Beleidigung von Polizeibeamten : 450 Euro Strafe für "Hurensöhne"

Wortwechsel nach Zoff unter Nachbarn: 24-jähriger Rendsburger wegen Beleidigung von Polizeibeamten verurteilt

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23. Juni 2012, 08:11 Uhr

Rendsburg | Die Stimmung ist aufgeheizt, als die Beamten vor Ort eintreffen. Ein Wohnhaus mit acht Parteien am Rande der Schleife, ein später Abend Ende Juli 2011: Unter Nachbarn entwickelt sich ein Streit, lautstark, aggressiv und mit obszönen Gesten. Einige der Bewohner versammeln sich vor dem Gebäude, das auf einem Firmengelände steht. Aus einem der Fenster werden "Stinkefinger" gezeigt. Jemand ruft die Polizei. Ein Beamter (28) und eine Beamtin (30) erscheinen, doch das beruhigt die Szene nicht. Im Gegenteil: Als ein 24-jähriger Rendsburger - seiner Familie gehört das Wohnhaus - von den Polizisten des Platzes verwiesen wird, ruft er im Weggehen "Drecksvolk" und "Hurensöhne". Die Beamten beziehen das auf sich und zeigen den jungen Mann an. Gestern musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten. Urteil: Der 24-Jährige wird für schuldig befunden und muss 450 Euro Strafe wegen Beleidigung von Beamten zahlen.

Der Angeklagte zeigt Reue. Zumindest bestreitet er nicht, die Schimpfworte verwendet zu haben. "Ich habe aber nicht die Polizisten gemeint, sondern die Mieter oben im ersten Stock, mit denen ich Ärger hatte", versichert der Rendsburger. Von ihnen habe er sich provoziert gefühlt, nachdem sie seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Prügel angedroht hätten.

Rückendeckung bekommt der 24-Jähriger von seinen Eltern, Brüdern, deren Freundinnen und einer nicht in den Zoff verwickelten Nachbarin. Sie alle sagen im Zuge der fast zweistündigen Beweisaufnahme aus und nehmen den 24-Jährigen in Schutz. Die Beleidigungen hätten nicht den Beamten gegolten, heißt es unisono, sondern den Mietern im ersten Stock. Warum diese nicht in den Zeugenstand geladen wurden, bleibt während der Hauptverhandlung offen.

Stattdessen schildern beide Polizisten, wie sie den Tumult erlebten: Der Angeklagte sei sehr aufgebracht gewesen, sagt der Beamte vom Rendsburger Polizeirevier. "Er betitelte uns als Hurensöhne und sagte, wir treffen uns noch mal. Das konnte nicht den Mietern im ersten Stock gegolten haben." Das Wort "Drecksvolk" sei nach Erteilen des Platzverweises gefallen. "Ich habe beide Begriffe 100-prozentig auf mich bezogen", so der Beamte. Ähnlich seine Kollegin: "Wir waren gemeint, weil wir ihn aufgefordert hatten, mit den Beleidigungen aufzuhören", sagt die 30-Jährige.

Der Richter glaubt den Staatsdienern und folgt mit seinem Strafmaß der Forderung des Staatsanwalts. "Ich gehe davon aus, dass Sie mit ,Hurensöhne die Polizeibeamten gemeint haben", sagt der Richter. "Sie haben sich so über sie geärgert, nachdem ihnen der Platzverweis ausgesprochen wurde."

Der relativ hohe Aufwand mit neun vernommenen Zeugen bei einem relativ kleinen Delikt sei dadurch gerechtfertigt, dass "Polizisten einen schweren Dienst für uns alle leisten", so der Richter. "Sie müssen sich jeden Tag vieles anhören. Hier ging es um Aufklärung."

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