Feierstunde : 35 Jahre Einsatz und Hilfe für Opfer

Stehen für den Opferschutz ein: Jörg Ziercke, Uwe Rath und Uwe Döring vom Weißen Ring.
Stehen für den Opferschutz ein: Jörg Ziercke, Uwe Rath und Uwe Döring vom Weißen Ring.

Der Weiße Ring in Rendsburg-Eckernförde feierte gestern Geburtstag. Ehrenamtler und Opfer berichteten aus ihrem Alltag.

shz.de von
08. Mai 2015, 06:00 Uhr

Eine Straftat kann das Leben von heute auf morgen verändern. Das weiß man. Es aber zu sehen und hören, weil Opfer von ihrem Leben und ihrer Gefühlswelt nach einer Tat berichten, das ist etwas anderes. Und so war es ganz leise im Publikum, als bei der Feierstunde zum 35. Geburtstag des Weißen Rings zwei Frauen von ihrem Leben nach einer Straftat berichteten. Eine der beiden erzählte davon, wie sich der Raubüberfall, bei dem sie mit Schusswaffen bedroht wurde, auf ihren Alltag auswirkt: „Situationen, die mir nicht geheuer sind, vermeide ich seitdem“, sagte die blonde Frau mit zitternder Stimme und bedankte sich abschließend bei ihrer Helferin vom Weißen Ring.

Die nächste Lebensgeschichte ist die eines 16-Jährigen, der im September 2013 mit einer zerschlagenen Flasche tödlich verletzt wurde. Seine Mutter berichtete davon, wie ungewohnt innig der letzte Abschied vor der Tat war. „Seine Seele hat gespürt, dass es Zeit war zu gehen“, ist sie sicher. Der Täter muss für das ausgelöschte Leben für etwas mehr als sechs Jahre ins Gefängnis. „Wir Eltern haben lebenslänglich bekommen“, so die Frau. „Gott schütze Sie und Ihre Kinder“, wünschte sie den Anwesenden. Die waren sprachlos, bei einigen rollten auch ein paar Tränen. Für ihren Mut und die Stärke, über das Erlebte zu erzählen, bekamen die beiden bunte Blumensträuße und jede Menge Applaus.

Unter den 120 Besuchern anlässlich des Geburtstags waren außer vielen ehrenamtlichen Helfern und Vertretern von Polizei und Staatsanwaltschaft auch Jörg Ziercke, stellvertretender Bundesvorsitzender des Weißen Rings und Uwe Döring, Landesvorsitzender. „Als der Weiße Ring 1976 in Mainz gegründet wurde, waren Opfer dazu da, dabei zu helfen, eine Tat aufzuklären. An Opferrechte war noch nicht zu denken“, erinnerte Döring an die Anfänge. Auch heute gebe es noch viel zu tun. „Man sollte zum Beispiel die Opfer informieren, wenn der Täter Freigang hat oder freigelassen wird“, wünscht er sich. Der Landesvorsitzende betonte, dass die vielen Ehrenamtler professionelle, unbezahlte Arbeit leisten.

„Sie helfen Menschen, die aus einem unbeschwerten Alltag herausgerissen wurden“, sagte auch Jörg Ziercke. Diese humanitäre Aufgabe sei sinnstiftend und erfüllend. Bisher sei seitens des Staates keine umfassende Opferhilfe gewährleistet. „Der Weiße Ring streckt eine helfende Hand aus und gibt den Opfern die Gewissheit, dass sie nicht alleine sind.“ Der Umgang mit diesen erfordere oft eine ganz besondere Sensibilität, zum Beispiel wenn die Betroffenen Migrationshintergrund haben.

Besonders stolz auf seine Mannschaft zeigte sich Uwe Rath, Leiter des Weißen Rings in Rendsburg-Eckernförde. „Wir haben einen guten Zusammenhalt und es bringt viel Spaß mit euch zusammenzuarbeiten.“ Zum Abschluss wies er die Gäste auf den von ihm entdeckten Cappuccino-Effekt hin: „Wer einmal im Monat auf einen Cappuccino im Café verzichtet, hat den Monatsbeitrag für den Weißen Ring zusammen“, warb er um neue Mitglieder.

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