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Rendsburg-Eckernförde : 46 000 Liter auf Kosten der Firma getankt?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Angeklagter soll Tankkarte für private Zwecke genutzt haben.

Tanken kann ins Geld gehen – wenn man viel mit dem Privatwagen unterwegs ist. Ein 39-Jähriger soll jedoch eine Methode ersonnen haben, um diese Kosten auf einen Dritten zu verlagern. Die Staatsanwaltschaft hielt ihm jetzt in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht vor, mit der Tankkarte seines Arbeitgebers etwa 46  000 Liter Diesel für den Eigenbedarf getankt und dabei einen Schaden von mehr als 55  000 Euro verursacht zu haben.

Zwischen Juni 2011 und 2012 hat der Laster-Fahrer laut Anklageschrift wiederholt in Deutschland und Polen erst seinen Laster und dann mehrere Kanister befüllt. In dieser Zeit war er Mitarbeiter einer Firma aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. Den Inhalt der Kanister füllte er in den Tank seines eigenen Autos.

Dies gestand der Angeklagte. Nach seiner Rechnung habe er „einmal in der Woche zwei bis vier Kanister à 20 Liter für den Eigengebrauch“ abgezweigt. Er selbst schätzte den Schaden auf maximal 10  000 bis 12  000 Euro. Diese Summe stand jedoch im Widerspruch zur Anklageschrift, in der von 55  000 Euro die Rede war. Die Richterin rechnete nach und äußerte Zweifel: Um diese Schadenshöhe zu erreichen, hätte der Angeklagte bei jeder der angezeigten 46 Taten 1000 Liter in zusätzliche Kanister füllen müssen. „Selbst wenn Sie mega-viel Auto fahren, verbrauchen Sie nicht 46  000 Liter in einem Jahr“, sagte sie. Ein Blick in die ADAC-Statistik gibt ihr Recht. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer hätte der ergaunerte Sprit für 575  000 Kilometer gereicht. „Das passt alles nicht zusammen, deshalb wird der Termin ausgesetzt“, lautete das Fazit nach einer kurzen Beratung mit dem Staatsanwalt. „Die Nachermittlungen sind zu Ihrem Vorteil“, erklärte der Staatsanwalt dem Angeklagten.

Gegen den Lasterfahrer spricht allerdings, dass er sich nach einer früheren Verhandlung vor dem Arbeitsgericht auf einen Vergleich mit seinem alten Arbeitgeber eingelassen hat. 35  000 Euro muss er diesem als Ausgleich für den Schaden zurückzahlen. Darauf würde sich nur jemand einlassen, der auch einen entsprechenden Schaden verursacht hat, erläuterten die beiden Juristen ihre Sichtweise. Vermutlich im Herbst findet die nächste Verhandlung statt.

Kathrin Schaupp

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erstellt am 26.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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