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Nortorf/Molfsee : 43-jähriger Räuber bereut seine Taten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Landgericht: Täter hatte zwei Bäckerei-Filialen überfallen und die Verkäuferinnen mit einem Messer bedroht. Heute Fortsetzung des Prozesses.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 12:00 Uhr

Wegen schweren Raubes in zwei Fällen muss sich seit gestern ein 43-Jähriger vor dem Kieler Landgericht verantworten. Der Angeklagte hatte im April und Mai dieses Jahres zwei Bäckerei-Filialen der Firma Steiskal in Nortorf und Molfsee überfallen. Dabei bedrohte er die Verkäuferinnen mit einem etwa 20 Zentimeter langen Küchenmesser und zwang sie zur Herausgabe der Einnahmen der vergangenen Tage. Diese waren jeweils in einem Tresor verwahrt worden. Insgesamt erbeutete der Räuber etwa 6400 Euro.

Zum Prozess-Auftakt gestern Nachmittag zeigte sich der Angeklagte reumütig: „Es tut mir wahnsinnig leid, was ich getan habe. Könnte ich den Opfern das Leid nehmen, das ich ihnen zugefügt habe, würde ich das sofort tun. Ich habe mich bei beiden schriftlich entschuldigt.“ Die Taten habe er aus Verzweiflung und verkehrtem Stolz begangen: „Ich habe mich finanziell übernommen und wollte vor meinen Kindern nicht als Versager dastehen, der ihnen nichts mehr bieten kann.“ Die beiden Söhne (zwölf und 14 Jahre alt) leben bei der Ex-Frau des Angeklagten.

Besonders prekär: Der Mann hat selbst 19 Jahre lang für Steiskal gearbeitet, kannte berufsbedingt alle Filialen und sogar sein erstes Opfer in Nortorf vom Sehen. Ende 2014 kündigte er seine Stelle, um seine Lebensqualität zu verbessern, wie er sagte. Er leide an einem Gendefekt, der die Leber angreife, habe bereits zwei Transplantationen hinter sich. Sechs- bis Sieben-Tage-Wochen und Nachtarbeit hätten ihm zu schaffen gemacht. Eine neue Anstellung, die er in Aussicht hatte, platzte allerdings. Miete, Unterhalt und ein Kredit, den der Mann zurückzahlen muss, schnürten ihm finanziell die Luft ab. Zu diesem Zeitpunkt sei aus seinem Vorwissen die Idee eines Überfalles entstanden. „Ich wusste, dass da Geld ist und kannte die Abläufe vor Ort“, erklärte er. Er habe die Filialen beobachtet und auf die erste Verkäuferin am Morgen gewartet – und dann zugeschlagen, wie er sagte.

Das Messer habe er nur zur Einschüchterung dabei gehabt – und um die Frauen zu den Tresoren zu „dirigieren“, wie es der 43-Jährige beschreibt. „Hätte sich eine der beiden zur Wehr gesetzt, wäre ich sofort abgehauen.“ Trotzdem sei ihm bewusst gewesen, dass beide Opfer Panik hatten. Eine der Frauen musste sich nach dem Überfall in Therapie begeben.

Heute wird die Verhandlung vor dem Landgericht fortgesetzt. Dieses Mal sind Zeugen geladen. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits verlauten lassen, ein Strafmaß von einer Freiheitsstrafe unter drei Jahren für nicht angemessen zu halten. Die Verteidigung strebt eine Strafe zur Bewährung an.

 

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