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für mehr Toleranz : 300 Menschen setzen ein Zeichen gegen Pegida

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Viele Flüchtlinge waren am Sonnabend am „Freundlichen Durcheinander“ im Stadttheater teil. Vorträge und Gespräche sollten für Integration und mehr Toleranz werben.

Keine Aufführung, sondern eine kleine Demonstration lockte am Sonnabend 300 Menschen ins Stadttheater. Der Verein für Umwelt, Technik und Soziales (UTS) und das Landestheater hatten zu einer „Muvuca“ eingeladen, einer Gegenveranstaltung zu Pegida. „Muvuca“ kommt aus dem Brasilianisch-Portugiesischen und bedeutet „(freundliches) Durcheinander von Menschen“. Unter diesem Motto stellten Gäste aus verschiedenen Ländern die Musik und Lyrik ihrer Heimat in der Originalsprache vor. Viele der Akteure waren Flüchtlinge. Sie befassten sich mit Themen wie Liebe und Hass, Hoffnung und Verzweiflung, Krieg und Frieden. Im Anschluss übersetzte Peter Feuser die Gedichte und Liedtexte ins Deutsche.

2011 war das Begegnungsprojekt von Rosana Trautrims ins Leben gerufen worden. Seitdem wird es jährlich fortgesetzt. Anders als die Vorgänger sollte Muvuca – eine Idee von Schauspieldirektor Wolfram Apprich – diesmal für mehr als nur ein Durcheinander von Menschen stehen. In Hinblick auf den Verein „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ – kurz: Pegida – sollte die Veranstaltung für Integration und Toleranz werben. Mitorganisator Franz Organista dazu: „Wir hatten ursprünglich kein politisches Anliegen, aber sowas entwickelt sich einfach.“ Zu diesem Anlass habe man deswegen auch viele „Bio-Deutsche“ eingeladen, die inspirierende Gedichte vortrugen, teils selbst geschrieben. Einer von ihnen war Stefan Moor. Er sprach über Menschen, die zwar mit dem Lauf der Welt nicht einverstanden sind, sich ihr aber dennoch nie in den Weg stellen.

Mildred Lubonga aus Kenia spielte zusammen mit Rosana Trautrims eine Szene vor, in der sie als ein „Neger“ bezeichnet wird. „Und ich hasste meine Haare und meine dunklen Lippen und ich betrachtete mit Scham meine dunkle Haut. Ich fing an, meine Haare zu glätten und meine Haut mit Puder aufzuhellen“, erzählt Mildred von der erzwungenen Assimilation. Ein weiteres Beispiel für einen Auftritt, der zum Nachdenken anregte, lieferte Hamidullah Salioogli, Journalist aus Afghanistan. Er trug ein Gedicht mit dem Titel „Als ich gepeitscht wurde, warst du verwundert“ vor. Sein Landsmann Aref Samsor aus Afghanistan sagte: „Um unsere Kraft besser zu vereinigen, brauchen wir nur das Brot besser zu teilen“. Die Physikerin Neda Sadeghi aus dem Iran erklärte: „Für Freiheit flüchtete ich aus meiner Heimat in diese Heimat, doch war die Reise wie die aus einem Käfig in einen anderen“. Stehend dargebotene Ovationen gab es für die kleine Tayebeh Sadegi, die auf dem Piano das Stück „Comptine d’un autre été“ von Yann Tiersen vorspielte. Der Asylbewerber Adnan Harbo aus Irak hatte daraufhin eine besondere Idee: Für all die Unterdrückten, Verfolgten und den Opfern bat er das Publikum um eine Schweigeminute.

Nach zwei Stunden Programm konnte man sich am Buffet bedienen und dies gleichzeitig für Gespräche und Kontakte ausnutzen. „Es war wunderschön, mit so vielen Deutschen und Migranten unseren Unterschied zu feiern“, sagt Trautrims begeistert. „Wir haben einander zugehört, sind ins Gespräch und uns so näher gekommen. Es war eine ganz besondere Nacht!“

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