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Marien-Kirche : 400 Jahre alte Tafel in neuem Glanz

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Restaurierung des Fahrenwolt-Epitaphs in der Marien-Kirche steht kurz vor dem Abschluss. 250 000 Euro wurden in zehn Jahren bereits investiert.

Für ihre Arbeit muss Birgit Linnhoff Fingerspitzengefühl haben, aber auch schwindelfrei sein. Sie kniet auf einem vier Meter hohen Baugerüst. Von rechts und links beleuchten zwei helle Strahler das Objekt vor ihr. Birgit Linnhoff ist Restauratorin. Seit fünf Wochen arbeitet sie an einem Epitaph (Gedenktafel) in der St.-Marien-Kirche.

Die Inschrift, die Linnhoff momentan mit ihrer Kollegin Uta Lemaitre restauriert, stammt aus dem Jahr 1620. Sie wurde von Magdalena Fahrenwolt (1554-1625) zu Ehren ihrer beiden verstorbenen Ehemänner und ihrer Kinder gestiftet. Fahrenwolts zweiter Gatte, Franz Fahrenwolt, war einst Bürgermeister von Rendsburg und verstarb 1617. Das Mittelfeld der Gedenktafel zeigt die Himmelfahrt des Propheten Elias aus dem Alten Testament sowie die darunter kniende Familie Fahrenwolt. Darüber befindet sich in der sogenannten Bekrönung ein Relief, auf dem die Auferstehung von Jesus Christus abgebildet ist.

Die Zeit ist an der Tafel aus Holz nicht spurlos vorbeigegangen. Das Material arbeitet, Farben lösen sich ab oder werden von Staub und Schmutz überdeckt. Hinzu kämen klimatische und lichtbedingte Einflüsse, so die Restauratorin. „Unsere Hauptaufgabe ist es, zu erhalten und nicht zu erneuern.“ Beim Fahrenwolt-Epitaph ging es zunächst darum, die Patina aus mehreren Jahrzehnten zu entfernen. Während dieses Prozesses beobachtete Linnhoff die Oberfläche genau. Sich ablösende Farbe und Holzteile befestigte die Expertin mit einem Spezialkleber. „Die Schritte laufen parallel“, so die Restauratorin aus Kiel.

Dass der nördliche Mittelpfeiler der Kirche für die umfangreichen Arbeiten seit mehreren Wochen eingerüstet ist, sieht Pastor Rainer Karstens gelassen. „In unserer Gemeinde besteht ein Bewusstsein für wertvolles Kulturgut“, erklärt er. „Einschränkungen nehmen wir gern in Kauf, wenn wir uns danach an der Ausstattung erfreuen können.“ Seit 2004 werden regelmäßig Restaurierungen an Epitaphien, Altar und Emporen der 727 Jahre alten Kirche vorgenommen. 250 000 Euro sind seitdem in die Erhaltung der Innenausstattung geflossen. Die Kosten der aktuellen Arbeiten liegen bei 20 000 Euro und werden mit jeweils 6800 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege und der Nordkirche bezuschusst. Die übrigen 6400 Euro zahlt die Gemeinde mit Eigenmitteln.

Bislang sind in der Marien-Kirche insgesamt zehn Elemente aufpoliert worden. In allen Fällen war Birgit Linnhoff als Restauratorin beteiligt. „Es ist toll, dass Sie so viel Geduld mit uns haben“, sagt sie zu Pastor Karstens. Drei bis fünf Jahre wird es noch dauern, bis alles gereinigt und gefestigt ist. „Wenn ich die restaurierten Objekte sehe, bekomme ich leuchtende Augen“, freut sich der Pastor. „Vorher konnte man die Schönheit und die einzelnen Bildinhalte gar nicht mehr richtig erkennen.“

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