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Landeszeitung

20. August 2017 | 02:45 Uhr

266 Bürger haben schon aufgerüstet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Trend zum „kleinen Waffenschein“ auch in diesem Jahr ungebrochen / Gefahr: Schreckschusspistolen ähneln echten Schießeisen stark

Schreckschusspistolen, Gas- und Signalwaffen – immer mehr Bürger im Kreis wollen offenbar derartige Schießeisen in der Tasche mit sich herumtragen. Das geht aus Daten der Kreisverwaltung hervor: Die Zahl der Anträge auf den kleinen Waffenschein geht demnach durch die Decke. In den ersten sechs Wochen dieses Jahres genehmigte die Ordnungsbehörde bereits 266 Anträge. So viel wie noch nie in dieser kurzen Zeit. Über die Gründe dafür herrscht weitgehend Ratlosigkeit.

Die Verwaltung hatte bereits 2016 mit einem sprunghaften Anstieg zu tun. Gegenüber dem Jahr 2014 etwa hat sich die Zahl der Genehmigungen auf 622 mehr als verzehnfacht. Damals wurde festgestellt, dass die Trendwende mit dem Jahreswechsel eintrat. Die Vermutung lag nahe, dass der Boom auf die Vorkommnisse zum Jahreswechsel 2015/16 zurückzuführen war, als in großen Städten der Bundesrepublik viele Frauen mutmaßlich von Asylbewerbern belästigt worden waren, etwa vor dem Kölner Hauptbahnhof. Doch den Zahlen des Kreises zufolge sind es in der großen Mehrheit Männer, die sich bewaffnen. Der Anteil der Frauen, die 2016 einen kleinen Waffenschein erhielten, beträgt knapp 19 Prozent.

Die seit Monaten anhaltende, hohe Nachfrage nach der Erlaubnis führte dazu, dass auch die Gesamtzahl der erteilten Anträge auf derzeit 1845 stieg – damit hat sie sich in gut zwei Jahren nahezu verdoppelt. Vermutlich sind jedoch weitaus mehr täuschend echt aussehende Pistolen und Revolver im Kreis Rendsburg-Eckernförde im Umlauf, denn der kleine Waffenschein wird nicht auf die Schießeisen ausgestellt, sondern auf den Inhaber. Der kann darauf so viele Waffen besitzen, wir er möchte. Dass der Antrag seit einigen Monaten über das Internet gestellt werden kann, ist laut der Ordnungsamtsleiterin des Kreises, Barbara Rennekamp, vermutlich nicht der Grund für den Anstieg. „Letztendlich ist das Verfahren gleich. Vorher haben die Antragsteller schließlich auch nicht persönlich in der Amtsstube erscheinen müssen. Sie konnten die Vordrucke per Post einreichen.“ Die Verwaltung hat jedoch festgestellt, dass inzwischen 75 Prozent der Anträge online gestellt werden.

Der kleine Waffenschein sei in den vergangenen Monaten durch Medienberichterstattung bekannter geworden, das könne die Ursache sein, so Rennekamp. Sicher sei das aber nicht: „Die Antragsteller müssen keine Gründe angeben“, sagt sie. Die Polizei beobachtet die Entwicklung mit aufmerksamer Sorge. Vor allem, dass Schreckschuss- und Gaspistolen den scharfen Waffen zum Verwechseln ähnlich sehen, sei gefährlich, so Sprecher Sönke Hinrichs von der Polizeidirektion Neumünster. „Wir raten davon ab, sich zu bewaffnen, in welcher Form auch immer. Jede Waffe im Umlauf ist eine zu viel“, so Hinrichs. Er kann aber nicht bestätigen, dass seine Kollegen auf Streife häufiger auf bewaffnete Bürger treffen. Auch die Vergehen gegen das Waffengesetz, die beim Ordnungsamt registriert werden, seien nicht angestiegen, so Barbara Rennekamp: „Dafür gibt es keine Anzeichen.“

Wer 18 Jahre alt ist und sich nichts hat zuschulden kommen lassen, erhält den kleinen Waffenschein. Damit kann er Schreckschusspistolen und Co bei sich tragen. Zu Hause ist das auch ohne Erlaubnis möglich. Auf öffentlichen Veranstaltungen sind Waffen aber generell nicht erlaubt. Schüsse dürfen außerhalb der eigenen vier Wände ohnehin nicht abgegeben werden, allerdings gelten Notwehrregeln.

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erstellt am 10.Feb.2017 | 11:07 Uhr

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