 850 Bestattungen auszugehen, stellte Lübke fest. Anhand der Gefäßformen und der geborgenen Grabbeigaben ordnete sie den Großteil der Bestattungen in die Zeit von 450 bis 550 nach Christus ein. Man gehe davon aus, dass das Urnenfeld nicht der „Friedhof“ einer einzigen Siedlung gewesen sei, sondern dass hier Menschen aus einem größeren Umkreis bestattet wurden. „Bis zur kompletten Leerung und Restaurierung aller Urnen bleibt es spannend“, betonte Cornelia Lübke.

Veronika Klems berichtete über vier komplette Gebäudegrundrisse, die auf einer leichten Geländeerhebung freigelegt wurden. Die archäologische Untersuchung und die jetzt folgende wissenschaftliche Auswertung des bronzezeitlichen Siedlungsplatzes „Borgstedt LA 37“ sei für die zukünftige Forschung Schleswig-Holsteins „von größter Bedeutung“, stellte die Archäologin fest. Das geplante Interkommunale Gewerbegebiet Borgstedtfelde umfasst 40 Hektar. 2017 sollen die ersten Bagger zur Erschließung im Einsatz sein. Das Interesse von Gewerbebetrieben sei jetzt schon groß, freute sich Rainer Hinrichs, Geschäftstführer der Entwicklungsgesellschaft Borgstedtfelde (EBG).

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