500-Meter-Tausendsassa im Gleisbau

Sören Fahlke, Projektleiter der Baufirma, erklärt die Funktionsweise des Zuges.
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Sören Fahlke, Projektleiter der Baufirma, erklärt die Funktionsweise des Zuges.

Spezialzug erneuert Schienen und Bahnschwellen in Nortorf und Umgebung / Er bewältigt mehrere Arbeitsschritte gleichzeitig

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15. Juli 2015, 13:59 Uhr

In Nortorf und Umgebung ist derzeit ein Tausendsassa am Werk: Ein mehrere hundert Meter langer Bau-Zug tauscht die alten Gleise und Bahnschwellen in einem Rutsch gegen neues Material aus. Die Gleisbauarbeiten sind bereits in vollem Gange. Bis zum 4. August werden dabei insgesamt 16 Kilometer Gleise und sechs Bahnübergänge mit Hilfe modernster Technologie erneuert. Da während der Arbeiten der Schienenverkehr eingleisig an der Baustelle vorbeigeführt wird, kommt es zu Einschränkungen der Zugverbindungen.

„Die Deutsche Bahn erneuert in diesem und nächsten Jahr rund 120 Kilometer Gleisanlagen auf der Strecke Neumünster-Flensburg“, erklärt der Pressesprecher der Deutschen Bahn, Egbert Meyer-Lovis. Geplant ist die Erneuerung von rund 55 Kilometern auf der Strecke zwischen Neumünster und Flensburg in diesem Jahr und von rund 65 Kilometern zwischen Wrist und Kiel in 2016. „Insgesamt investiert die Bahn in diese Baumaßnahmen rund 70 Millionen Euro“, fügt Meyer-Lovis an.

„Als erstes werden jetzt die Kleineisenteile, das sind die Schrauben und Klemmen, mit denen die Gleise auf den Schwellen befestigt sind, abgebaut. Dann werden die neuen, rund 120 Meter langen Schienenstücke mit einem Zweiwegebagger neben den alten positioniert, zugeschnitten und verschweißt“, beschreibt Thomas Bornemann, Projektleiter der Deutschen Bahn, die ersten Arbeitsschritte. Dann kommt der Umbauzug zum Einsatz – ein insgesamt 500 Meter langes Ungetüm. Dieses Gerät nimmt die etwa 30 Jahre alten Schienen von den Schwellen auf und drückt sie zur Seite. Im zweiten Schritt entfernt die Maschine die alten Beton-Schwellen aus dem Gleisbett. Im gleichen Zuge verlegt der Umbauzug die neuen Schwellen und bringt die neuen Gleise in Position. Nachdem alle neuen Schwellen verbaut und die alten durch eine Fördereinheit auf den Schwellenwaggons abgelegt sind, werden die Schwellenzüge ausgetauscht.

Der Riesenzug vor Ort besteht also aus mehreren Teilen: „Dabei haben allein die Schwellenwaggons insgesamt eine Länge von rund 400 Metern“, sagt Sören Fahlke. Mit der Länge des Umbauzuges kommen ihm zufolge noch einmal 100 Meter dazu. „Die alten Schwellen werden nach Hannover gebracht“, erklärt Sören Fahlke, Projektleiter der Baufirma Schweerbau. Der leere Zug fährt weiter nach Möllenhagen, um neue Schwellen aufzunehmen. So seien ständig insgesamt vier Schwellenzüge unterwegs, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Der alte Schienenstrang wird im nächsten Schritt in sechs Meter lange Stücke zerschnitten und ebenfalls abgeholt. Als Zwischenlager wurde bereits ein rund 10  000 Quadratmeter großer Platz in der Nähe vom neuen Stellwerk in Neumünster vorbereitet. Letzter Schritt ist dann die Reinigung der Steine im Gleisbett. Hier kommt ebenfalls ein Spezialzug zum Einsatz, der die alten gegen gereinigte Steine austauscht.

Die Bauarbeiten haben Auswirkungen auf die Bahnübergänge in Nortorf (Hohenwestedter Straße, Rendsburger Straße, Bargstedter Straße) sowie die Bahnübergänge in Bokel, Brammer und Ellerdorf (wir berichteten). Sie bleiben teilweise bis zum 6. August gesperrt. Für Autofahrer sind Umleitungen ausgeschildert. In Nortorf steht für Fußgänger zwischen 6 und 18 Uhr ein Taxishuttle bereit, das die Bürger im 20-Minuten-Takt kostenlos von A nach B befördert.

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