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Rendsburg-Eckernförde : 430 wilde Müllkippen unter der Erde

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bis in die 1970er-Jahre betrieb fast jede Gemeinde eine eigene Deponie.

Unter der Erdoberfläche Rendsburg-Eckernfördes schlummert ein großes Erbe vergangener Unbedarftheit bei der Müllentsorgung: Allein rund 430 „Bürgermeister-Kippen“ gibt es im Kreis. Darin hatten sich die Gemeinden bis rund 30 Jahre nach dem Krieg ihres Abfalls entledigt. Heute werden die alten Deponien mit großem Aufwand beobachtet.

Die wilden Müllkippen sind überall im Kreis verstreut. Fast jeder Ort hatte auf eigenem Gebiet mindestens eine Stelle, um den Müll der Haushalte bis in die 1970er-Jahre zu entsorgen. Erst dann wurde die Entsorgung zentral geregelt. „Das war in ganz Deutschland so. In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Bewusstsein dafür aber gewandelt“, erklärt Ralf-Dieter Beck, Leiter der Fachgruppe Bodenschutz und Abfall in der Kreisverwaltung. Dort kümmern sich vier Mitarbeiter um diese „Altablagerungen“ und um „Altstandorte“, ehemalige Gewerbeflächen mit möglicherweise vergiftetem Boden.

Um sicher zu sein, dass von den alten Mülldeponien keine Gefahr ausgehe, werde das Grundwasser an verdächtigen Gruben beobachtet. „Wenn es gut für uns läuft, sind damals alte Lehm- oder Tongruben verwendet worden“, sagt Beck. In diesen Fällen entweichen kaum Rückstände in tiefere Schichten. Von den 430 Fällen müssen Beck zufolge längst nicht alle die Umwelt gefährden. „Bei der Überprüfung tasten wir uns heran und sondieren, wie groß die Fläche ist, wie tief das Grundwasser steht und ob Brunnen in der Nähe sind.“ Weshalb kaum jemand ein Interesse daran hat, die alten Deponien genauer zu betrachten, ist offenbar auf die Rechtslage zurückzuführen: Solange die Halden unberührt unter der Deckschicht liegen, sei alles in Ordnung, so Beck. Sobald sie jedoch jemand anfasse, gelte der Inhalt als Abfall und müsse entsorgt werden.

„Vogel-Strauß-Politik“ nennt Ralph Hohenschurz-Schmidt dieses Vorgehen. „Es wird auf den Fall gewartet, dass etwas passiert“, sagt der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft. Wären die Gruben nach heutiger Rechtslage betrieben worden, müsste eigentlich jede geöffnet werden um zu sehen, ob eine dauerhafte Gefahr für das Grundwasser bestehe. „Es sind sicher Deponien dabei, in die neben Bauschutt, Holz und organischen Abfällen auch Chemikalien, Schwermetalle und Öl geworfen wurden.“ Alle zu öffnen hieße aber, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, vor allem vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Mittel.

Mit einem weitaus größeren Aufwand werden laut Ralf-Dieter Beck die Altstandorte beobachtet. Ehemaligen Tankstellen, Werkstätten oder Reinigungen kommen die Kreis-Mitarbeiter durch mühevolle Recherchen in alten Telefonbüchern und Gewerbemeldungen auf die Spur. Derzeit sind 3142 identifiziert. Werden Verunreinigungen der Böden festgestellt, kann es zu Maßnahmen bis zum Austausch des Erdreichs kommen.

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erstellt am 01.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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