Rendsburg : 28 Einbrüche - Kaufleute in Angst

'Wir fühlen uns nicht mehr sicher': Beate Brendemühl vor einer Vitrine, die in der Nacht zum Montag von  Einbrechern ausgeräumt wurde.
"Wir fühlen uns nicht mehr sicher": Beate Brendemühl vor einer Vitrine, die in der Nacht zum Montag von Einbrechern ausgeräumt wurde.

Diebe treiben in der Innenstadt ihr Unwesen. Serie seit Jahresbeginn. Einzelhändler fühlen sich von der Stadt und Polizei alleingelassen.

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10. April 2013, 10:37 Uhr

Rendsburg | Unter den Rendsburger Geschäftsleuten herrscht Aufregung und Empörung. Seit Jahresbeginn hat es zwischen Parade- und Schiffbrückenplatz 28 Einbrüche in Läden gegeben. Die Täter verschaffen sich meist in der Nacht gewaltsam Zugang, indem sie Scheiben einschlagen oder Türen aufhebeln - und raffen dann alles zusammen, was von Wert scheint.

In der Nacht zu gestern wurde wieder einmal Beate Brendemühl zum Opfer. Die Inhaberin des Schreibwarengeschäfts am Altstädter Markt musste am Morgen feststellen, dass die Eingangstür zu ihrem Laden aufgebrochen worden war. Nach einer ersten Durchsicht fehlen ein Laptop mit wichtigen Daten, Kinogutscheine und hochwertige Schreibgeräte, die aus einer Vitrine genommen wurden. Den Schlüssel zum Schaukasten hatten die Einbrecher offenbar ganz gezielt aus einer Schublade genommen. "Ich bin überzeugt, dass wir zuvor ausbaldowert wurden", sagt die Geschäftsfrau.

Aber es ist nicht nur der materielle Schaden, der Beate Brendemühl zu schaffen macht. Die vielen Einbrüche bei ihr und bei den Nachbarn haben sie auch mental mürbe gemacht. "Noch ein Einbruch - dann kann ich meinen Laden zumachen. Ich träume schon davon, dass eingebrochen wird. Und wenn ich morgens zum Laden komme, stelle ich mir die bange Frage, was mich wohl erwartet. Ich bin inzwischen fast der Ansicht, dass die Rendsburger Innenstadt zu einem rechtsfreien Raum geworden ist." Schon vor Wochen ist die Geschäftsfrau zusammen mit der Interessengemeinschaft Altstädter Markt aktiv geworden. In einem Brief an Innenminister Andreas Breitner schilderten sie ihre Situation und baten um Hilfe. In seiner Antwort verwies Breitner auf das landesweite Einsatzkonzept Einbruchdiebstahl ("verstärkte Präsenz, mehr Kontrollen, intensivste Tatortarbeit") und die Tatsache, dass in der Rendsburger Innenstadt in diesem Jahr bereits zwei Einbrechergruppen vorläufig festgenommen wurden. "Ich bin mir sicher, dass sich weitere Erfolge einstellen werden", schrieb Breitner weiter.

Geholfen hat die Antwort nicht. Ähnliches gilt für eine Unterschriftenliste, mit der die Geschäftsleute bei Polizei und Stadt Rendsburg um Beistand gebeten haben. "Bei der Stadt wurde uns geraten, die Vorfälle am besten nicht an die große Glocke zu hängen. Damit würden in der Bevölkerung nur Ängste geschürt. Aber das nehme ich nicht mehr so hin. Die Bedrohung ist real. Und wir brauchen Hilfe." "Wir sind an der Seite der Gewerbetreibenden. Ich habe die Situation mit Andreas Breitner und der Polizei erörtert. Nur im Zusammenwirken mit der Polizei können wir etwas erreichen", sagte Bürgermeister Pierre Gilgenast.

Beate Brendemühl zieht jetzt eigene Konsequenzen. Sie will ihr Geschäft mit Gittern ausstatten. "Mir ist bewusst, dass das auf Touristen keinen guten Eindruck macht. Und eigentlich will ich es auch nicht. Aber es geht um meine berufliche Existenz. Mir bleibt keine andere Wahl, als mich zu verbarrikadieren."

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